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Wirtschaft

Welche Aufgaben löst ein Interim-CFO in 90 Tagen?

Foto: Gerd Altmann / Pixabay
veröffentlicht am: 01.08.2026
Autor: pl/dbsz
Lesedauer: ca. 8 Minuten

Fällt der Finanzchef kurzfristig aus oder gerät eine Firma durch eine Krise in Schieflage, wird häufig ein Interim-CFO geholt. In lediglich drei Monaten muss diese Führungskraft Ordnung schaffen, drängende Probleme lösen und dauerhaft tragfähige Strukturen hinterlassen.

Die ersten 90 Tage verlaufen dabei in klaren Phasen: zunächst Stabilisierung, danach Neuaufbau und zuletzt die geordnete Übergabe. Ein befristetes Finanzmandat unterscheidet sich stark von einer regulären Festanstellung, weil der zeitliche Druck, der auf jeder Entscheidung lastet, jede Verzögerung teuer und riskant macht. Wer versteht, wie ein solcher Einsatz abläuft, erkennt schnell, welche Hebel wirklich zählen und warum erfahrene Manager gerade in schwierigen Phasen gefragt sind.

Warum die ersten 90 Tage über den Erfolg eines Interim-CFO entscheiden

Die Anfangsphase eines befristeten Finanzmandats ist deshalb so heikel, weil hier die Weichen für den gesamten Einsatz gestellt werden. Ein Interim CFO muss in kurzer Zeit Vertrauen aufbauen, ohne die bestehende Organisation zu überfahren. Das gelingt nur, wenn früh klare Prioritäten gesetzt werden und alle Beteiligten wissen, woran sie sind.

Erwartungen klären und Vertrauen gewinnen

Direkt am Anfang müssen die Ziele mit Geschäftsführung, Gesellschaftern und den wichtigen Abteilungen gemeinsam abgestimmt werden. Missverständnisse über den eigentlichen Auftrag, die sich häufig erst später bemerkbar machen, kosten wertvolle Zeit und führen dazu, dass bereits geleistete Arbeit erneut überprüft werden muss. Ein guter Einstieg umfasst Gespräche, Zuhören und schnelles Verstehen.

Tempo mit Sorgfalt verbinden

Schnelligkeit allein genügt nicht, um ein Mandat wirklich erfolgreich und mit dauerhafter Wirkung abzuschließen. Wer vorschnell handelt, ohne die Folgen ausreichend zu bedenken, riskiert Fehlentscheidungen, die sich später nur mit erheblichem Aufwand oder gar nicht mehr korrigieren lassen. Die eigentliche Kunst liegt darin, sofort sichtbare Ergebnisse zu liefern und zugleich die langfristige Stabilität nicht aus dem Blick zu verlieren, damit spätere Korrekturen möglichst überflüssig bleiben. Genau diese Balance zwischen sofortiger Wirkung und langfristiger Beständigkeit ist es, die darüber entscheidet, ob ein Mandat gelingt oder ob es letztlich wirkungslos verpufft.

Sofortmaßnahmen in den ersten 30 Tagen: Liquidität und Bestandsaufnahme

Der erste Monat gehört der Analyse und der Sicherung der Zahlungsfähigkeit. Bevor strategische Pläne entstehen, muss klar sein, wie es finanziell wirklich um das Unternehmen bestellt ist. Häufig zeigt sich erst bei genauem Hinsehen, wo Geld gebunden ist und welche Risiken lauern. Ähnlich wie bei einer schnellen Reaktion auf akute Gefahren, etwa bei einem größeren Feldbrand nahe Dietmanns, zählt in dieser Phase vor allem die richtige Reihenfolge der Handgriffe.

Anfangs zählen konkrete Aufgaben, die man nacheinander erledigt.

  1. Erstellung einer belastbaren kurzfristigen Liquiditätsplanung für die kommenden 13 Wochen
  2. Offene Forderungen prüfen und Zahlungseingang beschleunigen
  3. Analyse der Kostenstruktur und Aufdeckung vermeidbarer Ausgaben
  4. Gespräche mit Banken und Lieferanten zur Sicherung der Finanzierung
  5. Erste Bewertung vorhandener Zahlen und Berichte auf Verlässlichkeit

Diese sorgfältig durchgeführte Bestandsaufnahme, die sämtliche relevanten Faktoren berücksichtigt und ein klares Verständnis der aktuellen Situation ermöglicht, bildet das tragfähige Fundament für alle weiteren Schritte, die im Anschluss geplant und umgesetzt werden müssen, um langfristige Verbesserungen zu erreichen. Sinnvoll planen lässt sich erst mit gesicherter Zahlungsfähigkeit und einem realistischen Bild der Lage. Häufig zeigen sich schon an dieser Stelle die ersten spürbaren Verbesserungen, weil versteckte Liquiditätsreserven freigelegt werden.

