60 Jahre im Weinberg Gottes gearbeitet


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Molpertshaus – Es war gerade mal ein Jahr nach Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils. Der mittlerweile heiliggesprochene Papst Paul VI. war seit drei Jahren Papst, Bischof Josef Leiprecht war seit 17 Jahren Oberhirte der damals noch Diözese Rottenburg genannten Heimatdiözese von Adolf Schuhmacher. Zudem waren es noch drei Wochen bis zur Niederlage Deutschlands gegen England bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1966, als der aus Mennisweiler gebürtige Adolf Schuhmacher in Rottenburg von Bischof Leiprecht zum Priester geweiht wurde. Mit ihm sprach auch der spätere Pfarrer von Bergatreute, Hans-Peter Unglert, auf den Anruf des Bischofs das „Adsum“, also die Zusage „Hier bin ich, ich bin bereit, denn du hast mich gerufen“. Am 17. Juli 1966 feierte der seinerzeit 26-jährige Adolf Schuhmacher dann die Primiz, also die erste Eucharistiefeier in seiner Heimatpfarrei St. Katharina Molpertshaus.

Adolf Schuhmacher, Priester seit 60 Jahren.

Adolf Schumacher, Priester vor 60 Jahren.

Ein ganz besonderer Moment: In der ersten Heiligen Messe, die der frisch geweihte junge Priester zelebriert, nämlich in der Primiz in seiner Heimatpfarrkirche Molpertshaus am 17. Juli 1966, reicht er die Kommunion (rechts im Bild) einer Frau mit hellem Hut. Diese Frau, die die Kommunion mit dem Mund empfangen wird, ist mit großer Wahrscheinlichkeit seine Mutter. Für diese Annahme spricht, dass ihr noch vor den Klosterfrauen und den anstehenden Kommunionkindern die konsekrierte Hostie gereicht wird. Diese Heraushebung steht der Priestermutter zu. Wo ist der Vater? Adolf Schuhmacher, geboren 1940, ist ein Halbwaise, der Vater war im Krieg gefallen. Man beachte auch den assistierenden Priester links neben dem Jungpriester: Was in vorkonziliarer Zeit üblicherweise ein Ministrant tat, nämlich während der Kommunionspendung eine Patene quasi als Teller hinzuhalten, um etwaige Krümel aufzufangen, macht hier ein Mitbruder. Alle Kommunizierenden knien an der Kommunionbank und empfangen den Leib Christi in großer Demut und Hingabe. (rei)

Der Primiziantensegen. Er gilt als besonders gnadenreich. Um ihn zu empfangen, lohnt es sich, ganze Schuhsohlen durchzulaufen, sagt der Volksmund.

Stationen in 60 Jahren
60 Jahre danach versammelten sich in der Heimat-Pfarrkirche wiederum zahlreiche Gläubige aus der Kirchengemeinde, der Seelsorgeeinheit Oberes Achtal, aber auch aus jenen Orten, wo Adolf Schuhmacher in seiner aktiven Zeit als Vikar und Pfarrer Dienst tat. Dabei kam er so ziemlich in der ganzen Diözese herum. Als Vikar war er für eine ganz kurze Zeit in Isny St. Maria, dann in Deißlingen und Schwäbisch Hall, bevor er sechs Jahre in Biberach als Kaplan wirkte. Seine erste Pfarrstelle trat er 1971 in Gundelsheim im Norden der Diözese an. Weitere Stationen waren Obergriesheim, Tuttlingen, wo er zusätzlich noch Kreisdekan war, und schließlich bis zu seiner Pensionierung zum 1. Januar 2010 in Baltmannsweiler im Dekanat Esslingen. Seit den Pensionierung lebt er in Bad Waldsee und hilft nach wie vor in der ganzen Seelsorgeeinheit Bad Waldsee aus, darüberhinaus auch gerne in seinem Molpertshaus.
Den Gläubigen zu verantwortlichen Christen befähigt

