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Kißlegg und Fontanellato feierten 35 Jahre Partnerschaft

„In einer verrückt gewordenen Welt Vertrauen schaffen“

Foto: Ulli Stark
Deutsch-italienische Freundschaft: Zwischen Kißlegg und Fontanellato wird sie gelebt.
veröffentlicht am: 14.06.2026
Autor: Ulli Stark
Lesedauer: ca. 5 Minuten

Kißlegg – So belebt hat man das abendliche Strandbad wohl noch nie gesehen: Rund 500 Kisslegger waren am 13. Juni der Einladung der Deutsch-Italienischen Gesellschaft (DIG) zur „notte italiana“ gefolgt. Den Anlass boten 35 Jahre Partnerschaft mit dem bei Parma gelegenen Städtchen Fontanellato, die am Vorabend schon bei einem Empfang im Neuen Schloss gefeiert wurde.

Dank an „weitsichtige Pioniere“

„In einer verrückt gewordenen Welt Vertrauen schaffen“ ist laut Dieter Krattenmacher „wichtiger denn je“. Für Kißleggs Bürgermeister sähen immer mehr Menschen „ihre eigene Wahrheit als die einzige an“. Dass es jedoch „viele gleichberechtigte Wege“ gebe, das vermittle die langjährige Partnerschaft mit Fontanellato. Ins gleiche Horn stieß im voll besetzten Bankettsaal sein italienischer Amtskollege Luigi Spinazzi: Der Frieden sei heute in Frage gestellt wie noch nie. Umso dankbarer sei er den „weitsichtigen Pionieren“, die 1991 die Freundschaft begründet hätten“. Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg ist für ihn „die geistige Offenheit“, die sich im Wunsch nach Austausch und dem Teilen von Lebenserfahrungen äußerten.

Fontanellatos Stadtoberhaupt Luigi Spinazzi hatte diese Radierung als Geschenk fürs Kißlegger Rathaus mitgebracht.

Schon als Schüler bei der Gründung dabei

Zu diesen Pionieren darf sich Andrea Pasquali zählen, der die Aktivitäten in Fontanellato leitet. „Mit neun Jahren durfte ich als Schüler bei der feierlichen Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde dabei sein“. Das habe ihn geprägt. Seitdem gab es zwar einen Generationswechsel und vieles habe sich geändert, wie die Art zu fotografieren. Eines bleibe aber gleich: „Die echte Freude, sich zu sehen, Teil einer großen Familie zu sein.“ Sein Wunsch: „Pflegt das Erbe weiter, gebt Eure Leidenschaft an die Jugend Kißleggs und die Familien weiter.“ Laut dem DIG-Vorsitzenden Thilo Cristante sei man da „auf gutem, gemeinsamem Weg.“ Zwischen Fußballern und Musikern laufe der Austausch schon sehr erfreulich. Er wolle sich zukünftig um neue Formate und weitere Vereine bemühen.

Maria Grazia Tosi und ihr Bild „Sedimentazione“. Links Thilo Cristante, der es dankend entgegennehmen durfte.

Für ihre Gastgeschenke hatten die Italiener lokale Künstler bemüht: So erhielt die DIG ein Gemälde von Maria Grazia Tosi, dessen blaue Bäume auf rostbraunem Grund „atmendes Leben“ auf einer ewigen Basis symbolisieren. Die Radierung von André Beuchat für das Rathaus soll mit Gutenberg und Parmeggianino an deutsche und italienische Pioniere dieser Technik in der bildenden Kunst erinnern. Kostproben von Wein und Prosecco und natürlich Parmesankäse rundeten die Gaben ab. Von deutscher Seite gab es unter anderem für die Gästefamilien je ein Fässchen Kißlegger Kellerbier.

Verständigung klappt trotz der Sprachbarriere

Wie wichtig die Kommunikation für so eine Partnerschaft ist, verdeutlichte einmal mehr der Einsatz von Dolmetscherin Alessia Betatti, die souverän die Gesprächsrunde und den Austausch der Geschenke moderierte. Wobei sich Gäste und Gastfamilien auch mit einigen Brocken Deutsch und Italienisch, mit Englisch oder gar Körpersprache zu helfen wissen. Wie sich das Fotografieren verändert hat, so entwickelt sich obendrein die Verständigung weiter: Immer wieder war zu beobachten, wie ins Handy gesprochene Sätze dann als übersetzter Text aufgenommen wurden.

Einer der Pioniere des Brückenbaus zwischen Kißlegg und Fontanellato: Alfred Endres (li.), der als Kißlegger Bürgermeister die Partnerschaft 1991 angestoßen hatte (hier mit Alessia Betatti und Andrea Pasquali, heutige Brücken-Begeher).

Auch Melina und Stefano Trisciuzzi, ein italienisch-kolumbianisches Paar, bedienten sich fleißig dieser Methode. Beruflich viele Jahre auf See unterwegs, lässt die beiden die Neugier nicht los, andere Menschen und andere Kulturen kennenzulernen. Erstmals in Kißlegg fanden sie über alle Sprachbarrieren hinweg in Theresia und Walter Feiner auf Anhieb „wunderbare“ Gastgeber. Sohn Diego freut sich schon darauf, während des für 2027 geplanten Schüleraustauschs wieder bei ihnen unterzukommen. So kann es mit der Freundschaft zwischen Kißlegg und Fontanellato weitergehen – ganz im Sinne der Ambitionen von Andrea Pascuali und Thilo Cristante …

Blick in den rappelvollen Bankettsaal. Für Raimund Haser (li. neben Bürgermeister Krattenmacher) war es der erste offizielle Termin in Kißlegg als frischgebackener Staatssekretär.

Schon vor Beginn der Feier gab es einen regen Austausch.

Zum Festakt war das Schloss beflaggt.

Die Italiener kennen ihn als „affumicatore“: Der Smoker, der verlockende Düfte auch im Schloss verbreitete.

Die Jubiläumstorte von Balbina Müller fand bei Italienern wie Deutschen großen Zuspruch.

Beste Stimmung unter rund 500 Besuchern der „notte italiana“ im Strandbad.

An den Essensständen war Geduld gefragt.

Ehepaar Feiner mit den neu gewonnenen Freunden aus Fontanellato, Gemeinderätin Monika Dobler (re.) freut sich mit.

Bürgermeister (Sindaco) Luigi Spinazzi (re.) nutzte die „notte italiana“ zum Gedankenaustausch. Auch sein Kollege Dieter Krattenmacher mischte sich unter die Leute.

In Italien tragen die Bürgermeister bei offiziellen Anlässen Schärpen – hier ein Detail der Schärpe aus Fontanellato.

Text und Fotos: Ulli Stark

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Ulli Stark
veröffentlicht am
14.06.2026
Lesedauer: ca. 5 Minuten
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