Strukturelle Weichenstellungen bis Tag 60: Reporting und Controlling neu aufsetzen

Nach der akuten Lage rücken die inneren Abläufe in den Blick. Viele Unternehmen leiden in Wahrheit weniger unter fehlendem Geld als vielmehr unter unklaren Zahlen, die es unmöglich machen, die tatsächliche Lage des Betriebs richtig einzuschätzen. Ohne klare Gewinnzahlen fehlt die Grundlage für Entscheidungen. In dieser Phase baut die Führungskraft ein verlässliches Berichtswesen auf, das dem Management zu jedem Zeitpunkt den klaren Blick auf die wichtigsten Kennzahlen erlaubt und fundierte Entscheidungen erleichtert.

Aussagekräftige Kennzahlen etablieren

Ein sinnvolles Controlling konzentriert sich auf wenige, wirklich aussagekräftige Werte statt auf endlose Tabellen. Deckungsbeiträge, Auftragseingänge und Zahlungsziele geben schnell Auskunft über den Zustand des Geschäfts. Die Rolle einer solchen Finanzführung reicht dabei weit über das reine Rechnungswesen hinaus, wie eine übersichtliche Darstellung zur Rolle des CFO und der Teamstruktur verdeutlicht. Der moderne Finanzchef versteht sich als Partner der Geschäftsleitung und nicht nur als Verwalter von Zahlen.

Neben dem Berichtswesen werden häufig auch Prozesse in der Buchhaltung verschlankt und Verantwortlichkeiten neu verteilt, damit die einzelnen Aufgaben klarer zugeordnet sind und der Arbeitsablauf für alle Beteiligten nachvollziehbarer wird. Das eigentliche Ziel besteht darin, einen Finanzbereich zu schaffen, der nicht nur während der laufenden Zusammenarbeit funktioniert, sondern auch nach dem Ende des Mandats, wenn der Interim-Manager das Unternehmen längst verlassen hat, weiterhin verlässlich und ohne größere Reibungsverluste arbeitet. Die neuen Strukturen sollen dauerhaft bestehen und das Team stärken.

Nachhaltige Ergebnisse ab Tag 90: Übergabe und langfristige Stabilisierung

Wenn sich das Mandat allmählich seinem Ende nähert und die letzten Wochen anbrechen, rückt die geordnete Übergabe, bei der alle relevanten Informationen strukturiert weitergegeben werden, immer stärker in den Mittelpunkt der gemeinsamen Aufmerksamkeit von Führungskraft und Organisation. Ein befristeter Einsatz ist nur dann erfolgreich, wenn die Organisation die Verbesserungen selbstständig weiterführen kann. Aus diesem Grund dokumentiert die Führungskraft alle wichtigen Prozesse sorgfältig, schult die verbleibenden Mitarbeitenden gründlich und bereitet die Nachfolge vor, damit die Organisation eigenständig weiterarbeiten kann. Suchen Unternehmen passende Fachleute für solche Mandate und vergleichen verschiedene Anbieter, stoßen sie auch auf Swiss Interim Management.

Die Frage, wie Organisationen widerstandsfähiger gegen Störungen werden, beschäftigt längst nicht nur die Wirtschaft. Auch in anderen Bereichen wird diskutiert, wie sich Institutionen besser auf schwierige Zeiten vorbereiten lassen, etwa im Rahmen einer Veranstaltung darüber, wie Kommunen krisenfester werden. Die Parallele ist deutlich: Widerstandsfähigkeit entsteht durch vorausschauende Planung und klare Strukturen, nicht durch hektisches Reagieren im Ernstfall.

Nach drei Monaten steht das Unternehmen stabiler da. Die Führungskraft zieht sich am Ende ihres Mandats aus dem Tagesgeschäft zurück, hinterlässt jedoch eine funktionierende Basis, auf der die künftige Nachfolge ohne größere Hürden aufbauen kann.

