Zum Hauptinhalt springen
Bericht 4 vom Heiligblutfest: Benediktiner-Abt Marianus Bieber sprach den Wallfahrern aus dem Herzen

Das Herzstück: das Pontifikalamt

Foto: Uli Gresser
Abt Marianus bei seiner Predigt. Links im Bild das Reliquiar, das prachtvolle Behältnis für die Heiligblut-Reliquie.
veröffentlicht am: 11.07.2026
Autor: Uli Gresser, rei
Lesedauer: ca. 7 Minuten

Bad Wurzach – Bei schönstem Sommerwetter, erträglich gemacht durch ein laues Lüftchen, feierte eine große Wallfahrergemeinde das Pontifikalamt am Bad Wurzacher Blutfreitag. Hauptzelebrant war Abt Dr. Marianus Bieber OSB aus Niederaltaich. Pater Wolfgang Sütterlin SDS fungierte erstmals als Gottesberg-Superior und begrüßte die große Schar der Gläubigen. Namentlich hieß er auch einige Ehrengäste willkommen, darunter den Patronatsherrn des Gottesberges, SD Erich Fürst von Waldburg-Zeil. Eigens begrüßt wurde auch die scheidende Bürgermeisterin Alexandra Scherer; ihr dankte Pater Wolfgang für ihren Einsatz für das Heiligblutfest.

Am Schluss des Gottesdienstes wies Stadtpfarrer Stefan Maier darauf hin, dass man im nächsten Jahr das 100. Heiligblutfest feiern könne. Zugleich bestehe die Pfarrkirche St. Verena dann seit 250 Jahren. Die beiden Jubiläen habe man zum Anlass genommen, eine fünfte Glocke für den Turm von St. Verena in Auftrag zu geben. Diese werde dem Heiligen Blut geweiht sein und werde als Umschrift die Zeile „Segne uns o Blut der Gnaden“ tragen. Die Glocke kostet 125.000 € und wird zu 100 Prozent aus Spenden finanziert. Pfarrer Maier bat darum, dieses Projekt mit großherzigen Spenden zu unterstützen. Nach dem Gottesdienst wurden Faltblätter mit Überweisungsträgern verteilt. Den Spenden-Flyer haben wir hier unter dem roten Download-Balken in der rechten Spalte hinterlegt.

Pater Konrad Werder und sein Nachfolger als Superior des Gottesberges, Pater Wolfgang Sütterlin, bekamen rasch Rückmeldungen zur Predigt von Abt Dr. Marianus Bieber OSB: Die Wallfahrer waren begeistert von den mitreißenden Worten des Benediktinerabtes aus Niederaltaich (Niederbayern).

Der Abt hatte am Morgen zunächst in der Stadt beim Schloss die erste Abteilung der Reiterprozession und nach der Rückkehr des Blutwagens aus den Fluren die zweite Abteilung am Fuße des Gottesberges mit der Heilig-Blut-Reliquie gesegnet.

Die zweite Segnungsstation am Fuße des Gottesberges.

Abt Marianus spendet den Segen.

Wenn die Reiter die Segnungsstation passieren, nehmen sie Helm oder Hut ab.

Auch in diesem Jahr waren zum Pontifikalamt wieder annähernd 20 Geistliche gekommen, sogar ein Bischof aus der Demokratischen Republik Kongo, um gemeinsam mit dem Segensspender das Pontifikalamt als eucharistischem Mittelpunkt des Heilig-Blut-Festes zu feiern; unter der Priesterschaft war auch Pfarrer Paul Notz, der neben Pfarrer Stefan Maier lange Jahre in der Seelsorgeeinheit Bad Wurzach gewirkt hatte. Auch Nobert Wahl, der Vorgänger von Stadtpfarrer Stefan Maier, war zum höchsten Wurzacher Feiertag gekommen. Aber nicht nur die Geistlichkeit war stark vertreten. Neben Patronatsherr Fürst Erich von Waldburg-Zeil hatten sich etliche Vertreter aus der Politik, unter anderem Regierungspräsident Klaus Tappeser, unter dem Baldachin zu dem Gottesdienst versammelt. Namentlich seien Landrat Harald Sievers, Altlandrat Kurt Widmaier und der ehemalige Landesminister Rudolf Köberle genannt.

