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    Auflagen verzögerten die Wiedereröffnung

    „Mir war wichtig, dass der Hirsch erhalten bleibt“

    Foto: Erwin Linder
    Sie treten in die Fußstapfen des unvergessenen „Hirsch“-Wirtspaares Claudia und Richard Maier: Michal und Joanna Szkrawan sind ab Oktober die neuen Wirtsleute in dem traditionsreichen Haus. 
    veröffentlicht am: 01.07.2026
    Autor: Erwin Linder
    Lesedauer: ca. 4 Minuten

    Bad Waldsee – „Mir war wichtig, dass der Hirsch erhalten bleibt.“ Mit diesem Satz beschreibt Brauereiinhaber Gottfried Härle den Beweggrund für sein Engagement an einem der traditionsreichsten Gebäude Bad Waldsees. Bei einem Baustellenrundgang konnten sich am Dienstag (30.6.) zahlreiche Besucherinnen und Besucher davon überzeugen, wie weit die umfangreiche Sanierung inzwischen fortgeschritten ist. Das Interesse war groß, überall entstanden angeregte Gespräche über die Zukunft des historischen Gasthauses, das von der Brauerei Härle von der Stadt gekauft wurde.

    Der „Hirsch“ ist eines der prägendsten Gebäude Bad Waldsees. Errichtet im 18. Jahrhundert vom Haus Waldburg-Wolfegg-Waldsee. Im Oktober zieht neues Leben in das alte Gemäuer ein, dass seit geraumer Zeit im Besitz der Brauerei Härle (Leutkirch) steht.

    Für Gottfried Härle ist der „Hirsch“ mehr als ein Gastronomiebetrieb. Das Haus mit seiner langen Geschichte liege an einem der schönsten Plätze der Stadt – mitten im „Wohnzimmer“ von Bad Waldsee. In Bad Waldsee selbst sieht er einen Ort mit Zukunft; das lebendige Stadtleben und die Bereitschaft der Menschen, auch zum Einkehren zu gehen, hätten ihn überzeugt, in dieses Projekt zu investieren.

    Im Oktober wird aufgemacht

    Die Wiedereröffnung ist für Anfang bis Mitte Oktober vorgesehen. Ursprünglich sollte der Zeitpunkt früher liegen. Verzögert wurde die Sanierung jedoch durch zusätzliche Auflagen, insbesondere im Bereich des Brandschutzes. Diese hätten nicht nur den Zeitplan durcheinandergebracht, sondern auch erhebliche Mehrkosten verursacht.

    Der „Hirsch“ habe sich zwar in einer guten baulichen Grundsubstanz befunden, dennoch sei das gesamte Gebäude umfassend modernisiert worden. Von besonderer Bedeutung war für Härle der Erwerb auch des benachbarten „Blauen Hauses“. Erst dadurch sei ausreichend Platz entstanden, um zusätzlich Hotelzimmer unterzubringen.

    Die neuen Zimmer werden den heutigen Ansprüchen an ein modernes Stadthotel gerecht. Sie verfügen über zeitgemäße Sanitäreinrichtungen, sind großzügig und hell gestaltet und bieten attraktive Ausblicke auf den Rathausplatz und das historische Rathaus.

    Alte Waldseer können sich noch an die schöne Gaststube im „Hirsch“ erinnern. Zur Straßenseite hin war die Gaststube mit gemütlichen Eckbänken aus Holz möbliert. Die Theke war rechts neben der Eingangstür. Vor der Theke war der Stammtisch. Besonders zur Fasnet erfreute sich das Mobiliar großer Beliebtheit. Man saß nicht nur an Tisch und Bänken, sondern auch noch auf den Lehnen und Fensterbänken. Damals war der „Hirsch“ noch das echte Pendant zum „Grünen Baum“ und man wechselte hin und her. Mit der Übernahme des Hauses durch die Stadt und dem von vielen kritisch gesehenen Konzept der „Marktwirtschaft“ verschwand das Gemütliche, Traditionelle aus der Gaststube und es setzte ein schleichender Niedergang ein.

    Die gute alte Eckbank

    Das neue Härle-Konzept für die Gaststube belebt wieder den Eckbank-Gedanken. Gemütlichkeit, so wie man sie in einer traditionellen „gut-bürgerlichen“ Gaststätte will, zieht so hoffentlich wieder in den altehrwürdigen „Hirsch“ ein.

    Die Vertäfelung im Nebenzimmer versteckte sich bei der Baustellen-Besichtigung hinter dicken Schutzabdeckungen. So wird Traditionelles erhalten und in die Renovierung integriert. Das ist auch für die teilweise noch vorhandenen Parkettbeläge in den Gästezimmern und die alten Holztreppen gültig. Das trägt nach Fertigstellung zu einem harmonischen Gesamtbild bei.

    Küche vergrößert

    Die Küche bleibt zwischen vorderem und hinterem Gastraum. Allerdings konnte sie wesentlich vergrößert werden, da die Spülküche neu konzipiert und verlegt wurde.

    Der Gastraum wird komplett barrierefrei ausgeführt. Niveau-Unterschiede zwischen vorderem und hinterem Gastraum gleicht eine Rampe für Rolli-Fahrer aus.

    Den gastronomischen Betrieb übernimmt künftig die Familie Szkrawan, die viele Jahre erfolgreich einen Gastronomiebetrieb in Frauenzell geführt hat. Er ist ausgebildeter Koch, sie gelernte Hotelfachfrau. Härle ist überzeugt, dass damit erfahrene Gastgeber den „Hirsch“ mit neuem Leben erfüllen werden. Die gastronomische Ausrichtung soll „gut-bürgerlich“ werden. Auch das Ehepaar Szkrawan war am Dienstag vor Ort und konnte Rede und Antwort stehen.

    Mit der Wiedereröffnung erhält Bad Waldsee nicht nur ein traditionsreiches Gasthaus zurück. Es entsteht zugleich ein kleines Stadthotel, das Geschichte und Moderne verbindet – und den „Hirsch“ wieder zu einem Ort machen soll, an dem sich Einheimische und Gäste gerne treffen.

    In die Gaststube soll wieder Eckbank-Gemütlichkeit einziehen.

    Die Speisenausgabe bleibt am Durchgang zwischen vorderem und hinterem Gastraum.

    Die Küche wird erweitert, die Spülküche bekommt einen neuen Platz.

    Durchbruch vom Hirsch zum „Blauen Haus“: Das sind noch Mauern! Backstein und Raustein nebeneinander.

    Gottfried Härle und seine Geschäftsführerin Esther Straub (Mitte) betreiben die Brauerei Härle mit einer ökologisch-klimaneutralen Konzeption. Ihr Nachhaltigkeitskonzept wurde 2024 mit dem Landesumweltpreis gewürdigt. Landesumweltministerin Thekla Walker übergab den Preis. Die Brauerei heißt nach dem Gründer Clemens Härle. Gottfried ist der Urenkel des Gründers. (rei) RR-Archivbild (UM2024).

    Text und Fotos (6): Erwin Linder

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    Erwin Linder
    veröffentlicht am
    01.07.2026
    Lesedauer: ca. 4 Minuten
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