Der Bischof sagt ein partnerschaftliches Miteinander zu


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Bad Waldsee – Gut 200 Personen der Dekanate Allgäu-Oberschwaben, Friedrichshafen und Saulgau trafen sich als Vertreterinnen und Vertreter von 169 Kirchengemeinden auf Einladung von Bischof Dr. Klaus Krämer am vergangenen Freitag (24. April) um 16.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Peter in Bad Waldsee. „Seelsorge in neuen Strukturen“ – unter diesem Slogan will die Diözese Rottenburg-Stuttgart ab dem Jahre 2030 neue Wege gehen. Zwei Stunden lang befassten sich die Delegierten mit Zukunftsfragen ihrer Kirche.

„Kirche der Zukunft“ war das Thema bei der Zusammenkunft von Kirchengemeinderäten und weiteren Delegierten in der Pfarrkirche St. Peter am 24. April. Es ging um die große Kirchengemeindereform in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, bei der aus 1020 Kirchengemeinde 50 bis 80 werden sollen. Unser Bild zeigt (von links) Diözesan-Referentin Stefanie Oeben; Bischof Dr. Klaus Krämer; Felix Kellner, Gebäude-Projektleitung; Tobias Kriegisch, Seelsorge-Projektleitung; Barbara Strifler, Referentin Pastorale Konzeption. Auch Gebäudefragen waren Gegenstand der Information und Diskussion: 30 Prozent der nichtsakralen, aber kirchensteuerfinanzierten und beheizten Gebäudeflächen, die zukünftig nicht mehr benötigt werden, sollen veräußert oder anderweitig kostenneutral genutzt werden, um die verbleibenden 70 Prozent nachhaltig sanieren und weiterhin finanzieren zu können. Foto: Rudi Heilig
Das Modell der Seelsorgeeinheiten kommt an seine Grenzen, wenn in den nächsten zehn Jahren die Zahl der Seelsorger und der Gläubigen sowie das Kirchensteueraufkommen jeweils um rund dreißig Prozent zurückgehen wird. Somit kann der Status quo an Gemeinden, Gebäuden und auch Gottesdiensten nicht mehr erhalten bleiben.
Pfarrer Thomas Bucher freute sich, als Hausherr neben dem Bischof die vielen Ehrenamtlichen der drei Dekanate in Bad Waldsee willkommen heißen zu dürfen: „Es ist für Bad Waldsee eine Ehre, diese Regionalkonferenz ausrichten zu dürfen; unsere schöne Innenstadt und der Stadtsee laden Sie ein, anschließend hier auch noch etwas zu verweilen.“ Maria Hirthe, Gewählte Vorsitzende der Kirchengemeinde St. Peter, gab einen Impuls „Hören – Zuhören“.

Maria Hirthe, Gewählte Vorsitzende der Kirchengemeinde St. Peter Bad Waldsee, bei der Begrüßung. Links Pfarrer Thomas Bucher (Bad Waldsee). Foto: Rudi Heilig
Diözesanreferentin Stefanie Oeben erläuterte anhand vieler Grafiken die aktuelle Struktur sowie die geplante Neuausrichtung. So hat der Diözesanrat im November 2025 wegweisend die Entscheidung getroffen, künftig nur noch 50 bis 80 Kirchengemeinden zu halten. Im Landkreis Ravensburg werden sich die mehr als 100 rechtlich selbständigen Kirchengemeinden zu wenigen Großgemeinden zusammenschließen.
Bischof Dr. Klaus Krämer dankte in seinem Statement allen, welche sich in den letzten Monaten bereits mit diesem Zukunftsthema der großen Diözese Rottenburg-Stuttgart befasst haben: „Es besteht hier kein fertiger Plan, wir machen Vorschläge und führen dazu viele Gespräche, der Ball liegt aber bei unseren Gemeinden.“ Wichtig für den Bischof ist es, dass die getroffenen Entscheidungen die nächsten 20 bis 30 Jahre als Basis für gute kirchliche Arbeit tragfähig sind.
Die Bandbreite der Fragen war groß
Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden die Teilnehmer zu Beiträgen und Fragen aufgerufen. Mit guter Technik ausgestattet, konnten etwa 20 Personen am Mikrofon sprechen. Die Thematik war enorm, sie reichte von „Kommt hier nicht die Seelsorge zu kurz“ bis hin zu „Wer entscheidet den Sitz und auch den Namen der neuen Einheit“. Viele Fragen kamen auch im Finanzbereich: „Was ist mit zweckgebundenen Rücklagen“ oder „Wie wird vorhandener Grundbesitz künftig gewertet“. Eine wichtige Frage lautete auch: „Unsere Kirche ist nicht denkmalgeschützt, kann diese dann auch zweckentfremdet werden?“ Hier lautete das Bischofswort: „Die Präsenz sakraler Orte soll bleiben, wir wollen so viele wie möglich erhalten.“
Immer wieder wurde die aktuelle Verwaltungsstruktur in Dekanat und Diözese angesprochen und dabei lange Prozesse sowie auch Rückstände bei Haushaltsplänen und Rechnungsabschlüssen moniert. Kirchengemeinderat Christian Hinder aus Bad Waldsee bekam lebhaften Beifall mit seiner Frage: Was passiert in diesem Zusammenhang im bischöflichen Ordinariat, wird hier auch der Rotstift angesetzt? Hier antwortete der Bischof: „Wir sind daran, Entscheidungsprozesse zu verschlanken.“ Bei der Frage: „Ziehen alle Priester mit“, war es Klaus Krämer wichtig, dass in Zukunft die Pfarrer nicht zu ‚Gottesdienstspringer‘ degradiert werden: „Bei so knappem Personal darf niemand verheizt werden.“
Ein eigenes Wort aus Rottenburg galt den vielen Vereinigungen und kirchlichen Gruppierungen: „Diese sind unser Rückgrat, hier wollen wir weiterhin vorangehen“ lautete die Antwort des Bischofs. Und weiter: „Unsere Kirche ist nicht im ‚Notstandsmodus‘, wir wollen unseren Glauben und vor allem unsere Hoffnung weiterhin mutig in die Welt tragen.“
Nach zwei Stunden erfolgte ein liturgischer Abschluss mit Lied und Gebet. An der Kirchenorgel glänzte dabei der Bad Waldseer Kirchenmusiker Leo Straßner. Maria Hirthe brachte eine Lesung aus dem 1. Buch der Könige zu Gehör, Pfarrer Thomas Bucher zauberte mit einer Klangschale lange anhaltende Töne ins festlich geschmückte Gotteshaus. „Schenke uns Weisheit beim Suchen nach neuen Orten und Wegen“ – so lauteten die Segensworte des Bischofs.
Text und Fotos: Rudi Heilig
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Die verspätete Veröffentlichung hat produktionsinterne Gründe. Sie geht nicht zu Lasten unseres Reporters, der zeitig geliefert hat. Die Redaktionsleitung hatte mit der Bürgermeisterwahl in Bad Wurzach alle Hände voll zu tun.


































