Zum Hauptinhalt springen
Im Rahmen einer feierlichen Gemeinderatssitzung im Kurhaus

Florian Schiller als Bürgermeister vereidigt

Foto: Uli Gresser
Soeben hat Bürgermeister Florian Schiller seinen Amtseid geleistet. Der ganze Saal hatte sich erhoben. Unser Bild zeigt rechts applaudierende Ehrengäste, von links Wolfgang Dahler (CDU-Bundestagsabgeordneter), Staatssekretär Raimund Haser MdL, Bürgermeister Peter Smigoc (Vogt; Vertreter des Gemeindetages), Pfarrerin Silke Kuczera, Landratsstellvertreterin Anna Maria Ostermeier sowie die Brüder von Florian Schiller. Neben dem frisch eingeschworenen Bürgermeister steht Klaus Schütt, der als Erster Bürgermeister-Stellvertreter den Amtseid abgenommen hatte.
veröffentlicht am: 17.07.2026
Autor: Uli Gresser / Gerhard Reischmann
Lesedauer: ca. 15 Minuten

Bad Wurzach- Eine große Zuschauerzahl hatte sich am Abend des 16. Juli im Kursaal versammelt, um im Rahmen einer feierlichen Sitzung des Gemeinderates der Verpflichtung von Florian Schiller als neuem Bürgermeister von Bad Wurzach beizuwohnen. Der 52-jährige Jurist, ein gebürtiger Bad Wurzacher, war Ende April im ersten Wahlgang mit 53,9 Prozent der abgegebenen Stimmen zum neuen Stadtoberhaupt gewählt worden. Der Amtseid wurde ihm vom Ersten Bürgermeisterstellvertreter Klaus Schütt abgenommen.

16. Juli, kurz vor 19.00 Uhr: Florian Schiller betritt den Kursaal.

Passend zum Anlass eröffnete die Stadtkapelle Bad Wurzach (Bild) unter ihrer Dirigentin Petra Springer mit der „Festival Fanfare“ die feierliche Gemeinderatssitzung, in deren Verlauf noch weitere Stücke aus dem weitgefächerten Repertoire dargeboten wurden.

Der Erste Bürgermeister-Stellvertreter spricht. Martin Tapper (Stadtverwaltung) sorgt am Mikrofon für die letzte Feinabstimmung.

Klaus Schütt eröffnete die Sitzung, deren einziger Tagesordnungspunkt die Vereidigung und Verpflichtung des neuen Bürgermeisters Florian Schiller war, mit der namentlichen Begrüßung zahlreicher Gäste. Er begann mit den Ehrenbürgern der Stadt Alois Fimpel und Robert Stützle, die beide in ihrer Zeit im Gemeinderat als stellvertretende Bürgermeister gewirkt hatten. Ein besonderer Gruß ging an Landratsstellvertreterin Anna Maria Ostermeier, ebenso an den Bundestagsabgeordneten Wolfgang Dahler sowie an Staatssekretär Raimund Haser MdL. Schütt begrüßte die anwesenden Vertreter der vier christlichen Gemeinden und Salvatorianer-Patres. Zu einer Vereidigung ihresgleichen kommen auch immer benachbarte Bürgermeister. Gesehen wurden Dieter Krattenmacher aus Kißlegg, Thomas Kellenberger aus Aitrach und Sonja Wild aus Bad Waldsee, die Oberbürgermeister Matthias Henne vertrat. Ein ganz besonderer Gruß ging dabei an Bürgermeister Peter Smigoc aus Vogt, der später namens der Bürgermeister des Landkreises den Neugewählten willkommen hieß. Klaus Schütt hieß auch seine Kollegen im Gemeinderat, die Ortsvorsteher sowie Ortschaftsräte willkommen. Neben den Verwaltungsmitarbeitern, welche die Amtseinsetzung ihres neuen Chefs hautnah miterleben wollten, hieß Schütt auch die Vertreter von Handel, Gewerbe und Wirtschaft sowie der Schulen und Vereine willkommen.

