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Oldtimer in Steinental

Glanz, Gloria und knatternde Dieselrosse

Foto: Hans Reichert
Der Jaguar E-Type – eine Design-Ikone – war einer der Hingucker in Steinental.
veröffentlicht am: 05.07.2026
Autor: Hans Reichert
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Steinental – Es war ein Bild voller Kontraste und nostalgischer Faszination, das sich den zahlreichen Besuchern des Oldtimertreffens am Samstag (4.7.) im Weiler Steinental bot. Wo einst schwere Arbeitspferde feilgeboten wurden und das historische Gasthaus des Hofes Aumann den gesellschaftlichen Mittelpunkt des Ortes bildete, versammelten sich stolze Besitzer historischer Fahrzeuge und Schaulustige. Wo früher echte Kaltblüter schnaubten, herrschte diesmal geballte Motorenkraft auf der weitläufigen Wiese.

Dabei verlangte bereits die Anreise den Teilnehmern einiges ab. Wo ist Steinental und wie kommt man dahin?

Am gestrigen Samstag (4.7.) war das kleine Steinental das Mekka der oberschwäbischen Oldtimerfreunde. Foto: Hans Reichert

Wer den Umleitungsschildern folgte, stand plötzlich vor einer Baustelle. Was für die meisten Fahrzeuge am Samstag glücklicherweise kein größeres Problem darstellte, wurde für manche Tuning-Liebhaber zur bitteren Realität: Die Besitzer tiefergelegter BMWs mussten extrem vorsichtig manövrieren – für mindestens einen Pechvogel endete der Weg dennoch im Baustellenbereich mit einem abgerissenen Frontspoiler.

Wer es jedoch unbeschadet auf das Gelände geschafft hatte, wurde mit einer spektakulären Vielfalt belohnt. Ein absoluter Blickfang im Bereich der Sportwagen waren die edlen italienischen Karossen, unter deren Hauben kraftvolle 12-Zylinder-Motoren schnurrten. Direkt daneben zog die britische Design-Ikone, ein Jaguar E-Type mit imposant aufgestellter Motorhaube, die Blicke der Kenner magisch an.

Einen reizvollen Kontrast dazu bildeten die historischen Landmaschinen. Eine ganze Reihe von Eicher-Traktoren aus der berühmten „Tiger“-Baureihe glänzte in typischem Blau. Auch die regionale Technikgeschichte kam nicht zu kurz: Ein perfekt erhaltener Hela, der einst im nahen Aulendorf gebaut wurde und im Allgäu bis heute tief verwurzelt und sehr beliebt ist, war zu bewundern. Dass Leidenschaft im Ruhestand keine Pause macht, bewies Johann Ott. Er hatte als persönliches „Ruhestandsprojekt“ einen Massey-Ferguson akribisch restauriert und präsentierte das glänzende Ergebnis stolz dem Publikum.

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Ein echtes Spektakel für die Ohren war der legendäre Lanz-Bulldog in der Ausführung als Straßenzugmaschine. Wenn dessen historische Glühkopfzündung unter lautem Knallen zum Leben erwachte, hielten die Zuschauer fasziniert den Atem an. Ganz unscheinbar und bescheiden in einer Ecke stand dagegen ein britisches Juwel: Die „Little Grey Fergy“. Der geschichtsträchtige Traktor aus Nachkriegs-England, der einst die dortige Landwirtschaft revolutioniert und modernisiert hatte, befindet sich heute im stolzen Besitz von Hausherr Ossi Waizenegger.

Auch die Herzen der Automobil-Nostalgiker schlugen höher. Neben einem sportlich-schnittigen Porsche glänzte ein winziges Goggomobil Coupé im schicken Rot mit kontrastierendem weißen Dach. Ein weißer Cadillac strahlte so viel Rock-’n‘-Roll-Flair aus, dass eigentlich nur noch Elvis Presley auf dem Fahrersitz fehlte. Für die jüngere deutsche Kinogeschichte stand ein Opel Manta bereit – stilecht gepflegt, als wäre er gerade dem Kultfilm „Manta, Manta“ entsprungen. Nur wenige Meter weiter erinnerte ein eleganter VW Ghia mit seiner unverkennbaren Käfer-Technik an die große Handwerkskunst der Karmann-Werke in Osnabrück.

Die Zweirad-Fraktion war ebenfalls stark vertreten und deckte viele Jahrzehnte Motorradgeschichte ab. Neben einer imposanten BMW in schwerer Wehrmachtsausführung mitsamt Seitenwagen zog besonders ein Modell die ältere Generation in den Bann:eine Kreidler Florett. Vor 50 Jahren war das in Kornwestheim gebaute Kleinkraftrad der absolute Traum aller 16-Jährigen. Dank des Sachs-Motors und der ausgeklügelten Gebläsekühlung war der kleine 50-ccm-Motor damals enorm leistungsfähig und hat bis heute nichts von seinem Mythos verloren.

Der Hof Aumann in Steinental

Der Hof Aumann in Steinental war schon in früheren Zeiten als Gasthaus der gesellschaftliche und wirtschaftliche Mittelpunkt des Weilers. Wo heute Oldtimer-Liebhaber fachsimpeln, trafen sich einst die Bauern der Region zum Handel mit Kaltblut-Arbeitspferden.
Text und Fotos: Hans Reichert

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