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Bad Waldsee – Bad Waldsee feiert sich dieses Jahr selbst. 1100 Jahre erste urkundliche Erwähnung (nur Haisterkirch steht noch früher in einem Kloster-Kodex), 600 Jahre Rathaus, 70 Jahre „Bad“. Das muss gefeiert werde und den Auftakt zum Feier-Jahr machte das Kultur-Wochenende. Mit einem abwechslungsreichen Programm aus Musik, Kunst, Kulinarik und kreativen Ideen wurde das Jahr gebührend eingeläutet – und das Publikum war begeistert.
Fulminant ließ es die Stadt angehen. Mit einem blitzeblauen Himmel und mit einer Sonne, die angenehm wärmte, waren die zwei wichtigsten Protagonisten für jedes Outdoor-Spektakel ganz auf der Bad Waldseer Seite. Da hielt es gefühlt keinen mehr zu Hause, alles war im Städtle, was kreuchen und fleuchen konnte.
Ein Tanz zum Auftakt
Vor der Hochstatt hatten die Macher ein Kultur-Tor aufgestellt. Ein bisschen grob gezimmert. Punkt 12.00 Uhr begann das Fest mit dem Tanz der Serbisch-Orthodoxen Kirchengemeinde aus Friedrichshafen. Nicht, wie gewohnt, mit einer Ansprache unseres OB startete – keine schlechte Idee.
13 Stände mit Kulinarik und Informationen
Insgesamt 13 Stände boten den Besuchern eine breite Palette an internationalen Spezialitäten und kulturellen Informationen. Von asiatischen Köstlichkeiten über mediterrane Genüsse bis hin zu typischen Balkan-Spezialitäten – der bunter Strauß internationaler Gerichte zog die Gäste magisch an. Neben kulinarischen Highlights gab es an den Ständen auch zahlreiche Informationen zu den Herkunftsländern der Gerichte, so dass der Genuss auch eine kleine kulturelle Entdeckungsreise bot.
Buntes Programm auf der Showbühne
Von 12.00 Uhr bis 18.45 Uhr gab es auf der Showbühne in ununterbrochener Reihenfolge Musik, Tanz und Darbietungen von Künstlern aus verschiedenen Kulturkreisen. Das Programm war abwechslungsreich und bot eine perfekte Mischung aus Musik, Theater und Tanz, die die Vielfalt der Kulturen widerspiegelte.
Suboptiomaler Standort der Showbühne
Besser funktioniert der Bühnen-Standort zwischen Polizei und Eisdiele beim Altstadt-Fest statt so eingeklemmt auf der Hochstatt. Aufgrund der beengten Gegebenheiten fanden nur wenige Zuschauer einen wirklich guten Blick auf die Bühne. Viele mussten sich mit einem eingeschränkten Blickwinkel begnügen, schade für die vielen Künstler, die sich redlich mühten.
Den Auftakt des Nachmittags machte, wie gesagt, die Serbisch Orthodoxe Kirchengemeinde aus Friedrichshafen mit folkloristischen Tänzen in traditionellen Kostümen. Sie hatten viele Fans und Unterstützer mitgebracht. Schwierig, ein Plätzchen mit guter Sicht zu ergattern. Die Bühne auf der Längsseite der Hochstatt ist eben ein suboptimaler Standort zum Zuschauen.
Den Biene-Maja-Kids von der Tanzschule Desweemer flogen gleich alle Herzen zu. Denn was könnte niedlicher sein, als eine Handvoll Kinder, die im Bienen-Kostüm über die Bühne wirbeln.
Krukutakaboum, der Name ist die passende lautmalerische Umschreibung für die Musik, die drei afrikanische Musiker auf die Festbühne brachten. Fremde Rhythmen, fremde Musikinstrumente und die unvergleichliche Stimme der Sängerin brachten ein exotische Klangwelt ins Oberschwäbische.
Die Fotoausstellung „Karawane der Menschlichkeit“ machte auf die Verletzlichkeit der Menschen aufmerksam, die vor unmenschlichen Zuständen fliehen. Und sie wollen doch auch nur ein Leben in Frieden. Wollen ihre Kinderin gesicherten Verhältnissen großziehen. Ein kleines Gegengewicht gegen die am Wochenende stolz vermeldeten Rekord-Abschiebungen aus der EU.
