Viele Familien machten sich auf den Weg hinauf zum Gottesberg
Bad Wurzach – Gemeinsam mit dem Pastoralreferenten Raimund Miller startete an diesem Karfreitagvormittag eine große Zahl von Familien vom Pius-Scheel-Haus hinauf zum Gottesberg, um die Leidensgeschichte Jesu an den 14 Kreuzwegstationen nachzuvollziehen. Seit mehr als 20 Jahren gibt es diese Tradition, die sich alljährlich immer größerer Beliebtheit erfreut. Neu war in diesem Jahr die musikalische Unterstützung durch Kirchenmusiker Robert Häusle und den Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde. Zum Gedenken an das Sterben Jesu am Kreuz wurde von FirmbewerberInnen an jeder Station ein Grablicht abgestellt sowie eine Rose abgelegt.
Bereits bei der Begrüßung machte Raimund Miller deutlich, um was es an diesem Vormittag ging: „Unsere Freundschaft mit Jesus führt uns heute Vormittag hier zusammen. Als Freundinnen und Freunde Jesu machen wir uns gleich miteinander auf den Weg.

Der Kreuzweg stammt aus dem Jahre 1899. Eine unbekannte Künstlerin bzw. ein unbekannter Künstler hatte die 14 Kunstbilder über das Leiden und Sterben Jesu aus glasiertem Ton dargestellt. „Sie nehmen uns mit hinein in das Geschehen vor über 2000 Jahren und lassen uns innehalten. Mit ihm sind wir getragen von der Glaubenshoffnung, dass dieses Dunkel vom Osterlicht erhellt werden wird. Dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Dass das Leben siegt.“
Mit den Kommunionkindern, die ein symbolisches Kreuz trugen, an der Spitze setzte sich der Prozessionszug in Bewegung.
An der ersten Station „Jesus wird zum Tode verurteilt“ entspinnt sich ein Dialog zwischen einem Geschwisterpaar, über die Unsicherheit von Pilatus, dem klar war, dass Jesus keine Gesetze gebrochen hatte, sondern aus politischen Gründen verurteilt werden sollte. Denn Jesus war den Mächtigen, vor allem den Hohepriestern, ein Dorn im Auge, weil sie durch ihn an Einfluss zu verlieren drohten.
Bernadette Miller, Ehefrau von Organisationsleiter Raimund Miller, hatte mit ihren Drittklässlern an der Grundschule die Texte – wie den der ersten Station – neu erarbeitet. Die Texte wurden dann von Bernadette und Raimund Miller sowie Kindern von Erstkommunion-Familien verlesen.
Die zweite Station kommt: „Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern“. „Die Last des Kreuzes drückt bestimmt. Sie erdrückt Jesus“. „Doch er? Er steht aufrecht da. Erhobenen Hauptes nimmt er sein Kreuz an.“ „Er sagt ja zu dem Weg, der vor ihm liegt.“ An jeder Station wird von Raimund Miller eine Fürbitte vorgetragen und gemeinsam eine Liedstrophe gesungen, bei der Robert Häusle als Vorsänger fungiert.

Ein besonderes Detail fällt an der dritten Station auf: „Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuz“ Während der Soldat Jesus unwirsch auffordert weiter zu gehen, steht daneben eine Sonnenblume da, groß, aufrecht und leuchtend, als Symbol für das im Leben oft unbemerkte Dasein Gottes.
An der vierten Station „Jesus trifft seine Mutter“, der sechsten „Veronika reicht Jesus das Schweißtuch“ und der achten Station „Jesus begegnet den weinenden Frauen“ drücken sich Sorge vor dem Abschied aus, gleichzeitig aber auch die Hoffnung, dass – wie mit dem Schweißtuch geschehen – der Glaube auch etwas für die Ewigkeit ist. „Er drückt sein Gesicht fest hinein. Es ist so, als male er es auf den Stoff: Jesu Augen, seine Nase, seinen Mund.“
Die größte Demütigung folgt an Station zehn: „Jesus wird seiner Kleider beraubt“. Die Soldaten würfeln um seine Kleider, während Jesus fast nackt der grölenden Menge ohnmächtig und bloßgestellt ausgeliefert ist.
Station elf: „Jesus wird ans Kreuz genagelt“ – hier erreicht die Hinrichtung ihren Höhepunkt: „Jesu Hände werden durchbohrt. Hände, die so viel Gutes gewirkt und Wunder getan haben.“
Dann an Station 12: „Jesus betet zu seinem himmlischen Vater. Er spricht: ‚Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.‘ Seine Mutter Maria und sein Jünger Johannes lassen ihn beim Sterben nicht allein. Sie sind da, als sein Atem erlischt. Sie bleiben an seiner Seite, bis sein Herz aufhört zu schlagen.“ Dann als er gestorben ist: „Der Himmel verdunkelt sich. Alles ist finster. Tiefe Nacht.“ „Es ist vollbracht.“
Die 13. Station zeigt das einzigartige Bild, das über die zwei Jahrtausende hinweg immer wieder von Künstlern dargestellt wird: die Pietà oder „Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt.
Und schließlich die letzte Station: „Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt“, das Bild, das den Karfreitag prägt: „Sie rollen einen großen Stein vor den Eingang der Höhle. So wird die Totenruhe von niemandem gestört. Dann gehen die Freunde traurig weg.“ Und doch ist das der Anfang eines göttlichen Neubeginns.
Nur wenige Schritte weiter, dort, wo im Juli alljährlich unter dem Baldachin das Heilig-Blut-Fest gefeiert wird, endet wieder die diesjährige Prozession: Das von den Kommunionkindern mit zum Gottesberg hinaufgetragene Kreuz findet auf roten Samt gebettet seine Ruhestätte. Dank einer großzügigen Blumenspende konnte jeder Teilnehmer an der Kreuzweg-Prozession dieses Kreuz als Symbol von Tod und Auferstehung zu einer wunderbaren, farbenfrohen Glaubensdemonstration mitgestalten.

Mit dem Dank seitens von Raimund Miller an alle Beteiligten, die in irgendeiner Form zum Gelingen der Prozession beitrugen, sowie noch weiteren Kirchenliedern, gespielt vom evangelischen Posaunenchor, endete der diesjährige Familienkreuzweg.
Bericht und Bilder: Uli Gresser
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