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Seismologische Untersuchungen

Vibro-Trucks horchen tief in Oberschwabens Untergrund hinein

Foto: Hans Reichert
Über eine hydraulisch abgesenkte Rüttelplatte sendet das Spezialfahrzeug Schwingungsfrequenzen von 6 bis 110 Hertz in den Boden. Auf der gesamten, 84 Kilometer langen Messstrecke zwischen Leutkirch und Ochsenhausen lauschen insgesamt 8400 hochempfindliche Geophone – platziert im Abstand von jeweils zehn Metern – auf die reflektierten Schallwellen.
veröffentlicht am: 18.10.2026
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Diepoldshofen – Tonnenkolosse auf schmalen Wirtschaftswegen, feine Sensoren und die Hoffnung auf saubere Erdwärme: Beim Vor-Ort-Termin bei Diepoldshofen hat das Land Baden-Württemberg den Startschuss für eine großangelegte geologische Erkundung gegeben. Bis in mehrere Kilometer Tiefe soll der Untergrund durchleuchtet werden, um das Fundament für die künftige Wärmewende zu legen. Ab 19. Oktober sind die weißen Spezialfahrzeuge in unserem Raum im Einsatz: Mit den Untersuchungen wird am Montag südlich von Leutkirch begonnen. Anschließend sieht man die Kolosse bei Reichenhofen und Diepoldshofen, auf der kleinen Straße im Herrgottser Ried und auf der Bundesstraße durchs Wurzacher Ried. Auf der nachstehend eingefügten Karte sind die Arbeitsabschnitte farbig markiert.

Vibro-Trucks erkunden ab 19. Oktober den Untergrund in Oberschwaben. Hier standen sie zu Demonstrationszwecken im Achtal bei Diepoldshofen. Die Spezialfahrzeuge schicken Schallwellen in die Tiefe. Foto: Hans Reichert

„Wir wollen wissen, wie der Untergrund aussieht“, brachte es Dr. Andre Baumann (Bild), Staatssekretär im baden-württembergischen Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, in Diepoldshofen auf den Punkt. Denn ohne verlässliche Daten lasse sich keine verlässliche kommunale Wärmeplanung umsetzen. Ziel des Projekts sei es, Potenziale für eine CO₂-freie, wetterunabhängige Grundlastwärme aufzudecken und zugleich das Grundwasser bestmöglich zu schützen.

Geologie im Schichtenmodell

Dass das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) im Regierungspräsidium Freiburg dabei rein wissenschaftlich agiert, unterstrich Dr. Ulrike Wieland-Schuster: „Wir beurteilen nur, wir genehmigen nicht.“ Die erhobenen Daten dienten als objektive Entscheidungsgrundlage für künftige Interpretationen zu Grundwasservorkommen und Erdwärme.

Dr. Ulrike Wieland-Schuster (LGRB) erläutert anhand des Schichtenmodells den geologischen Untergrund Oberschwabens – von der Molasse bis zum tief liegenden Jura.

Den komplexen geologischen Aufbau Oberschwabens veranschaulichte Dr. Ulrike Wieland-Schuster bildhaft: „Die Gesteinsschichten sind vorstellbar wie eine Schwarzwälder Kirschtorte.“ Im Muschelkalk gebe es Klüfte und Hohlräume; ob darin jedoch heißes Thermalwasser zirkulieren kann, hänge maßgeblich von der Durchlässigkeit (Permeabilität) des Gesteins ab. „Ob tatsächlich heißes Wasser fließt, weiß man letztlich erst nach einer Bohrung“, so die Expertin. Das Verfahren der 2D-Seismik liefere dafür jedoch das unverzichtbare „Ultraschallbild“, um Bohrrisiken vorab drastisch zu minimieren.

Auch Leutkirchs Bürgermeister Dr. Daniel Gallasch informierte das Fachpublikum und die Presse über die am 10. Oktober beginnenden geologischen Untersuchungen.

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22,8 Tonnen auf Rüttelkurs

Die Messtechnik ist imposant: Ein einzelner Vibro-Truck bringt stolze 22,8 Tonnen auf die Waage und leistet 475 PS. Über eine hydraulisch abgesenkte Rüttelplatte sendet das Spezialfahrzeug Schwingungsfrequenzen von 6 bis 110 Hertz in den Boden. Auf der gesamten, 84 Kilometer langen Messstrecke lauschen insgesamt 8400 hochempfindliche Geophone – platziert im Abstand von jeweils zehn Metern – auf die reflektierten Schallwellen.

Die Route der geologischen Untersuchungen erstreckt sich von Leutkirch über Bad Wurzach bis nach Biberach. Eine weitere Linie verbindet Ochsenhausen mit Aulendorf, ergänzt durch einen Messzweig von Füramoos nach Truilz. Orange markiert ist der Bereich der am 19. Oktober vorgenommenen Untersuchungen. Am 20. Oktober arbeiten die Geologen im violett markierten Bereich; am 21. Oktoer im grün markierten, am 22. Oktober im rot markierten, am 23. Oktober im gelb markierten und 24. Oktober nördlich des Wurzacher Riedes im hell-violetten markierten Bereich. Karte: RP

Bürgerfragen und Schadensgarantie

Dass die rollenden Schwergewichte auch Fragen und Bedenken wecken, zeigte Ummendorfs Bürgermeister Heiko Graf vor Ort: „Was kommt bei den Bürgern an? Gibt es Risse in Kellern?“ Auch im ländlichen Raum ist Vorsicht geboten: Manche Pferdebesitzer bringen ihre Tiere während der Durchfahrt der Rüttelfahrzeuge vorsorglich in den Stall, um Unruhe durch die Bodenvibrationen zu vermeiden.

Staatssekretär Baumann konnte beruhigen und benannte klar die Haftung: Sollte es trotz strenger Überwachung nach DIN-Normen zu Erschütterungsschäden kommen, stehe das Land Baden-Württemberg dafür gerade. Für Anwohner und Grundstückseigentümer wurde begleitend zur Messkampagne ein eigens eingerichtetes Sorgentelefon geschaltet.

Zahlen und Fakten zur 2D-Seismik in Oberschwaben

  • Projektträger: Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) / Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.
  • Ziel: Geologische Erkundung tiefer Gesteinsschichten zur Vorbereitung CO₂-freier Tiefengeothermie und zum Schutz des Grundwassers.
  • Messnetz (84 km):
    • Trasse 1: Leutkirch – Bad Wurzach – Biberach
    • Trasse 2: Ochsenhausen – Aulendorf
    • Abzweig: Füramoos – Truilz
  • Messtechnik:
    • Vibro-Trucks: 22,8 Tonnen Einsatzgewicht, 475 PS Leistung.
    • Frequenzbereich: 6 bis 110 Hertz.
    • Sensoren: 8400 Geophone (alle 10 Meter am Wegesrand eingesteckt).
  • Bürgerservice: Eingerichtetes Sorgentelefon für Anwohner und Landwirte zur Klärung von Fragen und Regulierung eventueller Flur- oder Erschütterungsschäden.

Text und Fotos: Hans Reichert

Ausführliche Informationen zu den Messstrecken, Terminen, Hintergründen sowie Kontaktmöglichkeiten und die Anmeldung zum Newsletter finden Interessierte auf der offiziellen Projektwebsite unter: www.seismik-oberschwaben.de Den Zugang zu dieser Webseite haben wir auch unter dem roten Link-Balken in der rechten Spalte hinterlegt.

Unter dem roten Download-Balken haben wir den Info-Flyer des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) hinterlegt.

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veröffentlicht am
18.10.2026
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