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Interview mit den Machern des Labels „Holzrebell“

„Eine starke Marke im Handwerk – ein Erfolgsfaktor?“

Foto: CR
Freuen sich über den German Brand Award, ihnen in Berlin verliehen in gleich zwei Kategorien („Excellent Brands – Building and Elements“ und „Excellent Brands – Newcomer Brand of the Year“): Ralph Neuschel, Alexandra Pflug und Christian Rast (von links nach rechts).
veröffentlicht am: 14.07.2026
Autor: dbsz
Lesedauer: ca. 7 Minuten

Bad Wurzach / Berlin – Die Zimmerei Müller mit angeschlossenem Holzhandel, ansässig auf dem Gospoldshofer Berg, hatte einen soliden Ruf. Ein eingeführtes Geschäft, dessen Leistungen allgemeine Anerkennung genoss. Warum schreiben wir in der Vergangenheit, wo doch das blühende Geschäft nach wie vor besteht? Weil es unter neuem Namen auftritt. „Holzrebell“ heißt nun das Label. Diese Marke ist jetzt in Berlin mit dem German Brand Award ausgezeichnet worden, und zwar in der Kategorie „Excellent Brands – Building and Elements“ sowie zusätzlich als „Excellent Brands – Newcomer Brand of the Year“. Die Bildschirmzeitung „Der Wurzacher“ sprach mit den Entwicklern des Marketing-Konzeptes „Holzrebell“, mit Ralph Neuschel (Grafikdesigner), Alexandra Pflug (Fotografin und  Content Manager) und Christian Rast (Business Catalyst).

Ralph Neuschel (links) und Christian Rast stoßen auf den Erfolg von Neuschel-Pflug-Rast an. Wo ist Pflug? Sie hat das Foto gemacht.

Eine Anzeige aus der Holzrebell-Kampagne, kreiert von Neuschel-Pflug-Rast.

Der Wurzacher:Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des German Brand Awards in gleich zwei Kategorien. Wie fühlt sich dieser Moment an?
Christian Rast: Vielen Dank. Es ist natürlich ein ganz besonderer Moment. Wenn man ein Jahr lang gemeinsam an einer Vision arbeitet, unzählige Stunden investiert und dann auf einer Bühne in Berlin ausgezeichnet wird, ist das schon etwas Besonderes. Gleichzeitig sehen wir den Award nicht als Ziel, sondern als Bestätigung, dass sich konsequente Markenarbeit lohnt – auch und gerade im Handwerk.

Der Wurzacher: Viele verbinden Markenarbeit mit großen Konzernen oder internationalen Unternehmen. Warum beschäftigt sich eine Zimmerei überhaupt mit diesem Thema?
Christian Rast: Genau das ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen brauchen heute eine klare Positionierung. Kunden kaufen längst nicht mehr nur ein Produkt oder eine Dienstleistung – sie kaufen Vertrauen, Haltung und Identifikation.

Für Handwerksbetriebe bedeutet das: Wer sichtbar machen kann, wofür er steht, gewinnt leichter Kunden, Mitarbeiter und Partner. Gute Arbeit allein wird heute oft vorausgesetzt. Die Frage ist: Warum soll sich jemand genau für mein Unternehmen entscheiden?

Der Wurzacher: War das auch der Ausgangspunkt für die Marke „Holzrebell“?
Christian Rast: Absolut. Als wir mit Rudolf Müller zusammensaßen, ging es zunächst gar nicht um ein Logo. Es ging um die Zukunft des Unternehmens. Um die Unternehmensübergabe, die Organisationsstruktur, interne Prozesse und die Frage, wie sich das Unternehmen langfristig entwickeln soll.

Weitere Anzeige aus der Holzrebell-Kampagne, geschaffen von Neuschel-Pflug-Rast.

Eine starke Marke entsteht nämlich nicht am PC. Sie entsteht aus einer klaren Strategie. Erst wenn man weiß, wer man sein möchte und wofür man steht, kann man das auch nach außen sichtbar machen.

Der Wurzacher: Herr Neuschel, wie entwickelt man aus dieser Strategie eine Marke?
Ralph Neuschel: Zunächst hört man sehr genau zu. Man versucht zu verstehen, was dieses Unternehmen ausmacht. Bei den Holzrebellen war schnell klar: Hier arbeiten Menschen mit Leidenschaft. Sie wollten nicht austauschbar sein. Sie wollten zeigen, dass modernes Handwerk mutig, kreativ und hochwertig sein kann.

Der Name „Holzrebell“ war deshalb mehr als ein neuer Unternehmensname. Er wurde zum Ausdruck einer Haltung. Anschließend haben wir diese Haltung in ein gesamtheitliches Konzept gepackt, Typografie, Farben, Bildsprache, Sprache (Text) und Ausdruck und in sämtliche Kommunikationsmittel übersetzt.

Eine Marke lebt davon, dass alles zusammenpasst.

Noch’n Produkt aus der Werkstatt von Neuschel-Pflug-Rast, gefertigt für die Holzrebellen.

Der Wurzacher: Frau Pflug, welche Rolle spielte dabei die Fotografie?
Alexandra Pflug: Eine sehr große. Menschen mit Anspruch wollen heute keine austauschbaren Stockfotos mehr. Sie möchten sehen, wer wirklich hinter einem Unternehmen steht.

Deshalb haben wir bewusst echte Mitarbeiter fotografiert, echte Baustellen begleitet und authentische Situationen eingefangen. Es ging darum, das Unternehmen so zu zeigen, wie es wirklich ist – ehrlich, modern, kraftvoll und nahbar.

Diese Authentizität macht am Ende einen großen Unterschied.

