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    Die Symbolkraft der Natur herausgearbeitet

    Zwei starke Frauen bringen das „Blumenjahr“ ins Schloss

    Foto: Ulli Stark
    Sehr angetan vom Start ins „Blumenjahr“ waren (v.l.n.r.) Marco Hompes, Anne Carnein, Tobias Schrade, Dieter Krattenmacher.
    veröffentlicht am: 23.05.2026
    Autor: Ulli Stark
    Lesedauer: ca. 3 Minuten

    Kißlegg – Farbenfrohe Gemälde und Skulpturen rund ums Thema Natur stehen im Mittelpunkt der derzeit laufenden Ausstellung „Blumenjahr“ im Kißlegger Schloss. „Zwei starke Frauen, die die Welt gesehen haben“, sind für Bürgermeister Dieter Krattenmacher die Künstlerinnen Dorothea Schrade und Anne Carnein. Weit über einhundert Interessierte, Wegegefährten und Freunde der beiden ließen zur Eröffnung am 26. April den Bankettsaal aus allen Nähten platzen.

    Im Rahmen der 1200-Jahr-Feier Kißleggs im Jahre 2024 sei die Idee zu einer Werkschau gemeinsam mit der Malerin Dorothea Schrade entstanden, die von 1972 bis 1985 im Alten Schloss gelebt und gearbeitet hatte. Dass sie im Herbst 2025 verstarb, war laut Dieter Krattenmacher für alle Beteiligten „ein Schock“. Umso dankbarer zeigte er sich gegenüber ihrem Sohn Tobias als Vertreter der Angehörigen sowie den vielen Leihgebern, dass die Ausstellung verwirklicht werden konnte.

    Frucht einer guten Nachbarschaft

    Auch Anne Carnein blickt nach dem Studium der Bildhauerei in Karlsruhe ab 2013 auf eine Schaffensperiode in Kißlegg zurück. Dazu kam eine Reihe von Ausstellungen und Lehraufträgen im In- und Ausland, bevor sie 2019 ein Atelier in Diepoldshofen fand. In unmittelbarer Nähe hatte sich Jahre zuvor Dorothea Schrade angesiedelt, womit die Geschichte der Ausstellung eigentlich erst beginnt: Nachbarschaften seien nach der Erfahrung des Bürgermeisters „oft dramatische Angelegenheiten, von Hinterhältigkeit geprägt“. Aus den häufigen „Trinkgelagen“ der Künstlerinnen, „mit Kaffee oder Tee“, entstand hingegen eine intensive gegenseitige Bereicherung und so letztlich „unser Blumenjahr“.

    Faszination Mohnblüte

    Das wohl auffälligste Motiv bei Dorothea Schrade: rote Mohnblüten, als Aufbruch in den Frühling. Katastrophen wie das Reaktorunglück in Tschernobyl wirkten laut Eröffnungsredner Marco Hompes jedoch „immer wieder als Anstoß für eine neue Schaffensphase“. So hätte sie nach 1986 auch den Kreislauf der Naturdargestellt – von der Knospe über die Blüte bis zum Verwelken. Ebenfalls mehrdeutig sieht er das großformatige Bild mit dem Blick auf Gebeine unter dem Boden: Es lasse unter anderem eine Interpretation für Mohn als Pionierpflanze auf einem desaströsen Schlachtfeld zu.

    Mohnwiese von Dorothea Schrade, großformatig und mehrdeutig

    Faszination Mohnblüten

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    Der Garten als Quelle der Inspiration

    Wachstum und Vergänglichkeit – und zwar „sehr subtil“ – spielen für den Leiter des Kunstmuseums Heidenheim auch bei Anne Carnein eine wichtige Rolle. So zeigten ihre Pflanzen-Objekte die sonst unsichtbaren Wurzeln unter der Erde, oder Löcher in den Blättern nach Insektenfraß. Ihre malerische Technik auf Basis unterschiedlichster Stoffe erlaube der gelernten Bildhauerin dabei „grenzenlose gestalterische Optionen“. Seit langem mit den Künstlerinnen bekannt, sah er ihre Gärten als Quelle vieler Anregungen. Wobei es gerade Anne Carnein „nicht um die Detailtreue, sondern das Herausarbeiten der Symbolkraft“ gehe.

    Regten zu Gesprächen an: die Skulpturen von Anne Carnein

    Bis 27. September

    Das „Blumenjahr“ ist bis zum 27. September donnerstags und freitags von 14.00 bis 17.00 Uhr, sonntags und an Feiertagen von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. Anne Carnein bietet obendrein eine Führung sowie zwei Workshops an. Einen gut fünfminütigen Einblick in ihr Atelier und den Aufbau der Ausstellung bietet die SWR-Mediathek: https://www.ardmediathek.de/video/swr-kultur/swr-kultur-sendung-am-26-04-2026/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIzMTYzNjA (siehe auch roter Link-Balken in der rechten Spalte).

    Die Ausstellungseröffnung am 26. April im Bankettsaal des Neuen Schlosses in Kißlegg war sehr gut besucht. Links am Mikrofon: Bürgermeister Dieter Krtattenmacher.

    Daniel Hatvani faszinierte mit der Kombination aus Cellospiel und Tontechnik

    Text und Fotos: Ulli Stark

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    Ulli Stark
    veröffentlicht am
    23.05.2026
    Lesedauer: ca. 3 Minuten
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