„Ihnen werden viele Hände gereicht“

Klaus Schütt (Bild) betonte, dass die große Anteilnahme an der Amtseinführung von Florian Schiller ein Zeichen dafür sei, dass er willkommen sei und dass ihm viele Hände zu einer guten und erfolgreichen Zusammenarbeit gereicht würden. „Auf Sie wartet eine herausfordernde Aufgabe, denn die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt mit ihrer dezentralen Struktur sind vielfältig und groß.“

Dem Wohl eines Gemeinwesens könne man nur gerecht werden, wenn man in gegenseitiger Verantwortung gut und konstruktiv zusammenarbeite und sich der Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern bewusst sei. „Nur so können wir unsere Stadt zum Wohle aller weiterentwickeln und den gesellschaftlichen Veränderungen mit demokratischen Entscheidungen Rechnung tragen.“

Ein Amt mit großer Gestaltungsfülle

Die Pflicht zu verantwortungsvollem Handeln sei die Kehrseite der großen Gestaltungsfülle, die das Amt eines Bürgermeisters in sich berge, führte Schütt sinngemäß aus. „Jeder Bürgermeister prägt die ihm übertragene Aufgabe mit seinem Verständnis, das er ihr entgegenbringt. Denn trotz aller rechtlichen Vorgaben, die häufig als einengend für kommunalpolitische Entscheidungen beklagt werden, kommt es letztendlich auf die Persönlichkeit des Amtsinhabers an. Er kann mit seiner Herangehensweise viel bewirken, nach innen und nach außen. Dem Verhältnis zu den staatlichen Aufsichts- und Fachbehörden kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Kontaktpflege und die Präsentation der Belange der Stadt sind wichtig und müssen erfolgreich vertreten werden.“

Im Verhältnis zu den Bürgerinnen und Bürgern sei Offenheit, Transparenz und Sachlichkeit der beste Weg für eine gute Zusammenarbeit. „Bürgerinnen und Bürger sollen wissen, wie es um die Belange ihrer Stadt steht, was sie erwarten können, aber auch, was von ihnen erwartet wird.“ Das Amt des Bürgermeisters biete wie wenige Berufe Möglichkeiten, die Zukunft eines Gemeinwesens zu gestalten. „Das verlangt aber auch einen großen persönlichen Einsatz, viel Kraft und Kreativität und Entscheidungsfreudigkeit.“

Zur Eidesleistung erheben sich alle

Nachdem er die Besucher gebeten hatte, sich für die feierliche Vereidigung von ihren Plätzen zu erheben, sprach Florian Schiller Diensteid und die Verpflichtungsformel sowie einen aus dem 16. Jahrhundert stammenden Wurzacher Bürgermeisterschwur (siehe Schnellmeldung der Bildschirmzeitung am 16. Juli spätabends).

Kurz vor der Eidesleistung. Alle stehen.

Florian Schiller spricht den Amtseid, die Verpflichtungsformel sowie den historischen „Wurzacher Eid“.

Die Verpflichtung wird mit Handschlag vollzogen.

Blick ins Auditorium: Viele Stadträte, Ortschaftsräte, Ortsvorsteher waren gekommen. Unser Bild zeigt nur einen Teil der Amtsträger.

„Wir lassen Sie nicht im Regen stehen“

Nach einem weiteren Musikstück der Stadtkapelle sprach Anna Maria Ostermeier namens des Landratsamtes ein Grußwort; sie brachte als symbolisches Geschenk einen Regenschirm mit. Das Kernthema ihrer Rede – eingeleitet mit einem Schiller-Zitat – handelte von Vertrauen. Die von ihr zitierte Sentenz von Friedrich Schiller lautet: „Die größte Ehre, die man einem Menschen erweisen kann, ist die, dass man ihm vertraut.“

„Vertrauen“, sagte die Erste Landesbeamtin (Bild), „ist die Grundlage jeder guten Politik. Als Bürgermeister übernehmen Sie eine Vertrauensstellung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Dass sie in Bad Wurzach aufgewachsen sind, ist dabei ein besonderer Vorzug: Das schafft Nähe zu den Menschen, Verständnis für lokale Anliegen und die Motivation, das Beste für Bad Wurzach zu erreichen. Dieses Vertrauen gilt es zu verdienen – Tag für Tag, durch Offenheit, verlässliches Handeln und das ehrliche Hinhören auf die Menschen vor Ort.“ Sei sei zuversichtlich, dass Schiller „mit Leidenschaft, Sachverstand und Bodenständigkeit“ Bad Wurzach positiv gestalten werde. „Als kleines Zeichen der Verbundenheit übereiche ich Ihnen neben regionalen Spezialitäten einen Regenschirm. Er soll symbolisieren: Sie stehen nicht allein. Wir lassen Sie nicht im Regen stehen.“

Der Schirm, den die Landratsstellvertreterin Anna Maria Ostermeier überreichte, trägt das Wappen des Landkreises.

