Zum Hauptinhalt springen
85. Geburtstag

Gratulation, Herr Forcher

Foto: © Haus der Geschichte Stuttgart / Rupert Leser
Sprung ins heiße Nass. Die Aufnahme von 1991 stammt von Rupert Leser. Die Bild-Rechte liegen heute beim Haus der Geschichte in Stuttgart.
veröffentlicht am: 01.10.2026
Autor: Gerhard Reischmann
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Bad Waldsees langjähriger Bürgermeister Rudolf Forcher wird heute 85 Jahre alt. Skizze eines Lebens im Dienste der Stadt.

Es ist ein Bild für Bad Waldsees Geschichtsbuch: der Sprung von Rudolf Forcher ins heiße Nass. 1991 wurde man bei der Bohrung nach Thermalwasser fündig und die Freude darüber war so groß, dass der mutige Bürgermeister in voller Montur in die heiße Brühe sprang. Mutig war nicht nur sein Sprung. Mutig war vor allem, es ein zweites Mal versucht zu haben mit einer Bohrung. Denn der erste Versuch hatte nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Seit 1991 nun besitzt Bad Waldsee die heißeste Quelle Oberschwabens und der nassforsche Schultes hatte seinen Spitznamen weg: Man hieß ihn den „abgebrühtesten Bürgermeister Oberschwabens“.

1994 wurde die Waldsee-Therme eröffnet und immer wieder investierte man kräftig in das Kurwesen. Dass Bad Waldsee als Kurstadt heute im Vergleich zu so mancher Nachbarstadt gut dasteht, ist sicherlich in der Ära Forcher grundgelegt worden.

Rudolf Forcher war nicht nur ein Investor in Sachen Kur. Er war auch akquirierend und netzwerkend unterwegs, bekleidete hochrangige Ämter in den Heilbäderverbänden und pflegte beste Kontakte zu Versicherungsträgern – gewiss nicht zum Schaden der Stadt.

Geschafft: Alle Widerstände sind überwunden, Bad Waldsee hat heißes Wasser. Rudolf Forcher spreizt die Finger, zeigt das Siegeszeichen. Foto: Rupert Leser (1991). Die Rechte liegen inzwischen beim © Haus der Geschichte in Stuttgart.

Auch die Kontakte in die Landeshauptstadt pflegte er sorgsam. Als Rudolf Forcher 2004 nach 32 Dienstjahren als Bürgermeister von Bad Waldsee verabschiedet wurde, sagte der damalige Wirtschaftsminister Walter Döring scherzend, aber treffend: So mancher Schultes aus Oberschwaben, der als Bittsteller nach Stuttgart gereist sei, sei abschlägig beschieden worden mit der Bemerkung: Es gibt kein Geld mehr, der Forcher war schon da.

1972, als der 31-jährige Rudolf Forcher zum Bürgermeister von Bad Waldsee gewählt wurde, lagen die Eingemeindungen von Gaisbeuren, Mittelurbach und Reute gerade mal ein Jahr zurück. Haisterkirch und Michelwinnaden kamen 1975 zu Bad Waldsee. Forcher kümmerte sich um das Zusammenwachsen und schaute, dass die Landgemeinden gut ausgestattet wurden. In Michelwinnaden wurde die Burg zum Dorfgemeinschaftshaus, in Haisterkirch der Klosterhof. In Reute wurde die Durlesbachhalle gebaut, Gaisbeuren und Mittelurbach erhielten Dorfgemeinschaftshäuser.

Eine große Leistung unter Führung von Bürgermeister Forcher war der Zusammenschluss der Wasserversorgungen von Bad Waldsee, Bad Wurzach, Teilen von Aulendorf und Wolfegg unter dem Dach der OSG, die ihren Sitz im Ballenmoos hat.

Wichtig waren ihm immer die Städtepartnerschaften, insbesondere die Freundschaft zu Bad Elster.

Wehgetan hat ihm die Schließung des Bad Waldseer Krankenhauses. Zusammen mit Thomas Bertele, Franz Daiber, Markus Nold, Christoph Mayer, Dieter Fusseneger und Helmut Riga setzte er sich im Jahre 2022 an die Spitze der Protestbewegung – damals schon über 80 Jahre alt.

Als Bürgermeister war Rudolf Forcher ein Frühstarter. Mit 25 Jahren eroberte er den Chefsessel in der kleinen Albgemeinde Lautlingen. Als diese nach Albstadt eingemeindet wurde, schaute er nach einer Alternative. In Bad Waldsee fand er seine Lebensstellung.

Geboren 1941 in Budweis in Böhmen, wurde seine Familie nach dem Krieg vertrieben. Mutter Forcher und ihr Büble verloren nicht nur die Heimat, sie verloren auch den Mann, den Vater; dieser war aus dem Krieg nicht zurückgekommen.

Bad Waldsee, seine Stadt, hat ihm seinen hochengagierten Dienst über 32 Jahre mit der Ehrenbürgerwürde vergolten. Auch Professor und Senator darf Rudolf Forcher sich nennen, Titulaturen aus jahrzehntelanger Dozententätigkeit an der Dualen Hochschule in Ravensburg.

Der Jubilar lebt mit seiner Frau nach wie vor im großen Haus im Mittelurbacher Blumenviertel. Gerne schafft er im Garten. Am gesellschaftlichen Leben der Stadt nimmt er immer noch teil, man sieht Rudolf Forcher in Ausstellungen und bei Konzerten. Auch das Narrenrechtabholen hat er noch nie ausgelassen. Über seinen Geburtstag macht er nicht viel Aufhebens. Eine große Feier hatte ihm die Stadt zum 75. Geburtstag ausgerichtet – im Haus am Stadtsee, das zu Zeiten von Rudolf Forcher gebaut wurde. Etliche Bilder von damals, als Altministerpräsident Erwin Teufel die Eloge hielt, haben wir in unserer Bildergalerie versammelt. Sie stammen von Brigitte Göppel, der Pressefrau der Stadt. Wir danken ihr für die Erlaubnis, sie hier in der Bildschirmzeitung „Der Waldseer“ zu publizieren.

Lieber Herr Forcher, herzlichen Glückwunsch und alles Gute!
Gerhard Reischmann

ANZEIGE
Gerhard Reischmann
veröffentlicht am
01.10.2026
Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beitrag teilen
Bildergalerie
ANZEIGE
ANZEIGE
Ein Partnerunternehmen der Bildschirmzeitung
Bildergalerie
Fotos: Brigitte Göppel
Neueste Beiträge
Ein Partnerunternehmen der Bildschirmzeitung
Diese Anzeige kann aufgrund Ihrer Netzwerkeinstellungen nicht angezeigt werden.