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Bürgermeisterwahl

Die Auftaktveranstaltung von Florian Schiller

Foto: Gerhard Reischmann
Florian Schiller bei seinem Bürgergespräch am 9. April in Eintürnenberg.
veröffentlicht am: 14.04.2026
Autor: Gerhard Reischmann
Lesedauer: ca. 7 Minuten

Eintürnenberg (rei) – Rappelvoll war das Katholische Gemeindehaus St. Martin in Eintürnenberg beim Bürgergespräch von Bürgermeisterkandidat Florian Schiller am 9. April. Berthold Leupolz, als Gewählter Vorsitzender der Pfarrgemeinde Eintürnenberg der Hausherr, brachte eigenhändig noch Tische und Stühle herbei. Er schätzte die Teilnehmerzahl auf 70, ein Teammitglied von Florian Schiller sprach von 84 anwesenden Personen.

Florian Schiller sprach frei, ohne Manuskript, 50 Minuten lang, auf schwäbisch. Zunächst ging er auf seinen Werdegang ein. Geboren 1974 in Leutkirch, aufgewachsen zunächst in Arnach, dann in Bad Wurzach, Sohn eines Lehrerehepaars, drei Brüder, Abitur am Salvatorkolleg, Jurastudium in Konstanz, Göttingen und Regensburg – das ist seine Vita in Stichworten. Florian Schiller ist mit einer burischstämmigen Südafrikanerin verheiratet. Das Ehepaar hat einen 13-jährigen Sohn.

Im Referendariat habe er einen Schwerpunkt auf Verwaltungsrecht gelegt, Stationen seien das Landratsamt Ansbach und der Bundesrechnungshof (damals in Bonn angesiedelt) gewesen. Mit 27 hatte er seine Examina in der Tasche. Nach einem zusätzlichen Semester an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer erwarb er 2002 in Südafrika noch einen weiteren juristischen Abschluss. Von 2003 bis 2008 arbeitete Schiller in Bayreuth als Rechtsanwalt im Bereich Insolvenzverwaltung. 2008 ging er wieder für ein paar Jahre nach Südafrika, wo er in der Recyclingbranche tätig war. Der Wettbewerb dort sei schwierig gewesen, Schiller sprach in Eintürnenberg mit Blick auf die Konkurrenz sogar von illegalen Praktiken. 2015 ging es zurück nach Deutschland und seitdem ist er in Singen als angestellter Rechtsanwalt im Bereich gerichtliche / außergerichtliche Restrukturierungen tätig.

Auf diesen Aspekt ging er in Eintürnenberg näher ein. Insolvenzverwaltung, wie er es verstehe und handhabe, sei mehr als Abwickeln. Man versuche bei wirtschaftlichen Schieflagen, „so viel zu retten wie möglich“. Beratung mit dem Ziel der Restrukturierung sei ein vorrangiges Anliegen. „Es freut mich, wenn man erfolgreich sanieren kann.“ Als Insolvenzverwalter wisse er mit Geldmangel umzugehen, müsse er viele Interessen unter einen Hut bringen.

Weshalb nun ein Aufbruch zu neuen Ufern? Er wolle „nicht nur Geld verdienen“, sondern „etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft“ machen. „Mir fehlt das Langfristige.“ Das auf lange Sicht angelegte Gestalten eines Bürgermeisters, das sei für ihn Motivation seiner Bewerbung.

Wie auch die Verbundenheit mit Bad Wurzach, wohin er den Kontakt nie habe abreißen lassen. Geschickt streute Schiller da und dort Heimatbezogenes in seinen Vortrag ein, so die Schilderung eines Einkaufs im Truschwender Käslädele, wo seinem Sohn gesagt wurde: „Dei Oma war mei Lehrerin.“

Der Zerfall der Gesellschaft treibe ihn um, sagte Schiller. Alles sei so schnelllebig und nicht mehr verlässlich. „Wir brauchen einen Anker, an dem man sich festhalten kann.“ Die 200 Vereine in der Großgemeinde böten solche Sicherheit. Blasmusik zum Beispiel enthalte die oberschwäbische DNA, immaterielles Kulturgut wie Schwäbischschwätzen gelte es zu erhalten. Ein Anker ist für ihn auch die Kirche, Schiller outete sich als praktizierender Katholik.

Für sein kommunalpolitisches Selbstverständnis nannte Florian Schiller drei Schlagwörter: Vision, Dialog und Transparenz. Gehe man neue Wege, müssten solche Zielsetzungen klar benannt werden und auch unter die Leute gebracht werden. Soziale Medien könnten hier nützliche Dienste leisten.

Mit Blick auf Personalführung und -verantwortung sagte Florian Schiller sinngemäß, er pflege einen mitarbeiterorientierten Führungstil „auf Augenhöhe“. Der Pförtner sei ihm genauso wichtig wie der Mann in der Chefetage. Unsicher zeigte er sich bei der Benennung der zahlenmäßigen Stärke des städtischen Personals. Ortsvorsteher Leupolz machte deutlich, dass die 180 Leute beim Kurbetrieb zu den 270 Bediensteten bei der Stadtverwaltung hinzuzuzählen sind.

Den Kurbetrieb zu retten sei sein Ziel, stellte Schiller klar. Der gehöre einfach zu Bad Wurzach dazu. Über Jahre einen defizitären Betrieb fortzuführen, „das wird es mit mir nicht geben“. An einem bestimmten Punkt brauche es dann „eine ehrliche Entscheidung“. Dann müsse man „den Schlüssel rumdrehen“. Aber zunächst müsse man die Rettung versuchen. Das heiße: noch einmal investieren. Letztlich müsse der städtische Kurbetrieb sich selber tragen. Eine schwarze Null zu erreichen sei das Ziel.

