Bad Wurzach – Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Oberschwäbischen Barockstraße fand im Restaurant „Torfstecher“ in Bad Wurzach ein thematisches Barockessen statt. Stadtarchivar Michael Wild übernahm die historische Begleitung des Abends und vermittelte den Gästen viel Wissenswertes über die Lebenslage der damaligen Zeit.

Der Stadtarchivar würzte den Abend mit Anekdoten und mehr
Nach der allgemeinen Begrüßung ging Wild auf die barocken Bauwerke Bad Wurzachs ein und beschrieb ausführlich den Alltag der Bewohner im damaligen Wurzach. Die Realität war oft von harten Entbehrungen geprägt: Infolge des Dreißigjährigen Krieges, durch Seuchen und Mangel, schrumpfte die Einwohnerzahl der Stadt zeitweise auf nur noch 19 Personen zusammen. Der Stadtarchivar erläuterte zudem den Einfluss der Herrschaft durch den Schlossbau sowie die Funktion des Klosters Maria Rosengarten als Witwensitz. Dabei schlug er immer wieder Brücken zum letztjährigen Gedenken an den Bauernkrieg, beleuchtete das damalige Steuersystem und die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Die vielseitigen Themen verknüpfte Wild pointiert mit humorvollen Bezügen zur heutigen Zeit.
Fünf Gänge nach dem Vorbild der Zünfte
Der kulinarische Teil des Abends orientierte sich an den historischen Speisenfolgen, wie sie die Zünfte bei festlichen Anlässen abgehalten haben könnten. Das Team des Restaurants „Torfstecher“ um Giorgio Ocean-Maucher sorgte für einen zügigen und reibungslosen Service der fünf Gänge, was von den Gästen lobend hervorgehoben wurde.
Die Gerichte spiegelten die kulinarischen Trends des Barock wider. Zu den Pasteten erklärte Wild, dass es damals üblich war, Lebensmittel zu zerkleinern und in neue Formen zu bringen – so wurde Gemüse beispielsweise als Blumen arrangiert. Auch extravagantere Bräuche des Adels kamen zur Sprache, wie das Servieren eines gekochten Schwans, der für die Tafel wieder mit seinen Federn geschmückt wurde. Zum „Hauptspektakulum vom Wildschwein“ referierte Wild über das Jagdverhalten und die Privilegien der Adeligen und streute passende Anekdoten ein. Zudem erklärte er den Bezug zur „Neuen Welt“: Der Truthahn wurde damals aus Amerika eingeführt, und Südfrüchte wie Zitronen und Orangen – die auch als Dekoration auf den Tischen zu sehen waren – dienten bei Zunftessen als sichtbares Zeichen des Wohlstands.
Gäste aus der Region und nachhaltiger Ausklang
Zum Abschluss sorgten die traditionellen Bezeichnungen der Nachspeisen für Erheiterung im Saal: Neben „Nonnenfürzle“ und „Honigkiachle“ stießen besonders die „Bubenspitzle“ auf humorvolle Resonanz.
Die Veranstaltung zog auch Besucher von außerhalb an. Die weiteste Anreise hatten zwei Lehrer aus Rottweil, die Karten für das Barockessen als Abschlussgeschenk ihrer Abiturklasse erhalten hatten. Unter den Gästen befanden sich zudem Bürgermeister Florian Schiller sowie drei Besucher aus Ravensburg, die Bad Wurzach zum ersten Mal besuchten und sich sehr angetan zeigten.
Michael Wild bedankte sich zu Beginn und zum Ende der Veranstaltung ausdrücklich bei der Bad Wurzach Info (BWI) für die Organisation und hob die gute Zusammenarbeit hervor. Ein praktischer Nebeneffekt zeigte sich am Schluss: Die Gäste durften die aus Blumen und Obst bestehende Tischdekoration mit nach Hause nehmen, so dass alle Elemente des Abends Verwendung fanden.
Johanne Gaipl








