2026 ist das Jahr der Gottesanbeterin in Baden-Württemberg


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Stuttgart – Aufgrund des Klimawandels breitet sich die wärmeliebende Gottesanbeterin (Mantis religiosa) seit einigen Jahren in Baden-Württemberg immer weiter aus. „Vom Hitzesommer 2026 hat die Fangschrecke mit den Riesenaugen offenbar besonders profitiert. Wegen des milden Frühjahrs und heißen Frühsommers haben die Tiere zudem einen Schnellstart im Südwesten hingelegt. Noch nie wurden im Südwesten so viele Gottesanbeterinnen gesichtet. Bis Anfang August waren es bereits 682 Fotomeldungen im Portal NABU-naturgucker.de. Im Vorjahr sind es nur 30 gewesen“, berichtet NABU-Artenschutzreferent Martin Klatt. Auch bundesweit nehmen die Meldungen zu: Allein in der letzten Juliwoche gingen mehr als 2.000 Beobachtungen ein. Das ist ein Mehrfaches der Vorjahre.
Bis vor einigen Jahrzehnten galt die aus dem Mittelmeerraum stammende Gottesanbeterin, auch Mantis genannt, hierzulande als Exotin. Sie kam bundesweit fast nur am Kaiserstuhl vor, konnte im Zug des Klimawandels ihr Areal aber gewaltig vergrößern. Einzelne Funde gibt es inzwischen aus jedem Bundesland. Ein größeres Westvorkommen in West- und Süddeutschland hat in Baden-Württemberg seinen Schwerpunkt vor allen in den Weinbaugebieten entlang der warmen Flusstäler von Rhein und Neckar. Der zweite Schwerpunkt der Verbreitung reicht im Osten von Thüringen bis zur Lausitz und hoch nach Berlin. Genetische Untersuchungen zeigen, dass diese „Ost-Gottesanbeterinnen“ aus Tschechien und Polen eingewandert sind. In den Mittelgebirgen ist es der Mantis noch zu kalt.
Lauernde Jägerin an ungewöhnlichen Orten
Gottesanbeterinnen lieben Sonne und halten sich gern in Stauden oder an Gebüschrändern auf. Gut getarnt und meist regungslos werden sie eher zufällig entdeckt, etwa als Besuch im Garten, am Wohnungsfenster oder als Passagierinnen auf Fahrradlenkern. Mit ihren großen Fangarmen sind sie unverwechselbar. Wer eine Gottesanbeterin sieht, kann sie in Ruhe beobachten und fotografieren. Denn auf der Suche nach Beute – Insekten und Spinnen – lauern sie unbeweglich oder nähern sich in Zeitlupe, um dann blitzschnell zuzuschlagen. Die Beute wird mittels Widerhaken an den Vorderbeinen festgehalten und lebendig verspeist. Für den Menschen sind sie ungefährlich. Sie sind weder giftig noch können sie stechen.
Bei den Gottesanbeterinnen ist in den nächsten Wochen Fortpflanzung angesagt. Auf dem Weg von der Larve zum fertigen Insekt häuten sich Gottesanbeterinnen mindesten sechs Mal. Je nach Umgebung sind sie grün oder braun gefärbt und dadurch bestens getarnt. Flügel haben nur die erwachsenen Tiere. Nun fallen sie eher auf, wenn sie auf der Suche nach Nahrung und Hochzeitspartnern kurze Flüge unternehmen und dabei auch in Gärten kommen oder sich sogar ins Haus verirren. Der Anstieg der Beobachtungen ab Mitte August signalisiert, dass immer mehr ausgewachsene Tiere unterwegs sind. Dieses Jahr hat die Hitze die Entwicklung wohl um zwei bis drei Wochen beschleunigt.
Noch bis in die zweite Septemberhälfte sind Gottesanbeterinnen häufig zu sehen. Dann nimmt ihre Zahl rasch ab. Geschätzt ein Drittel der Männchen stirbt bereits unmittelbar nach der Paarung, denn sie werden von den Weibchen verspeist. Was grausam klingt, ist im Sinne der Arterhaltung nachvollziehbar. Die Männchen haben ihren Job getan und die Weibchen stärken sich für die anstrengende Eierproduktion. Im Herbst sterben auch die Weibchen, nur die „Oothek“ genannten Eipakete überwintern, aus denen nächsten Mai 50 bis 100 Jungtiere schlüpfen.




























