Der Jugendgemeinderat zeigt am Mittwoch, 20. Mai, im Leutkircher Kino (Bachstraße) „Fack Ju Göhte 3“. Einlass ist ab 18.00 Uhr, Start um 18.30 Uhr.
veröffentlicht am: 17.05.2026
Autor: Julian Aicher
Lesedauer: ca. 4 Minuten
Leutkirch – Dienstagabend, 12. Mai im Sitzungssaal des Verwaltungsgebäude am Gänsbühl Leutkirch. Der Jugendgemeinderat kommt zusammen. Mit acht (von 15) stimmberechtigten Mitgliedern ist er beschlussfähig. Dabei befasst sich die gewählte Runde unter anderem mit einer Umfrage zum „Alltagsrassismus“ in Leutkirch. Außerdem heißt sie zwei Förderanträge an den Jugendfonds für gut – einen dritten lehnt sie ab.
Doch zunächst steht das „Jugendkino“ auf der Tagesordnung. „Da haben wir das Problem, das kaum welche kommen“, erläutert Sitzungsleiter Constantin Künst. Nämlich zur letzten Vorführung null. Was tun, dass sich das ändert – und wieder Dutzende in den Cine-Club an der Bachstraße strömen?
Vom Cine-Club-Mann Wolfgang Bietsch habe Künst erfahren, „dass wir keine Filme nehmen sollen, die älter als ein Jahr sind“. Neuere Titel „kommen richtig gut an“, bestätigt Jugendgemeinderätin Amelie Weilandt. Ob mehr oder weniger junge Leute den Vorführsaal bevölkern, „hängt auch vom Wetter ab“, vermutet Weilandt. Ihre Jugend-Gemeinderats-Kollegin Lucie Löffler erläutert: „Die meisten über sechzehn gehen nicht nach Leutkirch, sondern nach Memmingen.“ Also müsse vor allem das unter 16-jährige Publikum auf die Filmvorführungen in Leutkirch aufmerksam gemacht werden.
„Und die Werbung müssen wir wieder hochschrauben“, fordert Sitzungsleiter Constantin Künst. Diese sei dann auch „im eigenen Dunstkreis“ (zu) „streuen“. Dann mahnt Künst die anderen Jugendgemeinderats-Mitglieder an, selber zum Jugendkino zu gehen. Nächster Film: „Fack ju Göthe 3“ am Mittwoch, 20. Mai, im Cine-Club an der Bachstraße um 18.30 Uhr. Türöffnung: 18.00 Uhr.
Wie steht es um die Umfrage?
Betrifft: neue Umfrage. Schade findet es Sitzungsleiter Constantin Künst, dass die Arbeitsgruppe „Umfrage“ im Jugendgemeinderat noch nichts Neues berichtet. Dann macht Künst auf eine Umfrage des Jugendhauses unter dem Nachwuchs aufmerksam. Durchgeführt 2024. Dafür seien 1310 Schülerinnen und Schüler um Antworten gebeten worden. Sie dürfe daher als „repräsentativ“ gelten. Ausgeführt auf Papier – wegen des Datenschutzes. In jeweils zehn Minuten. Künst: „Wir geben eine komplette Darstellung“. Sie lasse sich bei ihm abrufen – auf 30 bis 40 Seiten.
„Mohr“ und mehr
Ziel jener Erhebung sei es gewesen, „einen datenbasierten, ganz konkreten Blick“ auf Haltungen von jungen Leuten in der Nibelstadt zu erhalten, sagt Constantin Künst. Thema: „Alltagsrassismus“. Da gebe es „rassistische Begriffe“ – teils auch „nicht beabsichtigt“ geäußert. Etwa „Kanake“, „Mohr“ oder „Zigeuner“. Manchmal ausgedrückt wegen des „psychosozialen Stress'“ derjenigen, die die Worte von sich geben. „Psychosozialer Dress“ etwa wegen schlechter Noten.
Genaueres dazu führt Rebekka Schmidt vom Jugendhaus aus. Demnach teilten 37 % der Befragen mit, „Alltagsrassismus“ begegne ihnen „manchmal“. 29 % nannten „selten“. 15 % „häufig“. 6 % „sehr häufig“. Etwa 24 % sahen sich mit „Alltagsrassismus“ „konfrontiert“. Die anderen erkannten dabei offenbar weniger ein Problem für sich selbst. „Aber 25 % schon“, hält Schmidt fest. 71 % bezeichnen „Alltagsrassismus“ als „relevant“ – und ebenso viele lehnen ihn ab.
Welches Wort ist nun „alltagsrassistisch“? Da bewertete etwa die Hälfte der um ihre Meinung Gebetenen das Wort „Zigeuner“ als „extrem rassistisch“. 44 % das Wort „Mohr“. Constantin Künst erklärt, dass vielen Befragten der „historische Hintergrund“ zu den Wörtern fehle. Künst: „Der Bildungshorizont spielt eine große Rolle.“ Er schließt daraus, „dass wir einen klaren Aufklärungsbedarf haben“.
„Was können wir jetzt tun?“ fragt Sitzungsleiter Constantin Künst anschließend. Rätin Lucie Löffler weist in diesem Zusammenhang auf die Gollowitsch-Patenschaft an der Realschule hin. Die Holz-Statue der von der Nazi-Herrschaft ermordeten jungen Jüdin aus Leutkirch schaffe „so einen richtigen Bezugspunkt“. Noch besser, wenn Schülerinnen und Schüler anderen Gleichaltrigen davon erzählen. Michl Mendler erwähnt dabei ein Gespräch mit der Gollowitsch-Stiftung. Constantin Künst regt eine „eigene Ausstellung“ an.
Förderungen
Gegen Sitzungsende entscheidet der Jugendgemeinderat über drei Förderanträge an den Jugendfonds. Einer von der Otl-Aicher-Realschule wegen eines „Willkommensgeschenks für die Fünftklässler“ wird abgelehnt. Ebenfalls in der Otl-Aicher-Realschule werden „Klassen“ (..) in Stufe 7 neu zusammengestellt“. Und die Geschwister-Scholl-Schule bereitet einen „Projekttag zur Unterstützung der sozial-emotionalen Entwicklung“ vor – auch „kreativ-aktiver Montag“ genannt. Diesen beiden Anträgen gewährt der Jugendgemeinderat je 500 Euro.
Zum Schluss: „Beim Grillplatz steht immer noch kein Mülleimer“, beklagt Constantin Künst. Die „Kinder-, Jugend- und Familienbeauftragte“ der Stadt, Maria Hönig, versichert, diese Behälter seien inzwischen in Leutkirch angekommen.
Am 16. Juni
Die nächste Jugendgemeinderatssitzung findet am Dienstag, 16. Juni, statt (18.00 Uhr, Sitzungssaal Verwaltungsgebäude am Gänsbühl)
JGR-Kino am 20. Mai
Nächste Jugendkino-Vorführung: „Fack ju Göhte 2“ Mittwoch, 20. Mai, 18.30 Uhr (Kino-Öffnung: 18.00 Uhr, Cine-Club, Bachstraße)