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Harald Schmidt und Bernd Gnann zu Gast in der Stadthalle Pfullendorf

Schmidteinander geht immer

„„Ein unvorbereiteter Abend“: Harald Schmidt trifft auf seinen alten Kumpel Bernd Gnann. Ein Nachbericht zum Mitschmunzeln.
Fred Nemitz
Foto: Fred Nemitz
Harald Schmidt, Bernd Gnann und Akkordeonist Igor – so etwas wie ein Trio infernale. Frech, aber sympathisch.
veröffentlicht am: 06.05.2026
Autor: Fred Nemitz
Lesedauer: ca. 6 Minuten

Pfullendorf – Harald Schmidt und Bernd Gnann waren auf der gleichen Schauspielschule, üben ähnliche Berufe aus und haben sich noch immer viel zu erzählen. Musikalisch begleitet werden sie von Igor aus Kasachstan.

Schalk im Nacken, Humor im Blut: Harald Schmidt und Bernd Gnann in der Stadthalle Pfullendorf.

Entertainer, Schauspieler, Fernsehmoderator, Buchautor und vieles mehr: Harald Schmidt ist eine lebende Legende. Mit Herbert Feuerstein moderierte er 1990 die erste öffentlich-rechtliche Late Night-Show. Später setzte er das Format im besten David-Letterman-Stil im Privatfernsehen über viele Jahre fort. Er schrieb Bücher wie „Fleischlos schwanger mit Pilates“, Untertitel: Erfolgreiche Frauen sagen wie es geht. Sprach darin über „Daddy Weichei“, „Lausbefall“ und „Matthäus war gestern für BILD nicht erreichbar“.

2022 ging er „Back to the roots“ und wandelte mit dem SWR auf den Spuren seiner Vergangenheit in Nürtingen und Stuttgart, besuchte die Orte seiner Schulzeit und seines Bühnenstarts. Erst kürzlich im Radio im „Talk mit Thees“ konstatierte er: „Wer beruflich im Zug telefonieren muss, macht was falsch.“

Was Herbert Grönemeyer dieses Jahr zelebriert, erwartet Schmidt im nächsten: Er wird 70 – und denkt gar nicht daran, aufzuhören. Am 5. Mai der Auftritt in Pfullendorf, nächste Woche ist Cottbus dran, im Juni Limburg – mit Jazz-Begleitung. Im Oktober geht’s ins Opernhaus nach Magdeburg, im November mit Bernd Gnann nach Neuruppin und kurz vor Heiligabend gastieren beide in Mannheim.

Ein Tschappel kommt selten allein

An diesem Abend in Pfullendorf kommt der Mann mit dem Akkordeon als erster auf die Bühne – gefolgt von Bernd Gnann: „Das ist Igor aus Kasachstan. Und wer bist Du?“, fragt Gnann eine Dame in der ersten Reihe. „Ulrike aus Linz. Ich bin der Bernd aus Reichenbach. Ich habe sieben Geschwister – mein Bruder auch.“ Das Publikum lacht. Nicht das letzte Mal an diesem Abend.

„Daheim hatten wir 36 Milchkühe. Bärbel war die Beste mit 32 Litern pro Tag. Am selben Tag, als sie gestorben ist, ist meine Schwester geboren. Da meinte mein Vater: Die Bärbel lebt in ihr weiter.“

Das Warm-up ist geglückt. Bernd Gnann weiß, wie man den Motor zum Laufen bringt. Die ZDF-Comedy-Serie „Tschappel“, in der er die Rolle des Gastwirts Rainer Brenner spielt, hat dieses Jahr den renommierten Grimme-Preis im Bereich Fiktion gewonnen.

Mit Aznavour in Bellevue und Morricone in Aulendorf

Als Harald Schmidt die Bühne betritt, gibt’s tosenden Applaus. Weltmännisch elegant genießt Schmidt den Begrüßungsregen – und steigt ein: „Ich habe mir so Politikergesten angewöhnt. Das schafft sofort ein Gemeinschaftsgefühl.“ Er berichtet von Platz 5 beim Thomas-Tuchel-Mundwinkel-Contest, steigt ins Tagesgeschehen ein mit Emanuel Macron und dessen Charles-Aznavour-Gesangseinlage mit Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan, um dann den Bogen ins Schloss Bellevue zu spannen. „Bei unserem Bundespräsidenten würde ‚In meinem Garten‘ von Reinhard Mey passen, zusammen mit ,Haftbefehl‘. Oder ‚Ich hatte mir noch so viel vorgenommen‘ von Hannes Wader.“