Nachdem Pfarrer Schuhmacher dem in Gundelsheim geborenen Festprediger Uwe Thauer (Bild) „verboten“ hatte, über das Wirken als Priester zu predigen, hat dieser dies augenzwinkernd einfach noch vor seine Predigt gestellt und dann doch die 60 Jahre, in denen Schuhmacher „mit allen Herausforderungen seinen Dienst als Priester erfüllt hat“, Revue passieren lassen. So habe er „den Gläubigen viel zugetraut und sie dadurch zu verantwortlichen Christen befähigt“. Thauer hat schon als Jugendlicher Pfarrer Schuhmacher in Gundelsheim am Neckar erlebt. Dort, so blickte der Spiritual am Ambrosianum und Wilhelmstift in Tübingen und am Priesterseminar in Rottenburg zurück, habe er stets ein offenes und gastfreundliches Pfarrhaus erlebt, wofür er ausdrücklich auch Frau Mechthild Müller dankte, die als Haushälterin, Religionslehrerin und Katechetin über viele Jahre zur Wegbegleiterin des Jubilars wurde.
Dass man als Priester nicht nur alleine für andere da ist, sondern stets in einer Weggemeinschaft mit anderen pastoralen Diensten sei, betonte Schuhmacher selbst in seiner Begrüßung. Neben ihm selbst und dem Prediger Uwe Thauer feierten mit Pfarrer Juvenal, für dessen soziale Projekte im Kongo die Kollekte war, Pfarrer i. R. Josef Mattes aus Bad Waldsee, Diakon Dieter Weil, auch der aktuelle Administrator der Seelsorgeeinheit Oberes Achtal, Pfarrer Thomas Bucher, den Gottesdienst mit. Zudem kamen zahlreiche Ordensschwestern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Schuhmachers auf dessen Weg durch die Diözese, nach Molpertshaus.
Eine große Leidenschaft des Jubilars sei stets die „Verkündigung in Wort und in Deinem konkreten Lebensstil“ gewesen, so Thauer an die Adresse Schuhmachers. So „warst Du schon immer ein aktiver Christ, der als Sämann das Wort Gottes unter die Menschen gebracht hat“ und eben nicht schweigen konnte, wenn Menschen gegeneinander ausgespielt wurden oder wenn demokratische Institutionen und gesellschaftlicher Zusammenhalt unter Druck geraten sind. Den Begriff des „synodalen Wegs“ gab es so in der Zeit, als Schuhmacher Pfarrer in Gundelsheim war, noch nicht und doch habe dieser diesen Weg in seinem Wirken schon damals beschritten und schon den Jugendlichen größtmögliche Freiheiten in ihren Aktivitäten gegeben.
Aufmerksam für die Wegweisung Gottes
Nach seiner „Vor-Predigt“ ging Thauer dann auf das Evangelium vom Sämann ein, der guten Samen auf seinen Acker säte und damit umgehen musste, dass neben der Saat, die aufging, eben auch Unkraut zum Vorschein kam. Auch im Blick auf das Wirken von Pfarrer Schuhmacher betonte Thauer als Quintessenz aus dem Evangelium, dass es darauf ankomme, bei allen Herausforderungen und Unsicherheiten im Leben das „Gute zu stärken“ und sich an dem zu orientieren, was der Primizspruch aus dem Philipperbrief des Jungpriesters vor 60 Jahren war: „Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt noch über euren guten Willen hinaus“. Auch in den Fürbitten zeigte sich, worauf es Pfarrer Adolf Schuhmacher immer angekommen ist.
Wie sehr gerade die Weggemeinschaft für Pfarrer Schuhmacher stets von großer Bedeutung war, fasste der Zelebrant quasi im Anruf Gottes nochmals zusammen. So dankte er Gott, dass dieser „uns nicht allein lässt auf unserem Lebensweg“ und rief dazu auf, „aufmerksam zu sein für die Wegweisung Gottes“, um schließlich um die Begleitung Gottes auf allen Wegen zu bitten.“
Thomas Neyer, der Gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats Molpertshaus dankte nach dem Segen dem gebürtigen Mennisweiler Pfarrer Schuhmacher nicht nur für den Festgottesdienst, der „so ganz nach seinem, also des Jubilars, Sinne“ war, sondern auch für dessen unschätzbare Dienste, die er noch immer vornehmlich in seiner Heimatpfarrei wahrnimmt und „für die besondere Gnade, wie er diesen langen Weg so frohgemut und engagiert gehe“. Mit großem Eifer, bewundernswertem Fleiß, erfrischenden Ideen, zuweilen allerdings auch etwas ungeduldig, so Neyer, fordere Pfarrer Schuhmacher die Gläubigen heraus und halte „so in seinem priesterlichen Tatendrang den Himmel offen“. Dafür gab es dann auch einen großen und aufrichtigen Applaus und ein ehrliches „Vergelt’s Gott“.
Dank des Jubilars und ein Blick über den Tellerrand
Schuhmacher selbst hatte dann, wie es ihm gebührt, die letzten Worte im Gottesdienst. Neben dem Dank an die Musikkapelle unter Leitung von Natalie Kiekopf und an die Kantorin Christine Neyer, an die Organistin Gabi Detzel, die an einer Truhenorgel den Gesang begleitete, weil die große Orgel momentan etwas reparaturbedürftig ist, dankte er auch den liturgischen Diensten, Mesnern, Ministranten und Konzelebranten, dem Kirchengemeinderat mit Thomas Neyer und all denjenigen, die er jetzt vergessen haben sollte. Ausdrücklich wandte er sich besonders auch an Frau Mechthild Müller, und an seinen Bruder Josef und dessen Frau Gerda, die die Pflege der Mutter von Pfarrer Schuhmacher übernommen haben, die er selber nicht wahrnehmen konnte. Schließlich erinnerte er mit dem Aufruf, für die Projekte seines Mitbruders Juvenal zu spenden, daran, dass es stets gelte, auch über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken und an diejenigen zu denken, denen es vielleicht nicht so gut geht wie uns.
Text: Günter Brutscher / Fotos: Günter Brutscher, Thomas Neyer, Schuhmacher privat
Weitere Bilder vom Jubiläumsgottesdienst nachstehend in unserer Galerie







