Der Wurzacher:Zur Markenentwicklung gehörte aber sicherlich noch mehr.
Christian Rast: Ja, Marken entstehen nie allein. Ich hatte ein Team dazu zusammengestellt aus meinem Netzwerk und auch den digitalen Part besetzt. Dazu hat Rainer Mack zum Beispiel den kompletten digitalen Bereich aufgebaut – Website, Landingpages, technische Infrastruktur und die Grundlagen für modernes Online-Marketing.

Erst das Zusammenspiel aus Strategie, Gestaltung, Fotografie und digitaler Umsetzung macht eine Marke wirklich leistungsfähig und vor allem sichtbar.

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Hohe Wiedererkennbarkeit

Der Wurzacher:Hat sich dieser Aufwand ausgezahlt?
Christian Rast: Definitiv. Natürlich ist eine Marke kein Wundermittel, aber sie schafft Voraussetzungen.

Heute profitieren die Holzrebellen von einer sehr hohen Wiedererkennbarkeit. Das Unternehmen hat volle Auftragsbücher, weil Kunden genau wissen, wofür die Holzrebellen stehen. Gleichzeitig konnten wir modernes Online-Marketing aufbauen, das heute deutlich besser funktioniert, weil eine klare Marke dahintersteht.

Und ein weiterer Punkt freut uns besonders: Immer mehr Menschen bewerben sich ganz bewusst bei den Holzrebellen, weil sie sich mit der Marke identifizieren können. Gerade im Handwerk ist das heute ein enormer Wettbewerbsvorteil.

Der Wurzacher: Herr Neuschel, kann gutes Design allein ein Unternehmen erfolgreicher machen?
Ralph Neuschel: Nein. Design allein reicht nicht. Es muss immer auf einer echten Unternehmensstrategie aufbauen. Und am Ende sind es die Menschen die dahinterstehen.

Aber gutes Design hilft dabei, diese Strategie sichtbar zu machen. Es sorgt dafür, dass Menschen innerhalb weniger Sekunden verstehen, wofür ein Unternehmen steht. Genau das ist die Aufgabe einer Marke.

Der Wurzacher: Ein Jahr Arbeit steckt hinter diesem Projekt. Gab es Momente, in denen Sie gezweifelt haben?
Christian Rast: Zweifel gehören zu jedem Veränderungsprozess dazu. Aber ja, ich hatte ab und an Zweifel. Es waren so viele „alte“ Strukturen aufzulösen, zum Beispiel im digitalen Bereich bei Google, Social Media, der Websitetechnik, Entwicklung und Verknüpfungen, die nicht alleine in unserer Hand lagen. Der Termin zum Start der neuen Marke stand fest, die HausPlus-Messe in Ravensburg Ende Januar. Es gab latenten Druck.

Umso wichtiger war es, dass Rudolf Müller den Mut hatte, diesen Weg konsequent und zielgerichtet mitzugehen. Veränderung bedeutet immer, Gewohntes zu hinterfragen. Dafür braucht es Offenheit und Vertrauen. Das Vertrauen wurde uns geschenkt, wir konnten frei arbeiten.

Der Wurzacher:Herr Müller wird häufig als mutiger Unternehmer beschrieben. Würden Sie das unterschreiben?
Christian Rast: Auf jeden Fall. Viele sprechen über Veränderung. Rudolf Müller hat sie zugelassen.

Er war bereit, das Unternehmen gemeinsam neu zu denken und langfristig auszurichten. Ohne diesen Mut wäre die Marke Holzrebell niemals entstanden.

Der Wurzacher: Welche Botschaft möchten Sie anderen Handwerksbetrieben mitgeben?
Christian Rast: Wartet nicht darauf, bis ihr groß seid oder der richtige Zeitpunkt kommen könnte.

Markenarbeit beginnt nicht mit einer Unternehmensgröße, oder zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern mit einer Entscheidung. Wer sich ehrlich fragt, wofür das eigene Unternehmen steht und wie man wahrgenommen werden möchte, hat den wichtigsten Schritt bereits gemacht.

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels und des digitalen Wettbewerbs wird eine starke Marke immer mehr zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

Haben in Berlin ihren Preis abgeholt: Neuschel, Pflug, Rast.

Der Wurzacher:Was bedeutet der German Brand Award für Sie persönlich?
Ralph Neuschel: Er zeigt, dass professionelle Markenentwicklung auch im Handwerk auf höchstem Niveau möglich ist. Und man bekommt Feedback wo man mit seiner Arbeit und Leistung aktuell steht.

Alexandra Pflug: Für mich ist es die Bestätigung, dass Authentizität eben auch in der Bildsprache überzeugt. Menschen möchten echte Menschen und Geschichten sehen – und genau das erzählen die Holzrebellen.

Christian Rast: Für mich ist der Award vor allem eine Auszeichnung für das gesamte Team und natürlich für die Mitarbeiter im Unternehmen – alle haben ihren Anteil daran – alle haben daran mitgewirkt. Deshalb gehört dieser Preis nicht einer Person, sondern allen, die diesen Weg gemeinsam gegangen sind.

Christian Rast: „Fertig ist man nie.“

Der Wurzacher: Und wie geht es jetzt weiter?
Christian Rast: Naja, fertig ist man nie.

Die Holzrebellen entwickeln sich jeden Tag weiter – mit jedem neuen Projekt, jedem Mitarbeiter, jedem neuen Kundenkontakt und jeder neuen Herausforderung. Der German Brand Award ist deshalb für uns kein Schlusspunkt, wie bleiben dran, diesen Weg konsequent weiterzugehen und zu zeigen, dass modernes Handwerk und starke Marken hervorragend zusammenpassen.

Die Bildschirmzeitung hat schon zweimal über die „Holzrebellen“ berichtet. Siehe nachstehende Artikel unter „Lesen Sie hierzu auch“).

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