Eine große Priesterschar geht dem Baldachin, unter dem Abt Dr. Marianus Bieber mit der Reliquie in der Hand schreitet, voran. Unmittelbar vor dem Baldachin, im Volksmund „Himmel“ geheißen, geht Pater Wolfgang Sütterlin; der neue Superior des Gottesberges trägt einen blutroten Ornat. Die übrigen Geistlichen sind einheitlich in Weiß mit roter Stola gekleidet. Gekommen war auch der Provinzial der Salvatorianer (SDS), Pater Dr. Friedrich Emde. Die Salvatorianer betreuen den Bad Wurzacher Gottesberg seit 1921. Im Jahre 1928 haben sie das erste Heiligblutfest ausgerichtet, damals mit 350 Reitern und 5000 Pilgern. Das Presbyterium beim Heiligblutfest 2026 bestand außer aus den Genannten aus Pater Konrad Werder (dem seitherigen Superior), Pater Hubertus von Freyberg (Rektor von Regina Pacis in Leutkirch), Weihbischof Eduard Isanga (Kinshasa / Kongo), dem Priester Samuel aus Uganda (in Bad Wurzach gut bekannt als Ferienaushilfe), Dekan i. R. Norbert Wahl (einst Stadtpfarrer in Bad Wurzach), Dekan i. R. Wilhelm Wahl (einst Stadtpfarrer in Wangen), Pater Stephan aus Göttweig in Österreich, Pfarrer i. R. Paul Notz (Bonlanden), Pater Stephan SDS, Pfarrer Manuel Hammer (Heilbronn, in der SE Bad Wurzach, wo er einst sein Vikariat absolvierte, gut bekannt), Pfarrer Thomas Kley (aus Unterschwarzach stammend, seit März diesen Jahres in Ravensburg-West wirkend), Pater Mariusz Kowalski SDS (Schulseelsorger am Salvatorkolleg Bad Wurzach), Pfarrer i. R. Anton Romer (Pensionär in Dietmanns) und den beiden Pfarrern der Seelsorgeeinheit Bad Wurzach Stefan Maier (auch er im blutroten Priestergewand) und Patrick Meschenmoser. Jene Priester, die als geistliche Leiter mit ihren Blutreitergruppen mitritten, konnten in aller Regel beim Pontifikalamt nicht anwesend sein, so zum Beispiel der aus Bad Wurzach stammende Pfarrer Michael Schönball, Mitglied der Ochsenhausener Gruppe, die heuer an 62. Stelle eingereiht war und somit als letzte Gruppe absattelte.

Begleitet von Lanzen-Gardisten in den Farben der Stadt schreitet Abt Marianus, das aus dem Reliquiar herausgenommene innere Kreuz mit der Reliquie in der Hand, gen Gottesberg.

ANZEIGE

Hausherr Pater Wolfgang Sütterlin (Bild), der seine Heilig-Blut-Fest-Premiere als Superior feierte, hatte bei seiner Begrüßung eine große Liste abzuarbeiten. Besonders begrüßt wurde eine Pilgergruppe aus Nürtingen, die sich bereits zum 19. Mal zu Fuß von dort zum Heilig-Blut-Fest aufgemacht hatte. Im weiten Rund der Gottesberg-Mulde waren heuer einige Sitzbänke unbesetzt – die Erosion beim Gottesdienstbesuch macht auch nicht vor dem Bad Wurzacher Heiligblutfest halt. Auch die Zahl der Pferde ist seit einigen Jahren rückläufig, liegt aber nach Aussage von Klaus Schütt von der Wallfahrtskommission immer noch bei über 1000 (gemeldet waren 1035 Pferde).