Konkrete Aufgabenfelder eines Interim-CFO im Überblick

Während eines befristeten Finanzmandats sind die täglichen Aufgaben abwechslungsreich und erfordern fachliches Können ebenso wie Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen. Ein erfahrener Finanzmanager wechselt häufig mehrmals täglich zwischen strategischen Überlegungen und praktischen Detailfragen. Diese Bandbreite macht die Rolle so anspruchsvoll.

Bei den regelmäßig anfallenden Tätigkeiten lassen sich die folgenden Schwerpunkte klar voneinander unterscheiden:

  • Steuerung der Liquidität und Verhandlung mit Kapitalgebern
  • Aufbau eines verständlichen Berichtswesens für die Geschäftsleitung
  • Begleitung bei Sanierungen, Zukäufen und Verkäufen von Unternehmensteilen
  • Verbesserte Zusammenarbeit zwischen Finanzabteilung und anderen Bereichen
  • Vorbereitung von Finanzierungsrunden oder Investorengesprächen

Weil ein solcher Einsatz von vornherein zeitlich begrenzt ist, gehen diese Fachleute ihre Aufgaben besonders zielgerichtet an. Sie bringen den Blick von außen mit und scheuen unbequeme Entscheidungen kaum. In Umbruchphasen liefert das oft den nötigen Impuls für sichere Finanzen und neuen Schwung.

Häufig gestellte Fragen

Welche typischen Fehler passieren bei der Einführung eines Interim-CFO?

Ein häufiger Fehler ist, dem Interim-Manager keinen klaren Zugang zu allen relevanten Systemen und Ansprechpartnern zu geben, wodurch wertvolle Tage verloren gehen. Ebenso problematisch ist es, wenn die bestehende Finanzabteilung nicht offen über interne Probleme informiert wird, aus Sorge vor Gesichtsverlust. Fehlt zudem eine klare Kommunikation an die Belegschaft über die Rolle des Interim-CFO, entstehen unnötige Widerstände.

Was kostet ein Interim-CFO im Vergleich zu einer Festanstellung?

Interim-CFOs werden meist auf Tagessatzbasis vergütet, was auf den ersten Blick teurer wirkt als ein Festgehalt. Rechnet man Lohnnebenkosten, Boni und die kurze Einsatzdauer ein, liegt der Gesamtaufwand oft unter dem einer regulären Neubesetzung mit langer Suchphase. Zusätzlich entfallen Abfindungszahlungen, da das Mandat von vornherein befristet ist.

Kann ein Interim-CFO-Mandat über die ersten 90 Tage hinaus verlängert werden?

Ja, viele Mandate werden nach der ersten Phase verlängert, wenn zusätzliche Projekte wie eine Restrukturierung oder ein Systemwechsel anstehen. Üblich sind dann Verlängerungen in Drei- oder Sechs-Monats-Schritten mit neu definierten Zielen. Wichtig ist, die Verlängerungsoption bereits im ursprünglichen Vertrag flexibel zu gestalten, um kurzfristig reagieren zu können.

Wie finde ich den passenden Interim-CFO für mein Unternehmen?

Die Auswahl sollte über spezialisierte Vermittlungsnetzwerke erfolgen, die Kandidaten nach Branchenerfahrung und Krisenkompetenz filtern, statt auf allgemeine Personalvermittler zu setzen. Bei Swiss Interim Management finden Sie gezielt Fachleute für befristete Finanzmandate, deren Profile bereits auf die Anforderungen einer 90-Tage-Stabilisierung zugeschnitten sind. Einen strukturierten Einstieg in dieses Angebot bietet der Bereich Interim CFO.

In welchen Unternehmenssituationen lohnt sich ein Interim-CFO besonders?

Neben akuten Krisen ist ein Interim-CFO auch bei Übernahmen, Verkaufsprozessen oder der Vorbereitung eines Börsengangs sinnvoll, wenn spezifisches Fachwissen kurzfristig gebraucht wird. Auch beim plötzlichen Ausfall der Finanzleitung durch Krankheit oder Kündigung überbrückt ein Interim-Mandat die Lücke, ohne den Rekrutierungsprozess zu überstürzen. Wachstumsunternehmen nutzen diese Lösung zudem, um Finanzstrukturen professionell aufzubauen, bevor eine Festanstellung sinnvoll wird.

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