„Vertraut den neuen Wegen“

Pfarrer Stefan Maier (der bei der Stadtkapelle mitspielte und deshalb in Uniform erschien) und Pfarrerin Silke Kuczera bei ihren Glückwünschen für den neuen Bürgermeister.

In dem gemeinsamen Grußwort von katholischer Kirchengemeinde, vertreten durch Stadtpfarrer Stefan Maier, und evangelischer Kirchengemeinde, vertreten durch Pfarrerin Silke Kuczera, sagte Pfarrer Stefan Maier: „Dieser Tag ist eine Zäsur, für Bad Wurzach, die Verwaltung, aber auch für Florian Schiller selbst.“ Auch Stefan Maier und Silke Kuczera rückten den Begriff Vertrauen in den Mittelpunkt und veranlassten den Saal, das Kirchenlied „Vertraut den neuen Wegen“, das sich sowohl im katholischen als auch im evangelischen Gesangbuch findet, gemeinsam zu singen. Rasch waren Liedzettel verteilt und alle sangen.

Das Mutmachlied

Silke Kuczera sagte, in diesem Lied fänden sich viele gute Wünsche für Florian Schiller und auch für die Bürger/innen der Stadt, für die Gemeinschaft, für das Miteinander. Pfarrerin Kuczera erläuterte die besondere Entstehungsgeschichte des Liedes, das im Jahre 1989 entstanden ist, vom Theologen Klaus-Peter Hertzsch urprünglich für einen privaten Zweck geschrieben. Nach dem Mauerfall habe sich „Vertraut den neuen Wegen“ rasch zum Mutmachlied für einen gesellschaftlichen Neuanfang entwickelt. „Mit dem Vertrauen ist es so: Einseitig funktioniert das nicht. Vertrauen ist ein Prozess auf beiden Seiten: Der eine bringt Vertrauen entgegen, der andere erweist sich als vertrauenswürdig. Und umgekehrt. So entsteht Verbindung, so entsteht ein Miteinander.“

Die Gebrüder Schiller singen mit. Frau und Sohn hatten wegen einer Grippe nicht kommen können.

ANZEIGE

„Allen Menschen recht getan …“

Bürgermeister Peter Smigoc aus Vogt überbrachte die Glückwünsche der Bürgermeisterkollegen aus dem Kreis Ravensburg.

Bürgermeister Peter Smigoc aus Vogt überbrachte in einer mit viel Wortwitz gespickten Rede die Grüße der Bürgermeisterkollegen des Landkreises. Florian Schiller sei ja im Wortsinne „eine schillernde Persönlichkeit“, wie er bei seiner kleinen Recherche über den neuen Kollegen erfahren habe: „Er singt gerne im Chor und spielt gerne Geige.“ Und in Bad Wurzach spiele Schiller nun sogar die Erste Geige. Das Amt des Bürgermeisters sei eine „wunderbare Aufgabe“ mit viel Gestaltungsspiel. Kommunalpolitik sei aber auch ein Mannschaftsport. Man müsse Interessen ausgleichen und dicke Bretter bohren. Als erfahrener Schultes schloss Smigoc mit dem geflügelten Wort, „allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“, und überreichte Pralinen als „Nervennahrung“.

