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Meckenbeuren / Bodbegg – Mit seinem Tod verliert die Stiftung Liebenau nicht nur ihren ältesten Bewohner, sondern auch einen Menschen, der das dunkle Kapitel der nationalsozialistischen „Euthanasie“ in den Jahren 1940/41 überlebt hat. Als Kind entkam er nur knapp der Deportation. Ordensschwestern versteckten den damals achtjährigen Jungen im Wald und retteten ihm so das Leben. Noch im vergangenen Jahr berichtete er bei der Gedenkveranstaltung der Stiftung Liebenau über dieses Erlebnis.
Sein Tod mahnt
„Sein Tod beendet kein Kapitel, sondern mahnt uns, wachsam zu bleiben gegenüber Tendenzen zu Ausgrenzung und Entwertung von Mitmenschen sowie dem Erstarken menschenverachtender Ideologien. Das sind wir nicht nur unseren heutigen Klientinnen und Klienten schuldig, sondern auch den über 500 Menschen, die zur Zeit der Nationalsozialisten aus Liebenau deportiert und anschließend ermordet wurden“, betont Dr. Berthold Broll, Vorstand der Stiftung Liebenau.
85 Jahre lang in Rosenharz gelebt
85 Jahre seines Lebens verbrachte Hans Rieg in Rosenharz – eine kaum vorstellbare Zeitspanne, in der er Teil des Alltags, des Wandels und der Gemeinschaft war. Wer Hans Rieg begegnete, erlebte einen offenen und zugewandten Menschen. Er war kontaktfreudig und stets interessiert an seinem Gegenüber. Besonders gerne ging er im benachbarten Ort spazieren, sprach Menschen an, erkundigte sich nach ihrem Befinden und hielt Gespräche lebendig. So knüpfte er über viele Jahre hinweg zahlreiche Kontakte – nicht nur in Rosenharz, sondern weit darüber hinaus. Im Nachbarort Bodnegg war er bestens bekannt, ja fast schon eine kleine Berühmtheit. Nicht ohne Grund nannte man ihn augenzwinkernd den „Bürgermeister von Rosenharz“.
Hans Rieg verfügte über ein bemerkenswertes Gedächtnis. Namen, Gesichter und Ereignisse konnte er sich über lange Zeit hinweg merken. Besonders eindrucksvoll war seine Fähigkeit, den Namenstagskalender auswendig zu kennen. Mit Freude fragte er nach Vornamen und wusste meist sofort, wann der entsprechende Namenstag gefeiert wird – eine Gabe, die viele Menschen staunen ließ und oft ein Lächeln schenkte.
Das Requiem für Hans Rieg findet am Dienstag, 12. Mai um 14.00 Uhr in der Kirche St. Theresia in Rosenharz statt.
Susanne Droste-Gräff
































