Für die Autarkie des Dorfes schafften örtliche Spezialisten


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Ratzenried – Das Heimatmuseum Ratzenried war das erste Museum dieser Art in einem Dorf des württembergischen Allgäus; der Heimatverein wollte damit von Anfang an der Zentralisierung der überregionalen Museen entgegenwirken und vor Ort die Zeugnisse der dörflichen und bäuerlichen Kultur erhalten. Die meisten Objekte stammen aus Ratzenried und Umgebung. Der intensiven Sammeltätigkeit des Vereins ist es zu verdanken, dass in wenigen Jahren (seit 1985) rund 4000 Objekte als Leihgaben oder als Schenkungen erworben werden konnten. 1996 wurde die herausragende Museums-Arbeit des Heimatvereins Ratzenried durch einen Hauptpreis des Regierungspräsidiums Tübingen belohnt.
Im Museum wird die Kultur und die wirtschaftliche Autarkie eines Dorfes mit dem Zusammenwirken von Landwirtschaft und Handwerk dokumentiert. Bei der Landwirtschaft werden Getreidebau (von der Aussaat bis zum Brot), Graswirtschaft, Flachsbau (vom Flachs bis zum Stoff), Milchwirtschaft (Milch- und Käseherstellung), Stallwirtschaft, Tenne, Scheuer, Bienenzucht, Waldarbeit, Torfgewinnung und Wasserversorgung (Leitungen, Pumpen, Wasserverteiler) thematisiert, beim Handwerk Schmied, Wagner, Schreiner, Zimmermann, Seiler, Schuster und Sattler. Viele Einrichtungsgegenständen aus dem Wohn- und Schlafbereich, aus Küche und Keller erzählen von häuslichen Leben. Weitere Themenschwerpunkte sind die dörfliche Brauerei, der Gemischtwarenladen, Jagd und Fischerei, Militaria (Waffen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert), Kleindenkmale, Zeugnisse des Brauchtums, Tracht und Kleidung, Sport und Spiel (unter anderem drei Hochräder), sakrale Gegenstände und Funde von der Burg.
Von der Konzeption ist das Museum darauf ausgelegt, dass die Besucher von kompetenten Personen durch die Ausstellung geführt werden. Dabei lassen sich Bedeutung und Funktionsweise der diversen Gegenstände wesentlich besser erklären. Zusätzlich wird der Besucher durch Schautafeln über wichtige Berufe und Tätigkeiten informiert. Das Museum erhält ein breites historisches Fundament durch die Grundlagenforschung und die Veröffentlichungen von Berthold Büchele, besonders durch sein vierbändiges Werk „Ratzenried – Eine Allgäuer Heimatgeschichte“. Hier wird die Geschichte des Allgäus am Beispiel von Ratzenried exemplarisch dargestellt und somit auch die Geschichte der Landwirtschaft und des Handwerks.
Die Mundart ist mittels Tonbandaufnahmen dokumentiert
Dem Museum angeschlossen sind verschiedene Sammlungen mit alten Fotos, Andachtsbildern, ca. 80 Tonbandaufnahmen zur Dokumentation der historischen Mundart und der Allgäuer Volkslieder, eine Musiksammlung mit 4000 Liedern, 7000 Volkstänzen, regionaler Kirchenmusik, volkskundlichen Dokumenten (unter anderem zum Volksaberglauben).
Am 7. Juni steht altes Kinderspielzeug im Mittelpunkt
Zusätzlich bietet das Museum eine Sonderausstellung mit Kinderspielzeug von anno dazumal, darunter eine Puppenküche, ein Puppenhaus, zwei Puppenläden und eine Ritterburg. Eine besondere Rarität stellt eine Menagerie aus dem Jahr 1882: dar: ein aufklappbarer Zoo für diejenigen, die sich keinen Zoobesuch leisten konnten. Am 7. Juni von 10.00 bis 12.00 Uhr macht Berthold Büchele eine Führung speziell zu diesem Themennkreis.
Öffnungszeiten des Museums
An jedem 1. Sonntag im Monat von Mai bis Oktober jeweils von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten werden Führungen für unterschiedliche Besuchergruppen (Jahrgänger, Schulklassen, Ausflügler etc.) nach Vereinbarung durchgeführt.
Träger des Museums
Träger des Museums ist der Heimatverein Ratzenried (1. Vorsitzender Hans Knöpfler, 88260 Ratzenried, Tel. 07522/5282)
Anmeldung: Berthold Büchele, Tel. 07522/3902
Email: bertholdbuechele@web.de
Rundgänge
Eine ideale Ergänzung des Museums bieten zwei spezielle Rundgänge, zu denen es im Gästeamt der Gemeinde Argenbühl auch Faltblätter gibt:
1. Rundgang durchs Dorf
Im Dorf Ratzenried gibt es – was in einem Dorf sonst nirgends existiert – rund 70 Schilder an geschichtsträchtigen Häusern, aus denen viele der Museumsobjekte stammen und an denen sich die Geschichte der ehemaligen reichsunmittelbaren Herrschaft Ratzenried mit ihren Handwerkern, Bauern und Taglöhnern ablesen lässt. Mittelpunkt des Dorfes ist das Schloss mit Park und Schlossweiher.
2. Kulturgeschichtlicher Rundgang
Berthold Büchele hat einen Rundgang durch die Kulturlandschaft konzipiert. Er bietet einen lebendigen Anschauungsunterricht, wie die Landschaft um Ratzenried entstanden und kultiviert worden ist und wo Geräte, die sich im Museum befinden, vor Ort gebraucht wurden, sei es in der Landwirtschaft, Wald-, Fischerei-, Mühlen- oder Wasserwirtschaft.
Beide Rundgänge durchs Dorf und durch die Kulturlandschaft bieten also ganzheitliche Zusammenhänge zum Ratzenrieder Heimatmuseum.

Erinnerungen an die Gefallenen Ratzenrieds werden in diesem Teil des Heimatmuseums bewahrt. Foto: Heimatverein
Viele Objekte sind auf der Seite bawue.museum-digital.de/Heimatmuseum Ratzenried) zu finden. Unter dem roten Link-Balken in der rechten Spalte haben wir den Weg dahin administriert.

