Die Antrittsrede

Mit Spannung erwartet wurde die Antrittsrede des frischvereidigten Stadtoberhauptes Florian Schiller. „Auf diesen besonderen Moment habe ich mich fast 40 Jahre gefreut“, sagte dieser von den rund 250 Zuhörern im Saal. „Und dass nun so viele von Ihnen heute Abend hier sind und sich vielleicht etwas von meiner Freude anstecken lassen, macht den Augenblick nur umso schöner!“

„Der eben geleistete Amtseid ist für mich keine leere Worthülse. Er ist ein ganz persönliches Versprechen, an die Stadt, die Gemeinde und an alle ihre Bürgerinnen und Bürger. Und dieses Versprechen lautet: Ich werde diesem Amt dienen mit voller Kraft und in seiner ganzen Verantwortung. Besonders freut es mich darüber hinaus, dass wir in Bad Wurzach auch eine eigene historische Eidformel haben, die seit beinahe 500 Jahren bei der Vereidigung eines Bürgermeisters verwendet wird.“

Die Verheutigung der alten Formel

Diese Eidesformel legte er aus, führte er ins Hier und Heute, nachdem er sie noch einmal – langsam und jedes Wort betonend – verlesen hatte. „In dieser Eidformel tauchen interessante Elemente auf, die auch für die heutige Amtsführung von großer Bedeutung sind: der Bürgermeister soll in all seinen Amtsgeschäften getreulich und ehrlich handeln, insbesondere bei den Einnahmen und Ausgaben der Stadtkasse. Weiter soll er ohne Ansehen der finanziellen Leistungskraft (da klingt bereits der Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz an!) jedem Mitbürger mit Rat zur Seite stehen. Der Bürgermeister ist also auch ein bisschen Berater, Wegbegleiter und vielleicht auch manchmal Therapeut. Und der Bürgermeister soll immer nach dem Besten für das Gemeinwohl streben (so meine Interpretation) ohne sich von anderen (auch emotionalen) Motiven leiten zu lassen. Und das will ich getreu dieses Eides redlich versuchen.“

Mit Demut habe er das Wahlergebnis zur Kenntnis genommen, aber auch mit Erleichterung, dass es nach hitzigen Wochen nicht zu einer Verlängerung mit Stichwahl gekommen sei. Sechs Kilo habe er in den sechs Wochen abgenommen, in denen sechs Kandidaten miteinander wetteiferten.

Schiller dankt seiner Amtsvorgängerin

Einer Person aus der Sechserriege, der unterlegenen Amtsinhaberin, dankte Schiller mit würdigenden Worten: „Ich möchte meiner Vorgängerin, Frau Altbürgermeisterin Alexandra Scherer, ganz herzlich für ihren achtjährigen Einsatz für die Gemeinde Bad Wurzach danken. Ihre Amtszeit war von großen Herausforderungen geprägt, insbesondere im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sowie dem Ansteigen der Flüchtlingszahlen, dem Ansteigen der Inflation und der Energiepreise durch den Ukraine-Krieg. Trotz aller Widrigkeiten hat sie als erste weibliche Bürgermeisterin das Schiff mit ruhiger Hand durch alle Stürme gelenkt.“

Die Reihe der Porträts

„Wenn man die Stufen des Rathauses hinaufsteigt“, führte Florian Schiller aus, „kommt man an den Porträtfotos der Bürgermeister der letzten rund 90 Jahre vorüber – drei von Ihnen habe ich gekannt. Wir werden diese schöne Tradition natürlich gerne fortsetzen und dem dort versammelten Herrenkabinett ein erstes weibliches Gesicht hinzufügen.“

„Für mich ist das Amt des Bürgermeisters von Bad Wurzach ein lang gehegter Wunsch und eine Herzensangelegenheit. Hier ist meine Heimat. Hier komme ich her. Hier liegen meine Wurzeln. “ Ihm sei bewusst, „was dieses Amt mit sich bringt, welchen persönlichen Einsatz es erfordert und dass im privaten Bereich Abstriche zu machen sind – ein Bürgermeister ist immer im Dienst.“

Die Vielgestaltigkeit der Großgemeinde

Selbstverständlich ging der neue Bürgermeister auf die Vielgestaltigkeit der Großgemeinde ein. „Die Gemeinde Bad Wurzach ist die drittgrößte Flächengemeinde Baden-Württembergs. Wir haben die Kernstadt und neun Teilorte. Im Wahlkampf habe ich manchen mir noch unbekannten Flecken mit meinem Leiterwägele erwandert und musste oftmals verwundert feststellen, wie groß und völlig unterschiedlich unsere schöne Gemeinde ist. In dieser Diversität braucht es jemanden, der zuhören kann, der vermitteln kann. Jemanden der führt, ohne zu spalten und der Haltung zeigt, ohne rechthaberisch zu sein. Und deshalb sage ich Ihnen heute: Ich trete dieses Amt mit Demut an. Aber nicht mit Zurückhaltung. Ich will etwas bewegen – gemeinsam mit Ihnen, mit diesem Gemeinderat, mit der Verwaltung und allen Mitgliedern unserer Gemeinde.

