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Gelungene Premiere bei den Wangener Festspielen 2026

Amüsant: „Venedig im Schnee“ bringt Publikum zum Strahlen

Foto: Fred Nemitz
Das Ensemble – die Schauspieler außen, Regisseurin Petra Wintersteller die Dritte von rechts – nimmt den Schlussapplaus entgegen. Unser Bild zeigt von links nach rechts Almut Liedke, Florian Schmidt-Gahlen, Isabell Ziegler (Bühne), Diana Leist-Keller (Kostüm), Yasmin Dengg (Regieassistenz/Spielleitung), Petra Wintersteller (Regie), Nicole Janze und Benjamin Hirt.
veröffentlicht am: 30.07.2026
Autor: Fred Nemitz
Lesedauer: ca. 7 Minuten

Wangen – Ausverkauftes Haus bei der Premiere von „Venedig im Schnee“ (29. Juli) im Zunftwinkel in Wangen, hinter dem Weberzunfthaus. Ein sanftes Rauschen ertönt über den Köpfen der Zuschauer. Erfrischender Sprühnebel rieselt in Minisprinklerdüsen über die Ränge. Eine Neuerung von vielen, wie Wangens Oberbürgermeister Michael Lang bei seinem Grußwort betont. Bildschirmzeitungsreporter Fred Nemitz saß bei der Premiere im Publikum und hat sehr geschmunzelt. Hier seine Eindrücke:

Französischer Humor vor historischem Gemäuer im Allgäu. Foto: © Fred Nemitz

Seit 15 Jahren gibt es die Festspiele Wangen. Als Idee auf einem weißen Blatt Papier gestartet, hat sich die Eventreihe zu einem bunten Schauplatz mit immer neuen Theaterinszenierungen entwickelt. „Unsere Festspiele brauchen Freunde, Multiplikatoren und Unterstützer. Ohne sie könnte man diese nicht veranstalten. Danke an alle, die sich engagieren“, so OB Lang. Für ihn sind die Festspiele ein inzwischen unverzichtbares Angebot für alle Urlauber der Region und Einwohner der Stadt.

Beziehungskomödie oder Gesellschaftssatire? Beides. 

Regisseurin Petra Wintersteller beschreibt ihre Intention, das Stück zu inszenieren, wie folgt: „ ,Venedig im Schnee‘ hat mich sofort begeistert, weil es mit einem kleinen Missverständnis beginnt und daraus ein herrlich großes Chaos entstehen lässt.“

Benjamin Hirt, Nicole Janze, Almut Liedke und Florian Schmidt-Gahlen schlüpfen bei einem Abendessen in die Rollen der Gastgeber und Gäste. Yasmin Dengg, Isabell Ziegler, Diana Leist-Keller und Erwin Hecker haben die Spielleitung und das Bühnen- und Kostümbild übernommen.

Die Geschichte kurz erzählt: Sie spielt in Paris. Natalie und Jean-Luc planen ihre Hochzeit und sanieren gleichzeitig ihre Altbauwohnung. Am Abend erwarten sie Christophe und seine Freundin Patricia, die sie noch nicht kennen. Patricia hat aber keine Lust auf ein Abendessen, bei dem sie sowieso niemand kennt. Auf dem Weg dorthin streiten die beiden heftig. Wütend beschließt sie, den ganzen Abend kein Wort zu sagen, was dazu führt, dass die Gastgeber sie für eine Ausländerin aus einem Entwicklungsland halten. Sie zeigen Mitleid und wollen ihr etwas Gutes tun.

Als Patricia das Missverständnis erkennt, macht sie sich einen Spaß daraus: Sie spricht plötzlich in einer Fantasiesprache und erfindet sich ein Heimatland namens Chouwenien. Während Christophe vor Scham am liebsten im Boden versinken möchte, genießt Patricia die absurde Situation und der Abend zu viert verläuft völlig anders als erwartet.

Turbulentes Abendessen: Die Gastgeber … Foto: © Fred Nemitz

… und ihre Gäste. Foto: © Fred Nemitz

Über alte Zeiten, verflossene Lieben und das süße Leben

Zu Beginn fehlt es der Aufführung ein wenig an Dynamik. Nach und nach nimmt sie an Fahrt auf. In der zweiten Hälfte steigert es sich, wird richtig flott, die Zuschauer sind amüsiert, lachen. Gründe dafür gibt es genügend.

Natalie und Jean-Luc, die sich gegenseitig im Dauertakt Chou-Chou nennen, wollen heiraten. Komplexe Fragestellungen wie etwa zur Sitzordnung werfen ihre Schatten voraus, wollen beantwortet werden: Ist es schlimm, kleine und große Kinder an einen Tisch zu setzen? Und immer wieder die überspitzt-angehauchte Rückkopplung zwischen den Beiden: „Liebst du mich?“ „Natürlich!“

Mit dem Auftauchen von Christophe und Patricia kommt es jedoch zwischen Natalie und Jean-Luc immer wieder zu Missverständnissen. Die Stimmung heizt sich auf. Dabei sollte alles ganz friedlich ablaufen. Jean-Luc wollte ganz entspannt mit seinem früheren Studentenkumpel Christophe über alte Zeiten, verflossene Lieben und das süße Leben sprechen.

Wäre da nicht Patricia, die erst mit griesgrämiger Miene glänzt und dann als vermeintliche Migrantin, die mutmaßlich für eine Hilfsorganisation arbeitet, punktet. Als Hochstaplerin setzt sie sich in Szene und überzeugt auf ganzer Linie.

