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Weingarten – Am 21. Oktober fand in der Basilika in Weingarten der Informationsabend zur geplanten neuen Altargestaltung statt. Bei der stark besuchten Veranstaltung kamen Befürworter und Gegner der Pläne zu Wort. Nachstehend der Bericht von Markus Waggershauser von der Regionalredaktion der Diözese:
Die künftige Gestaltung des Altarraums in der Basilika St. Martin und Oswald sorgt in und um Weingarten für eine lebhafte Debatte. Eine Informationsveranstaltung mit anschließender Diskussion brachte am 21. Oktober Interessierten, die das Mittelschiff der Basilika gut füllten, auf den gleichen Wissensstand und ließ die unterschiedlichen Positionen in offener Atmosphäre zu Wort kommen. In den vergangenen Wochen trug der Kirchengemeinderat, der die Grundlagen der Planung auf der Webseite der Kirchengemeinde bereits veröffentlicht hatte, alle Informationen zusammen, um die Entscheidung für den Entwurf des Bildhauers Albrecht Zauner transparent zu machen und ihn öffentlich vorzustellen. Diejenigen, die den barock anmutenden Heilig-Blut-Altar von 1931 unbedingt erhalten wollen, brachten eine Petition gegen eine Neugestaltung des Altarraumes auf den Weg.
Zauner greift in seinem Entwurf auf historische Gegebenheiten zurück, wenn er die zwei Stufen zum Chorraum entlang des in den Bodenplatten gespiegelten Kuppelkreises führt und für die Heilig-Blut-Reliquie in einer Stele vor dem nördlichen Seitenaltar, wo sie von 1724 bis 1731 aufbewahrt wurde, einen zweiten, intimeren Ort zur Verehrung vorsieht. Auch der neue Altar enthält wie der bisherige einen Schrein, in dem die Reliquie in der Regel zu sehen ist. Im eingeblendeten Video – aufgenommen in seiner Werkstatt in Vorarlberg – erklärte Zauner, dass diejenige Person, die genau unter der Kuppel mit dem Fresko des himmlischen Universums steht, sich in der kreuzförmigen Achse zwischen Ambo und neuem Altar sowie zwischen der alternativen Reliquienstele und der Tabernakelstele erlebt. Alle diese Orte sind aus rauem Jura-Kalkstein gestaltet, der die goldbeige Farbe des Bodens aufnimmt.

Jörg Bogenrieder und Claudia Schlegel, die Gewählten Vorsitzenden des Kirchengemeinderats St. Martin, begrüßten die Interessierten in der Basilika in Weingarten. Foto: DRS/Waggershauser
Verschiedene Mitglieder des Kirchengemeinderats und des Pastoralteams zeigten auf, wie der Kuppelraum so für unterschiedliche Liturgische Feiern vom Pontifikalamt bis zur Taufe, aber auch fürs persönliche Gebet seine Wirkung neu entfalten kann. Dabei sei die Basilika als Gemeinde- und Wallfahrtskirche im Blick. Sie beantworteten auch vorab häufig gestellte Fragen, wie beispielsweise die nach den Kosten. Sie belaufen sich für Ambo, Altar, Sedilien, Tabernakel- und Reliquienstele inklusive Künstlerhonorar auf 175.000 Euro, wovon 100.000 Euro bereits durch langjährige, zweckgebundene Rücklagen zur Verfügung stehen. Die Gültigkeit der Entscheidung des Kirchengemeinderats für Zauners Entwurf bestätigte die Diözese. Diözesanbaumeister Dr. Thomas Schwieren, stellte sich zudem hinter das Urteil der diözesanen Kunstkommission, „dass die Arbeit die Raumidee aufgegriffen hat und es sich um einen ikonographisch und theologisch gelungenen Entwurf handelt.“

Axel Müller, Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Ravensburg, moderierte die Aussprache in der Basilika. Foto: DRS/Waggershauser
Die zweite Halbzeit, wie der Ravensburger Bundestagsabgeordnete Axel Müller als neutraler Moderator und Mediator es formulierte, gehörte den Interessierten im Kirchenschiff. Wer sich an den beiden Mikrofonen im Mittelgang über den neuen Altar als Fremdkörper und für den bisherigen als Herzstück der Basilika aussprach, bekam ebenso Beifall wie diejenigen, die von den neuen liturgischen Möglichkeiten nach einer Umgestaltung ganz begeistert waren und die tiefen Gedanken dahinter lobten. Lagen die Beiträge inhaltlich oft weit auseinander, hielten sich doch alle an den von Müller vorgegebenen respektvollen Umgangston und meist auch an die Redezeit von einer Minute.

Die Interessierten füllten die Basilika bis in die hinteren Bankreihen, darunter anfangs auch Pfarrer Ekkehard Schmid (3. Reihe, Zweiter von rechts). Foto: DRS/Waggershauser
Neben Äußerungen für den neuen Entwurf oder für die Beibehaltung des bisherigen Altars ließen einige Redner/innen erkennen, dass sie trotz persönlicher Vorlieben auch die andere Sichtweise verstehen können oder sie zumindest als Herausforderung annehmen. Andere gaben der Kirchengemeinde Vorschläge zur Lösung des Konflikts mit auf den Weg. Denn an der Spaltung, die gefühlt durch die Stadt geht, leiden beide Seiten. Über einen Felsspalt könne man hinüberspringen oder eine Brücke darüber bauen, gab der Moderator zu bedenken. Dafür war der Abend ein Anfang, wie vielfach zu hören war. Weitere Gesprächsformate folgen, bevor der Kirchengemeinderat deren Ergebnisse als Votum an den Bischof weitergibt, der letztendlich entscheidet. Das abschließende Vaterunser beteten alle in der Basilika gemeinsam – ein hoffnungsvolles Zeichen.
Webseite der Kirchengemeinde
Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Kirchengemeinde St. Martin: https://katholisch-weingarten.de/altarraumgestaltung (siehe auch roter Link-Balken in der rechten Spalte)
Die Bildschirmzeitung hat schon mehrfach über den Weingarten Altar-Streit berichtet und dabei die Argumente beider Seiten transportiert. Siehe nachstehend unter „Lesen Sie hierzu auch“ hinterlegte Artikel

