Zwei der drei Ehrenbürger der Stadt – Alois Fimpel und Robert Stützle – waren gekommen. Der dritte ist Altbürgermeister Hellmuth Morczinetz, ein großer Freund des Gottesberges; er konnte altershalber nicht teilnehmen.

Die Musikkapelle Molpershaus, die zuvor an den Stationsaltären gespielt hatte, führte nach dem Ende der Reiterprozession Abt Dr. Marianus Bieber mit der Reliquie auf dem Weg zur Gottesbergkirche musizierend an.

Dort übernahm die Stadtkapelle unter der Stabführung von Petra Springer (Bild) mit den ersten beiden Strophen des Heiligblutliedes.

Hauptzelebrant und Festprediger war Abt Dr. Marianus Bieber. Mit am Altar Stadtpfarrer Stefan Maier und Salvatorianer-Provinzial Dr. Friedrich Emde.

Abt Marianus überschrieb seine Predigt mit den Worten „Blut für die Welt – was bedeutet für uns das Kreuz Christi?“ Das Lukasevangelium beschreibe die Ölbergszene sehr intensiv: „Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.“ Der Gottesberg mit seiner Reliquie erinnere an Golgotha. Und wie in Jesu Todesstunde am Kreuz im Tempel der Vorhang zerriss, so steht uns das Allerheiligste offen.

Gott habe sich in Jesus als Leidender und Mitleidender gezeigt. Die Dornenkrone ist sein Herrscherattribut, nicht der goldene Thron. Diese Theophanie, die Erscheinung Gottes, erlebten wir Menschen beim Anblick eines leidenden Menschen. „Gott zeigt uns sein Gesicht in Form eines leidenden Menschen.“

„Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt …“

„Wir alle haben mit der Verehrung des Heiligen Blutes dem Gekreuzigten in die Augen geschaut.“ Abt Marianus zitierte einen entscheidenden Satz bei der Nachfolge Jesu: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Denn aus jedem leidenden Menschen sehe Gott uns an. Er suche uns auf diesem Weg. Gott habe das Leiden auf sich genommen, seinen Sohn geopfert am Kreuz auf Golgotha. Er habe uns Zeichen des Sterbens, des Leidens hinterlassen. „Er leidet mit uns.“ Aber er hilft, tröstet, heilt. „Vergebung ist der Weg Gottes.“

Beim Agnus Dei sang nach dieser anrührenden Predigt die Schar der Wallfahrer voller Inbrunst die dritte Strophe des wunderschön-treffenden Heilig-Blut-Liedes: „Singet Preis dem Lamme, Preis dem Blut, das es vergoss, da es sterbend an dem Stamme, an sein Herz uns alle schloss!“
Text: Uli Gresser, rei / Fotos: Uli Gresser, Gerhard Reischmann (2)

Weitere Bilder in der Galerie

Die Bildschirmzeitung „Der Wurzacher“ bemüht sich um den Predigttext. Voraussichtlich zu Beginn der nächsten Wochen dürfte dieser hier im „Wurzacher“ online stehen.

Nachstehend finden Sie unter „Lesen Sie herzu auch“ unsere ersten drei Berichte zum diesjährigen Blutfreitag.

Spenden für die Heiligblut-Glocke

Den Spenden-Flyer für die Heiligblut-Glocke haben wir unter dem roten Download-Balken in der rechten Spalte hinterlegt. Er liegt auch in der Stadtpfarrkirche St. Verena aus.

ANZEIGE
Bildergalerie
Fotos: Uli Gresser
Neueste Beiträge
Ein Partnerunternehmen der Bildschirmzeitung
ANZEIGE
Diese Anzeige kann aufgrund Ihrer Netzwerkeinstellungen nicht angezeigt werden.