Dann der Schwenk ins Hier und Jetzt. „Ich war noch nie in Pfullendorf. Geberit, Weltmarktführer. Bei mir wird nur einmal am Tag gespült – mit Regenwasser.“ Würde der Gag bei „Inas Nacht“ laufen, würden die Shantys passenderweise ihr „Lustig, Lustig“ zum Besten geben. Schmidt fährt fort: „Ich bin heute in Aulendorf ausgestiegen und dachte mir: Spiel mir das Lied vom Tod, Teil 3.“ Das Publikum feiert, weiß genau, was er meint. „Letztes Jahr, Laupheim West. Kein Taxi am Bahnhof. 32 Grad, Juli. Bin mit dem Rollkoffer die Bundesstraße entlanggelaufen und dachte, gleich treffe ich das Drehteam von Aktenzeichen XY … ungelöst.“

Heinz Erhardt, Lee Harvey Oswald und Manuel Hagel

Bernd Gnann stimmt ein und singt unter der Begleitung des Akkordeons „Mein Mädchen“ – im Original von Heinz Erhardt, 1939 im Film „Bunte Fernseh-Fibel“ verwendet. Der Text handelt von der besonderen Liebe zu einer Frau, die er als einzigartig beschreibt. „Meine Mutter, geborene Reichsbahn, stand zumindest immer auf den Handtüchern. Der Gag ist von Heinz Erhardt“, ergänzt Schmidt.

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Der Wahlkölner eröffnet ein neues Terrain: Elternabende. „Da sich meine Frau um den Haushalt kümmert, gehe ich da immer hin und bin der einzige Vater ohne Zehenschuhe. Interessant wird es, wenn eine elterliche Stimme aus dem Off um kurz vor 22.00 Uhr eine Frage zum passenden Schuhwerk bei Klassenfahrten stellt. Wo ist Lee Harvey Oswald, wenn man ihn mal braucht?“

Schwarzer Humor, wie man ihn von Harald Schmidt kennt. Zur Erläuterung: Lee Harvey Oswald ist der mutmaßliche Mörder von John F. Kennedy.

Auch politisch – auf Landesebene – wird kein Blatt vor dem Mund genommen. Gnann: „Nächste Woche bin ich bei einer Jubiläumsfeier in Bad Waldsee. Da sollte Manuel Hagel auch dabei sein, hat aber abgesagt.“ Schmidt: „Der wird jetzt Innenminister, zu Recht. Mit Personenschützerin.“ Historisch kontextieren nennt der Entertainer seinen Ansatz. Dann imitiert er einen fiktiven finnischen Buchautor, berichtet von langen Autofahrten nachts mit CD-Hörbuchbegleitung und schaut mental in der VIP-Lounge von Paris Saint-Germain vorbei. Die Champions League lässt grüßen.

Mireille Mathieu trällert zum Finale

Musik aus längst vergessener Zeit. Auch Mireille Mathieu bekommt an diesem Abend die ihr gebührende Aufmerksamkeit. Humorvoll inszeniert, versteht sich.

Der Abend neigt sich dem Ende zu. Schließlich ist morgen ein ganz normaler Arbeitstag. „Tausendmal möcht‘ ich dich küssen“ hauchen Igor und Bernd ins Mikro. Schmidt berichtet noch kurz vom letzten Dreh auf dem „Traumschiff“ und dessen Stopp in Guatemala. „Ich gehe gar nicht mehr von Bord – wegen der kulturellen Aneignung, mache lieber einen Abramowitsch-Tag, ganz allein auf dem Schiff. Da gibt es vier Köche und immer was zu Essen.“

Kulinarisch geht es weiter. Nach Stuttgart, ins Hotel. „Da gab es Gugelhupf mit Puderzucker und eine Dame im Jogginganzug, verschwitzt unter den Armen, hat sich bedient und ist immer mit der Kleidung am Gugelhupf hängen geblieben. Den hätte man wegschmeißen können, wenn danach nicht eine Familie aus Thüringen gekommen wäre. Das schafft Verbindung im Frühstücksraum.“

Bitterbös, aber so kennt man ihn. Typisch Schmidt. Ein letzter Gag, bevor Bernd Gnann im Mireille-Mathieu-Outfit das musikalische Finale einläutet. Schön war‘s. Kurzweilig, pointiert, denn Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Gern auch mal Schmidteinander.

Zur Person

Harald Schmidt schloss 1981 das Schauspielstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart ab und spielte anschließend u. a. an Bühnen in Stuttgart, Augsburg, Düsseldorf und Bochum. In den 1990ern und 2000ern machte er sich vor allem als Late-Night-Host einen Namen. Er tritt außerdem regelmäßig als Kabarettist auf.

Bernd Gnann, gebürtiger Oberschwabe (aus Reichenbach bei Bad Schussenried, um genau zu sein), ist ausgebildeter Schauspieler (Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart), spielt neben Soloprogrammen Theater- und TV-Rollen, ist Sprecher, Hörspielsprecher und Moderator. Nicht zuletzt ist er seit 2009 Geschäftsführer des Kammertheaters Karlsruhe.
Text und Bilder: © Fred Nemitz, Mai 2026

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Fred Nemitz
veröffentlicht am
06.05.2026
Lesedauer: ca. 6 Minuten
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