Kneipenabend mit Musik – Ein voller Erfolg
Der Kneipenabend war ein weiteres Highlight des Kulturwochenendes und erfreute sich großer Beliebtheit. Bei lauem Frühlingswetter konnten die Gäste von Kneipe zu Kneipe ziehen und das vielfältige Musikprogramm genießen. Josl, Ratskeller und Chicago-Bar waren „rappelvoll“.
Im Ratskeller kam mit dem Klassiker „Die Hände zum Himmel“ schon fast wieder Fasnetsfeeling auf – Tuneruno und Mariangela sorgten für Partystimmung. Im Josl machten Ragmen und in der Chicago-Bar Loois & CA 4 hinter mächtigen Nebelschwaden Feierlaune. Im Czardas spielte die „Sofaband“ (echt, die heißen so) Rock-Pop. Abgerundet wurde der Abend im Julischka, wo das Duo Richard Nickel und Johannes Deffner mit feinstem Jazz für eine entspannte Atmosphäre sorgten. Bei einem guten Glas Wein konnte man den Abend stilvoll ausklingen lassen.
Am Sonntag: Die Stadt war rappelvoll – und voller kreativer Höhepunkte
Am Sonntag war die Stadt rappelvoll – Heerscharen von Besuchern nutzten das schöne Wetter zu einem Bummel durch die Geschäfte, ließen sich von den Straßenmusikanten unterhalten und hatten Augen und Ohren offen für die vielen Highlights rund um den „Stock“ und in der Wurzacher Straße. Alle Geschäfte waren geöffnet. Die Händler hatten alle Hände voll zu tun, und wen man am Abend traf, zeigte sich mit dem Geschäft zufrieden.
Die vielen Kunst-Events, Ausstellungen und Installationen kamen beim Reporter etwas zu kurz, denn was da alles geboten wurde, kann man an einem Nachmittag nicht alles besuchen, bestaunen und beschreiben. Die Nichtbesuchten mögen mir nachsehen
Inmitten des Trubels fiel es der kleineren Kunst schwer, sich zu behaupten – doch gerade hier war es, wo wahre Kreativität zum Vorschein kam.
Neben dem Kunstraum WOW, in dem eine berührende Ausstellung zu Flucht zu sehen war, gab es eine ganz besondere Attraktion: eine Jukebox, wie sie früher in vielen Kneipen stand. Wer noch eine Wurlitzer Musikbox aus den 60er-Jahren kennt, weiß, dass diese Geräte ein besonderes Flair hatten. Mit einem Münzeinwurf konnte man einen Song aus einer Auswahl auswählen – statt eines Plattentellers stieg bei dieser modernen Interpretation der Box eine Sängerin mit Gitarre in die Box und sang das gewünschte Lied. Für viele, die mit iPod und späteren Medien groß geworden sind, war dies ein nostalgischer Anachronismus, der einen Hauch vergangener Zeiten einbrachte.
Ein weiteres Highlight war das Guckkasten-Theater in der Stadtbücherei, wo insbesondere das Belescope die Besucher faszinierte. Hier konnte man der Schauspielerin „in den Bauch schauen“ und das mikroskopische Treiben der Darmbakterien beobachten – eine kreative und witzige Art, sich mit den Vorgängen im Körper zu beschäftigen.
Die VHS Bad Waldsee präsentierte ebenfalls eine sehenswerte Ausstellung, die allerdings etwas abseits des Geschehens stattfand.
Dank des Wettergottes und der vielen Protagonisten mit kleiner und großer Kunst, mit internationalen Spezialitäten oder einem leckeren Eisbecher wurde das Kulturwochenende in Bad Waldsee ein voller Erfolg und markierte einen gelungenen Auftakt zum Jubiläumsjahr. Zum Schluss lassen wir Axel Musch, den Leiter des Fachbereiches Wirtschaft, Tourismus und Kultur, zu Wort kommen: „Das Wetter war so toll, hoffentlich haben wir von dem schönen Wetter dann auch für die kommenden Jubiläumsveranstaltungen noch was übrig.“
Text und Fotos: Erwin Linder
Viele Bilder in der Galerie

































































