Brugg – Rechtzeitig zum Rochusfest 2026 ist die Brugger Kapelle nun auch außen hergerichtet worden. Nach der großen Anstrengung der Innenrenovation, die 2024 durchgeführt worden war (aus Anlass des 750-jährigen Ortsjubiläums), hatte die Kapellengemeinschaft Brugg die Außenrenovation an einen tüchtigen Handwerker vergeben: Martin Käser aus Alttann-Höll; er hat jetzt im Juni innerhalb einer Woche die Schäden am Mauerwerk ausgebessert und die Kapelle komplett neu gestrichen. Unser Restaurator Erwin Roth, der die Kapelle 2024 innen so schön hergerichtet hat, hatte der Eigentümerschaft (das sind die sechs „alten“ Brugger Familien) empfohlen, beim Außenanstrich vom harten Weiß der Vergangenheit abzugehen und einen linden Gelbton anzubringen. Was ausgeführt wurde. Die Kosten für die Außenrenovation trägt die Kapellengemeinschaft (Eigentümer), unterstützt vom Förderverein „Freunde der Brugger Kapelle“ e. V. Jetzt freuen sich alle auf das Brugger Rochusfest, das am 16. August gefeiert wird.

So hatte die Südseite noch Anfang Juni 2026 ausgesehen. Foto: Gerhard Reischmann

Martin Käser streicht das Giebelkreuz (2007 von der Familie Ringer gestiftet). Foto: GR

Martin oben am Turm. Foto: GR
Das von Martin Käser aufgestellte Gerüst nutzten wir, um die Glocke aus der Nähe zu fotografieren. Interessant ist, dass auf der Glocke eine Marien-Bitte angebracht ist (obwohl die Kapelle dem Heiligen Rochus geweiht ist). Es könnte sein, dass Brugg-Wirtin Maria Ringer (1907 – 1999) die Glocke gestiftet hat, als sie 1950 beschafft wurde. Eine Vermutung; in der Familie Ringer ist diesbezüglich aber nichts in Erinnerung.

„Maria segne uns“ – diese Aufschrift trägt unsere Glocke; darüber befindet sich ein Bild der Gottesmutter mit dem Kind. Foto: Martin Käser
Wir haben die Gelegenheit auch genutzt, nach den Seilzügen zu sehen. Klaus Ringer, Mitbesitzer, hat das gemacht und die Mechanik, soweit zugänglich, geschmiert.

Die Glocke, von Osten her fotografiert. Foto: Klaus Ringer
Das Vorgänger-Glöcklein hatte im Zweiten Weltkrieg abgeliefert werden müssen. André Niort, der französische Kriegsgefangene auf „Schwobes“ Hof (Josef und Kreszentia Kling, heute Reischmann), und Hedwig Kling (Hierlemann) mussten die Brugger Glocke zusammen mit der Geboldinger und der Humberger mit dem Traktor nach Leutkirch zum Bahnhof bringen, wo aber niemand die Ablieferung quittierte. „Im Nachhinein“, schreibt Hedwig Hierlemann (1928 – 1994), die von „Schwobes“ Hof (St. Zachäus) stammte, in ihren Erinnerungen, „im Nachhinein dachte ich mir oft: Wenn wir die Glocken wieder mitgenommen und irgendwo vergraben hätten, vielleicht hätte man sie retten können. Aber so etwas traute man sich einfach nicht.“
Etliche Jahre blieb die Brugger Glockenstube leer. 1950 wurde die neue Glocke (zusammen mit der neuen Geboldinger Glocke) auf dem Brugger Kapellenwiesle geweiht. Gegossen worden war die Glocke (Ton c’’’; 37 Kilogramm) von der Firma B. Grüninger in Neu-Ulm. Sie trägt die Inschriften BRUGG 1950 und MARIA SEGNE UNS sowie, wie gesagt, die Abbildung der Gottesmutter mit dem Kinde. Gekostet hat die Glocke 266,20 Mark. Die 22 Buchstaben und Ziffern waren mit 20 Pfennig das Stück berechnet worden.

Die Glockenrechnung vom 26. Oktober 1950. Adressat war Josef Kling (1891 – 1981, Zachäus-Hof). RR-Repro

Beim Sturm-Unglück am 21. Juni 2007, als die Esche auf die Kapelle stürzte und den Turm mit Glocke und Läutwerk herunterriss, lag unsere Glocke am Boden. Ein trauriger Anblick. Foto: GR

Unvergessen: der aufs Kapellendach gestürzten Baum (21. Juni 2007). Foto: Feuerwehr Bad Wurzach
Nach der Reparatur des Daches und dem Wiederaufbau des Turmes im Sommer 2007 pausierten die Brugger Kapellenfreunde einige Jahre. 2016 wurden dann der Vorplatz und die Ringleitung zur Entwässerung gebaut; bei jener Baumaßnahme engagierte sich Mitbesitzer Josef Kling (Andreas-Hof) in besonderer Weise. 2016 und 2017 ließen wir das Gemälde „Rochus und Sebastian“ und unsere Altarfiguren Magnus und Johannes restaurieren. 2024 folgte die große Innenrenovation mit Restaurierung des von 1722 stammenden Altares und des Kreuzweges von 1851. Und jetzt, 2026, wurde die Kapelle außen hergerichtet.
So wie die Kapellengemeinschaft des Jahres 2026 haben die Vorgänger-Generationen all die Jahrhunderte Hand angelegt, um das Brugger Gotteshaus zu erhalten. Eine große Renovation war zum Beispiel 1984. Und der schöne Terrazzo-Boden kam vermutlich 1909 herein.

20. Juni 2026: Martin Käser und sein Schwiegersohn Kevin Engler haben abgerüstet und steuern die nächste Baustelle an. Martins Traktor – eine Zugmaschine der Firma Wahl – stammt von 1954. Foto: GR
Am 16. August
Das Brugger Rochusfest wird am 16. August gefeiert. Der Förderverein trifft sich um 18.00 Uhr in der Kapelle zur Jahreshauptversammlung. Um 19.00 Uhr feiern wir die Rochus-Messe; Zelebrant ist heuer Pfarrer Patrick Meschenmoser. Anschließend ist eine Dia-Vorführung in der Kapelle vorgesehen. Dann wechseln wir zum Hof Kling, wo man noch gemütlich beisammensitzt.
Bestandteil des Brugger Rochusfestes ist auch heuer eine konzertante Andacht mit den „Soulsisters“ an Mariä Himmelfahrt, am 15. August also. Diese findet in der Pfarrkirche in Arnach statt. Näheres hierzu zu gegebener Zeit.
Gerhard Reischmann