Spenden für das „freie und unabhängige Chouwenien“

Als arme Frau aus Chouwenien wirkt Patricia so gewinnend, dass sich Natalie und Jean-Luc als Helfer mächtig ins Zeug legen. Beide suchen alte Kleidungsstücke zusammen, eine antibakterielle Seife, Buntstifte, einen Wandbehang. Natalie: „Haben wir sonst noch was zum Spenden?“ Jean-Luc: „Oder was nicht mehr funktioniert“? Kaffeemaschine, Wasserkocher, Toaster, alles wird herangekarrt. Die Krönung: eine Kuckucksuhr. Und das alles für den vermeintlich guten Zweck.

Die Hochstaplerin verrät sich am Ende selbst

Christophe, der die ganze Chouwenien-Maskerade auffliegen lassen möchte, aber sich in letzter Konsequenz nicht traut, es auszusprechen, macht Patricias Spiel plötzlich mit. „Schnapp Dir den Fernseher, Patricia!“ Natalie: „Aber wie sollen wir dann frühstücken“? Das Publikum reagiert verständnisvoll-spöttisch.

Dann kommt der Moment, der dem Titel seinen Namen verliehen hat. Patricia sieht eine Glaskugel, nimmt sie in die Hand und bewundert sie. Jean-Luc: „Das ist Venedig in Schnee.“ Es geht hin und her und schweren Herzens schenkt Natalie Patricia das Prachtstück, dass sie von ihrem Gatten in spe erhalten hat. Das Stück endet mit der Verabschiedung, bei der Patrica auffliegt. Wie, wird an dieser Stelle nicht verraten. Selbst herausfinden lautet die Devise.

14 weitere Aufführungen bis Ende August

Nachdem der Applaus verstummt ist, laden die Veranstalter alle Premieren-Besucher zu Häppchen und Getränken ein. Eine nette Geste, die ankommt. Zwischen Würstchen und Weißwein treffen wir Dietmar Schiele, ehemaliger Bankvorstand und heutiger Kassenwart beim Festspielverein. Er berichtet davon, dass sich dieses Jahr an die 80 Schauspielerinnen und Schauspieler für die Festspiele in Wangen beworben haben. Vier davon wurden ausgewählt. Neben „Venedig im Schnee“ spielen sie hier auf der Bühne zeitversetzt „Die Bremer Stadtmusikanten“. Geprobt haben die professionellen Schauspieler für beide Stücke und ihre jeweiligen Rollen zwei Monate lang. Bis Ende August gibt es 14 weitere Aufführungen von „Venedig im Schnee“.

Gute Miene, lustiges Spiel und jede Menge Missverständnisse. Foto: © Fred Nemitz

Boulevard an der Stadtmauer: Die französische Komödie kommt in Wangen bestens an. Foto: © Fred Nemitz

Diesem Prachtstück hat das Theaterstück seinen Namen zu verdanken. © Fred Nemitz

Förderer

Förderer und Unterstützer der Festspiele Wangen sind unter anderem das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, die Stadt Wangen, die Anton & Petra Ehrmann-Stiftung, die Kreissparkasse Ravensburg, die Volksbank Allgäu-Oberschwaben, Lotto Baden-Württemberg, das lokal ansässige Unternehmen Stender sowie die „Schwäbische Zeitung“. Und natürlich der Festspiel-Verein mit seinen treuen Mitgliedern.
Text und Fotos: © Fred Nemitz, Juli 2026

Schon gewusst …?

Laut eines Berichts des Redaktionsnetzwerkes Deutschland hat es in Venedig das letzte Mal nennenswert und medienwirksam im März 2018 geschneit. Das Jahr davor gab es im Januar einen markanten Kälteeinbruch, bei dem der Markusplatz kurzzeitig von einer dünnen Schneedecke überzogen wurde. So oder so: Historische Kälte gab es in der berühmten italienischen Metropole das letzte Mal im größeren Stil im Jahr 1929, als die komplette Lagune zugefroren war (Quelle: BestVeniceGuides).                                                     

„Die Bremer Stadtmusikanten“ als zweites Stück

Das zweite Stück, das heuer bei den Wangener Festspielen gegeben wird: „Die Bremer Stadtmusikanten“. Foto: Stefanie Zehender

Neben „Venedig im Schnee“ (für Erwachsene am Abend) werden in dieser Saison „Die Bremer Stadtmusikanten“ (für Familien am Nachmittag) gezeigt. Die vier Schauspieler Almut Liedke, Nicole Janze, Benjamin Hirt und Florian Schmidt-Gahlen sind die Akteure auch bei diesem Stück.

Florian Schmidt-Gahlen wird zudem am 16. August um 18.30 Uhr mit seiner Gruppe „kupfer & konfetti“ (ehemals „KleineReise“) ein Konzert auf der Freilichtbühne geben.

Vom 29. Juli bis 23. August

Gespielt wird bis zum 23. August. Siehe Webseite der Wangener Festspiele. Den Zugang zur Webseite haben wir unter dem roten Link-Balken in der rechten Spalte hinterlegt.

Flyer

Faltblätter zu den Stücken „Die Bremer Stadtmusikanten“ und „Venedig im Schnee“ sowie zum Konzert mit „kupfer & konfetti“ haben wir unter den roten Downloadbalken in der rechten Spalte hinterlegt.

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Fred Nemitz
veröffentlicht am
30.07.2026
Lesedauer: ca. 7 Minuten
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