Vision, Dialog, Transparenz

Im Blick voraus bezog Florian Schiller sich auf seine im Wahlkampf oft genannten Leitbegriffe: Vision, Dialog und Transparenz. „Die Vision, die ich für Bad Wurzach und seine Teilgemeinden habe, besteht in einer lebenswerten Gemeinde, einer Gemeinde also, in der Menschen gerne leben und arbeiten.“ Hierbei müssten wirtschaftliche Entwicklung und die Steigerung von Lebensqualität Hand in Hand gehen. „Im Dialog zwischen den Bürgern untereinander und zwischen Verwaltung und Bürgern sehe ich die Chance, eine offene Gesprächskultur zu schaffen und neue Gesprächskanäle zu öffnen. (…) Wichtig ist mir hierbei, das Handeln von Verwaltung und kommunalen Entscheidungsträgern allen Beteiligten gegenüber möglichst transparent darzustellen. Hier werden wir neue Wege gehen müssen, um auch in Zukunft ausreichend gehört zu werden.

Nach diesen grundsätzlichen Ausführungen wurde Schiller etwas konkreter: „Im Bereich Wirtschaft sehe ich unsere Aufgabe darin, bestehende Gewerbe weiter zu unterstützen, geeignete neue Gewerbeflächen zu schaffen, aber auch neue Geschäftsfelder zu erschließen und den Tourismus zu fördern.“

Was Schiller zur Kurkrise sagte

„Die drängendste Aufgabe sehe ich gegenwärtig allerdings in der Sanierung der Kurbetriebe. Bereits in den letzten Wochen wurde ich in diesem Bereich aktiv in Entscheidungen mit einbezogen. Mit Herrn Daniel Huck wurde bereits vor Monaten ein erfahrener neuer Geschäftsführer gefunden, welcher bei seiner letzten großen Sanierungsaufgabe hinlänglich bewiesen hat, wie eine erfolgreiche Restrukturierung und Neuausrichtung eines großen Stiftungsbetriebes aussehen muss. Erster Schritt der Sanierung des Kurbetriebes wird sein, den derzeitigen Eigenbetrieb in eine private Rechtsform zu überführen. Interessanterweise wurde dieser Schritt schon vor Jahrzehnten diskutiert, als der Kurbetrieb noch in seinen Anfängen steckte. Wir werden ihn nun gehen, um wirtschaftliches Handeln in einer hierfür geschaffenen privatwirtschaftlichen Form gedeihen zu lassen.“

Im nächsten Schritt müsse „ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell“ entworfen werden, welches die Kurbetriebe „aus der Verlustzone herausführen wird“. „Nach Berechnung der Kosten der Sanierung steht eine Entscheidung über den Fortbestand an. Ist eine Sanierung finanzierbar? Angesichts der Bedeutung der Kurbetriebe für den Tourismus, für uns als Kurstadt und für die betroffenen Arbeitnehmer ist hierüber eine offene und ehrliche Diskussion notwendig. Diese werden wir zu gegebener Zeit führen.“