Berthold Leupolz stellte in diesem Zusammenhang fest, dass die hohen Verluste „zu Lasten der Dezentralität“ gingen. Für diese Bemerkung gab es Beifall, denn jeder im Saal wusste, was gemeint war: zu Lasten der Ortschaften. Schiller pflichtete bei: „Das Geld fehlt an anderer Stelle.“

Im Zusammenhang mit der Dezentralität gab Florian Schiller ein klares Bekenntnis zur Unechten Teilortswahl ab. Das sei „eine gute Sache“.

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In Sachen Wirtschaftsförderung zitierte Florian Schiller das Wort von Klaus Schütt, wonach das Ried „Fluch und Segen“ zugleich sei. Schiller sieht die blockierende Wirkung des Riedes für die Gewerbeentwicklung, aber auch die Chancen für den Tourismus. Es gelte, das Ried offensiver zu vermarkten.

Grundsätzlich gelte es bei der Wirtschaftsförderung neben dem produzierenden Gewerbe verstärkt den Dienstleistungssektor in den Fokus zu nehmen.

In der Aussprache ging es auch um das Zusammenleben mit der großen türkischen Community. Hier sieht Florian Schiller eine „bedenkliche“ Parallelgesellschaft. Es gelte, „Gesprächskanäle aufzubauen“. Ein Bürger sagte, es fehle auf der moslemischen Seite an Bereitschaft zum Dialog. Schiller sagte, er möchte Bürgermeister für alle sein. Ein anderer Bürger schlug ein gemeinsames Straßenfest vor.

Natürlich war auch der Biber ein Thema. Landwirte würden hier „quasi enteignet“. Den starken Biberschutz sieht Schiller kritisch. Allerdings werde die Angelegenheit „weiter oben“ entschieden.

Ein großes Thema war die schlechte Busanbindung Eintürnens. Schiller kündigte an, in dieser Frage „beim Landrat auf dem Schoß zu sitzen“. Er nehme das Anliegen der Eintürner Bürgerschaft mit, mache aber keine Versprechungen, „die ich nicht halten kann“.

Ein Bürger nannte die Angebote für Jugendliche „erbärmlich“; eine Bürgerin rügte „unattraktive“ Spielplätze. In Sachen Spielplätze müsse man „deutlich mehr machen“, räumte Schiller ein. Die Vereine leisteten „tolle Arbeit“, sagte Schiller auch mit Blick auf deren Jugendarbeit. Er wolle auf die Jugend zugehen, wolle sich auch in den Schulen zeigen. Es gebe eine „unsichtbare Mauer“ zwischen der Jugend und dem Bürgermeisteramt. Er wolle „nahbar“ sein. Den Vorschlag einer Bürgerin, einen Jugendgemeinderat einzurichten, nannte Schiller eine „Superidee“.

Auch Windkraft wurde angesprochen. Das seien „ganz schöne Apparate“, gab ein Bürger zu bedenken. Ein anderer sagte, die vielen Anlagen – er sprach von etwa 100 im Kreis Ravensburg – würden den Tourismus gefährden. Schiller konzedierte, dass das ein polarisierendes Thema sei. „Das treibt alle um.“ Akzeptanz könnte man gewinnen, wenn die im Umfeld einer WKA Wohnenden den Strom billiger bekämen. Windkraftpolitik werde aber auf Bundes- und Landesebene entschieden.

Ein spezielles Eintürnen-Thema ist die Schwimm-Insel im Metzisweiler Weiher. 60 Jahre lang war sie ein Fixpunkt für die Schwimmer, vor zwei Jahren wurde sie aus versicherungsrechtlichen Gründen entfernt. Berthold Leupolz: „Sehr schade. Früher war das Schwimmen im Metzisweiler Weiher sicherer. Die Gemeinden scheuen die Haftung. Das ist typisch deutsch. “ Er sei gekommen, um zu hören, wo die Eintürner Bürger der Schuh drücke, hatte Schiller zu Beginn seiner Veranstaltung sinngemäß gesagt. Eine konkrete Zusage zur Schwimm-Insel konnte er nicht machen. Grundsätzlich sieht Schiller ein großes Problem in den abnehmenden Schwimmfähigkeiten der Kinder.

Auch die sanierungsbedürftige Halle in Eintürnenberg war ein Thema, wobei Ortsvorsteher Leupolz mitteilen konnte, dass sie auf der Agenda der nächsten städtischen Maßnahmen stehe.

Die Innenstadt sei weitgehend tot, meinte ein Bürger. „Zwei Bänkla am Stadtbrunnen“ – das sei zu wenig. Es sollte Spaß machen, in die Stadt zu gehen. Florian Schiller sieht zwei Kernaufgaben einer Stadtregierung: „Lebensqualität und Arbeitsplätze“ schaffen und sichern.

Das war – um 21.50 Uhr – das Schlusswort seines ersten Bürgergesprächs im Zuge seiner Bürgermeisterbewerbung.
Gerhard Reischmann

Die Bürgergesprächstermine von Florian Schiller haben wir vor Tagen angekündigt. Siehe „Lesen Sie hierzu auch ….“

Den Zugang zur Webseite von Florian Schiller haben wir unter dem roten Link-Balken oben in der rechten Spalte hinterlegt

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