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Wolfegg – Es sind Momente, die selbst in der langen Geschichte der Sozialdemokratie äußerst selten sind: Ein Mitglied, das der Partei seit acht Jahrzehnten die Treue hält. Beim politischen Martini der SPD in Wolfegg wurde Siegfried Börner nun für genau dieses außergewöhnliche Jubiläum geehrt. Doch was als Ehrung begann, entwickelte sich durch die Worte des Jubilars zu einer eindringlichen Mahnung an die heutige Generation.
„Der Austritt ist bei mir der Tod“
Siegfried Börners Biografie ist eng mit der deutschen Geschichte verwoben. Geboren in ein sozialdemokratisches Elternhaus, trat er im Dezember 1945 – unmittelbar nach Krieg und Gefangenschaft – in die SPD ein. Damals noch im Osten Deutschlands, wehrte er sich standhaft gegen den Zwangszusammenschluss zur SED, bevor er 1951 flüchtete und in Weingarten eine neue Heimat fand.
Besonders bewegend wurde es, als der Jubilar selbst das Wort ergriff. Als Zeitzeuge richtete er einen dringenden Appell an die Anwesenden: Es schmerze ihn zu sehen, wie sich Geschichte zu wiederholen drohe und Menschen erneut Parteien wählen, die ihren eigenen Interessen entgegenstehen. Seine Warnung wurde von den Gästen als Auftrag und Verpflichtung aufgenommen.
Der SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch, der eigens angereist war, um die Ehrung vorzunehmen, würdigte Siegfried Börner als „riesengroßes Vorbild für uns alle“. Börners Antwort auf die Frage, ob er in 80 Jahren jemals an einen Parteiaustritt gedacht habe, hallte lange nach: „Überhaupt nicht (…) der Austritt ist bei mir der Tod.“
Kritik an der Landesregierung: „Politik muss handeln“
Den Bogen von den historischen Werten zur aktuellen Politik schlug Andreas Stoch mit einer leidenschaftlichen Rede. Er zeigte auf, wo es unter der grün-schwarzen Regierung in Baden-Württemberg hakt: Beim massiven Mangel an bezahlbarem Wohnraum, fehlender Chancengleichheit für Kinder und dem unzureichenden Kampf um den Erhalt von Arbeitsplätzen.
Die SPD lehnt die Haltung ab, diesen Mangel einfach hinzunehmen, und fordert massive Investitionen. Wohnraum: Der Staat muss aktiv bauen für Menschen, die auf dem freien Markt keine Chance haben. Bildung: Der Zugang zur Kita muss endlichgebührenfrei sein. Wirtschaft: Ein Investitionsprogramm für Verkehr, Digitales und Energie soll das Vertrauen der Unternehmen in den Standort stärken.
Kritik an der Schließung von Notfallpraxen
Einen besonderen Schwerpunkt legte die Veranstaltung auf die Gesundheitspolitik im Hinblick auf die Landtagswahl am 8. März 2026. Paul Frank, Arzt und Direktkandidat für den Wahlkreis 69, schilderte die Missstände im System sehr persönlich. Er kritisierte scharf die Schließung von Notfallpraxen, die zu einer gefährlichen Überlastung der verbliebenen Strukturen führten. „Jetzt ist die Zeit zu handeln“, so Paul Frank. Er fordert den Ausbau von Landärzteprogrammen, eine verstärkte Investitionspflicht des Landes in Kliniken sowie mehr Befugnisse für Pflegekräfte.
Gemeinsam mit Rosa Hübner (Direktkandidatin Wahlkreis 68) treten Paul Frank und die SPD an, um das Patientenwohl und die Notfallversorgung in der Gesundheitspolitik wieder an erste Stelle zu setzen.
Anm. d. DBSZ-Red.: Mitteilungen / Stellungnahmen von politischen Vereinigungen enthalten in aller Regel Meinungsbestandteile. Wir gestalten im Hinblick auf die kommenden Wahlen Berichte von politischen Akteuren in der Optik von Leserbriefen, also mit kursiv gesetztem Titel.
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