Weitere Aufgabenfelder

Jenseits der Mammutaufgabe nannte Bürgermeister Schiller noch diese Aufgabenfelder: „Die Infrastruktur muss erhalten und ausgebaut, die Digitalisierung vorangetrieben werden. Im Bereich der Steigerung der Lebensqualität sehe ich großen Bedarf, weiter Angebote für alle Altersgruppen zu schaffen: Familien mit Kindern, Jugendliche, Menschen mittleren Alters und ältere Menschen haben verschiedene Bedürfnisse, die bedient werden müssen. Die ärztliche Versorgung der Bevölkerung durch Schaffung eines Ärztehauses oder Medizinischen Versorgungszentrums ist angesichts des bestehenden Ärztemangels drängend. Hier kann und muss die Gemeinde Impulse setzen und unterstützen. Die Innenstadt in Bad Wurzach wird von vielen Bürgern als nicht attraktiv empfunden. Hier möchte ich unter Einbezug aller Beteiligten neue Wege gehen. Das Vereinsleben in seinen vielen Ausprägungen möchte ich weiter fördern. Die Vielfalt unserer Gemeinde mit Stadt und Teilorten möchte ich erhalten und stärken. Investitionen im Erhalt öffentlicher Gebäude und Gewerke möchte ich realisieren und den Hochwasserschutz stärken. Die gemeinsame Identität aller Bürger der ganzen Gemeinde Bad Wurzach möchte ich stärken.

Zwei Jubiläen

Auf zwei besonders markante Jubiläen warf Florian Schiller den Blick voraus: „Wir werden nächstes Jahr unseren 100. Blutfreitag feiern dürfen. Ich glaube jeder Bad Wurzacher kann nachempfinden, wie der Puls der Stadt jedes Jahr ansteigt, sobald ab Juli auf dem Gottesberg abends das rote Kreuz aufleuchtet. Wenn dann im Vorfeld des Festes das Hufgetrappel von nah und fern immer lauter wird, bis endlich der große Tag kommt und die feierliche Prozession beginnt, dann verbinden sich Glaube, Natur, Sommer und feierliche Musik zu einem unvergleichlichen Gemeinschaftserlebnis. Dieses spezielle Bad Wurzacher Fest wollen wir nächstes Jahr nochmals im Besonderen feiern.“

Zum Zweiten nahm Schiller die 700-Jahr-Feier in den Blick, die 2033 ansteht: „Mit großen Augen habe ich im Jahre 1983 die damalige 650-Jahre-Jubiläumsfeier miterleben dürfen. Der altertümliche Handwerkermarkt hat dem damaligen Grundschüler Florian Schiller schwer imponiert. Ich wünsche mir deshalb, dass wir für die künftige Feier in 2033 ein Konzept entwickeln können, über das dann hoffentlich bei der 750 Jahr-Feier im Jahre 2083 meine künftige Nachfolgerin oder Nachfolger ebenfalls mit leuchtenden Augen berichten wird.“

Streicherklänge zum Stehempfang

Nach einem weiteren Musikstück wurden die Stühle beiseite geräumt. Bei Häppchen und Getränken hatten die Bürger dann Gelegenheit, im Rahmen des Stehempfanges mit Florian Schiller ins Gespräch zu kommen, was rege genutzt wurde. Dazu waren dezente Klänge des Streicherensembles „Ponticelli“ (Bild) zu hören.

Freudestrahlend: Bad Wurzachs neuer Bürgermeister Florian Schiller.

Bürgermeister Florian Schiller konnte viele Glückwünsche entgegennehmen.

Aus Bad Waldsee war OB-Vertreterin Sonja Wild gekommen.

Unter den 250 Gästen waren auch zwei der drei Ehrenbürger der Stadt (Alois Fimpel und Robert Stützle; Altbürgermeister Helmuth Morczinietz konnte altershalber nicht teilnehmen) und diese beiden Bürgermedaillen-Träger: Der 90-jährige Franz Xaver Miller (links) aus Arnach und der 86-jährige Hansjörg Schick (Gensen).

Text: Uli Gresser, Gerhard Reischmann / Fotos: Uli Gresser

Weitere Bilder in der Galerie

Den Wortlaut der drei Eidesformeln haben wir in der Schnellmeldung am Abend des 16. Juli aufgeführt. Siehe nachstehend „Lesen Sie hierzu auch“

Die Manuskripte der Reden von Bürgermeister Florian Schiller und von Bürgermeister-Stellvertreter Klaus Schütt haben wir unter den roten Download-Balken in der rechten Spalte hinterlegt (im gesprochenen Wort hatte es geringfügige Abweichungen gegeben)

ANZEIGE
Bildergalerie
Fotos: Uli Gresser
Neueste Beiträge
Ein Partnerunternehmen der Bildschirmzeitung
ANZEIGE
Diese Anzeige kann aufgrund Ihrer Netzwerkeinstellungen nicht angezeigt werden.