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„König des Wassers“

Eröffnung der Fischotterausstellung im Naturschutzzentrum

Foto: Uli Gresser
Auf dem Bild (v.l.n.r.): Dr. Siegfried Roth, Dr. Christine Margraf und Klaus Schütt.
veröffentlicht am: 10.07.2026
Autor: Uli Gresser
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Bad Wurzach – „Der König des Wassers kehrt zurück“ so lautet der Titel der Wanderausstellung des BUND Naturschutz Bayern (BN). Sie möchte die Rückkehr des Fischotters nach Süddeutschland sichtbar und erlebbar machen, gleichzeitig aber auch den Menschen an seine Verantwortung für den Erhalt intakter Flusslandschaften erinnern.

Dr. Siegfried Roth begrüßte die Gäste – darunter auch Klaus Schütt als Stellvertreter der Bürgermeisterin Alexandra Scherer, der in seinem kurzen Grußwort sagte: „Wir müssen wieder mehr mit der Natur arbeiten, anstatt gegen sie.“

Eröffnet wurde die Fischotterausstellung mit dem Vortrag „Fischotter – der König des Wassers kehrt zurück“ von Dr. Christine Margraf, der Leiterin des Naturschutzreferats an der Landesfachgeschäftsstelle des BN in München, in dem sie im Sitzungssaal von Maria Rosengarten den Besuchern viel Wissenswertes über die putzig anzuschauenden Tiere, ihren Lebensraum und ihre „Wiederauferstehung“ in Bayern nahebrachte. Dass das Wiedererstarken der Population in Bayern nach vielen Jahrzehnten nicht ohne Konflikte abging und -geht, auch das verhehlte sie nicht.

Angefangen von Pfotenabdrücken im Schnee über die Zuordnung der Losung in der Nähe von Brücken bei Fließgewässern erläuterte die Fischotterexpertin viele Eigenschaften und Eigenheiten des wohl bald auch in Baden-Württemberg wieder heimischen „König des Wassers“. Eine davon: die zwischen 6-8 Kg wiegenden Weibchen – Männchen können bis zu 12 Kg wiegen und mit Schwanz über einen Meter lang werden – unterqueren beispielsweise keine Brücke im Wasser schwimmend.  Dies kann vor allem für die Jungtiere, die sich auf Reviersuche begeben, zu einer tödlichen Gefahr werden, wenn sie an viel befahrenen Straßen die Brücken zu überqueren versuchen. Hier helfen bereits kleine Hilfskonstruktionen wie Bermen. Denn Fischotter, bei denen ausschließlich die Weibchen für die Aufzucht des Nachwuchses verantwortlich sind, müssen sich, sobald der nächste Nachwuchs da ist, ein eigenes Revier suchen. Dieses kann bei dem nachtaktiven Jäger sich am Fluss schon einmal über 20-40 Kilometer erstrecken. Durch ihr enorm dichtes Fell können sie bis zu sieben Minuten tauchen. „Ihr Körperbau ist perfekt an das Wasser angepasst, daher auch der Name ,König des Wassers´“.

Mitteleuropäische Lücke

Der europäische Fischotter, der sich vor etwa 100.000  Jahren in Europa angesiedelt hat, wurde in Europa seit dem Mittelalter in Mitteleuropa fast ausgerottet. Man spricht auch heute von der Mitteleuropäischen Lücke, die aktuell versucht wird, zu schliessen. Diese reicht  von der Bretagne über Benelux, Westdeutschland über die Schweiz bis nach Süditalien. In Nord- und Ostdeutschland sowie den slawischen Staaten war dies nie ein Thema. Bis auf eine kleine Kolonie im bayerischen Wald war der Fischotter in Süddeutschland über viele Jahrzehnte ausgerottet. Dass sich diese Kolonie nur sehr langsam erholte, obwohl sich jenseits der Grenze zu Tschechien viele Artgenossen prächtig entwickelten, hat viele Gründe. Da wäre zum einen die Begradigung vieler Fließgewässer zu nennen, aber auch die intensive Bejagung wegen des Pelzes, aber auch als Nahrungskonkurrenz. Und ein schwerwiegender biologischer Faktor: Der Fischotter ist eine sehr empfindliche Art: Mit zwei Jahren geschlechtsreif (bei einer Lebenserwartung von sechs bis sieben Jahren) hat er eine sehr hohe Jungtiersterblichkeit.

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Der Fischotter braucht saubere strukturierte Fließgewässer, um seine Jungen großzuziehen und um genügend Nahrung zu finden. Natürlich ernährt er sich hauptsächlich von Fisch, aber er ist beinahe ein Allesfresser, d.h. er frisst fast alles, was er erwischen kann. Weil er kein ausdauernder Jäger ist, bereinigt er andere Arten um ihre kranken Tiere, ein nicht zu unterschätzender Beitrag zum Artenerhalt.

Widerstand von der Teichwirtschaft

In Bayern regt sich nun seit einigen Jahren Widerstand – vor allem seitens der Teichwirtschaft, die sich – wie in vielen Bereichen üblich, zur Gewinnmaximierung sehr in Richtung intensiver Wirtschaft entwickelt hatte. Vorwürfe, dass der Fischotter die Bestände und Artenvielfalt in der Teichwirtschaft reduziere, konnten mittels Monitoring und Studien entkräftet werden. Mehrere Versuche, der Staatsregierung einen Erlass zum Abschuss des Fischotters zu erwirken, wurden von den Gerichten einkassiert.

Die Studien – vor allem in den neuen Bundesländern – belegten, dass der Mensch selbst durch seine Eingriffe in die Natur den Rückgang zu verantworten hat. Als viel größerer biologischer Faktor habe sich der Kormoran erwiesen.

Dr. Christine Margraf hofft darauf, dass in Baden-Württemberg im Zuge der Ausbreitung des Fischotters von der Politik nicht die gleichen Fehler wie in Bayern gemacht werden.

Im Anschluss an den Vortrag zogen die Besucher dann in den eigentlichen Ausstellungsraum für die Wechselausstellungen im Gewölbekeller um.
Bericht und Bilder: Uli Gresser

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