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    Ausstellung in der Städtischen Galerie bietet Einblicke in die Kunstsammlung der Stadt

    Entdeckungen aus dem Kunstdepot

    Foto: Herbert Eichhorn
    Wie im Depot hängen die Bilder in der Ausstellung platzsparend eng nebeneinander an einer Gitterwand; Blickfang ist hier ein Rückenakt von Adolf Martin.
    veröffentlicht am: 05.05.2026
    Autor: Herbert Eichhorn
    Lesedauer: ca. 7 Minuten

    Isny – Nicht nur im Internet sind sogenannte Memes derzeit schwer angesagt, also die witzige Kombination von einem Bildmotiv mit einem kurzen Text. Wenn jetzt die Städtische Galerie im Schloss in einer Ausstellung eine Auswahl aus der Kunstsammlung der Stadt präsentiert, kommt unter anderem auch dieses Prinzip zum Einsatz.

    Einladung zu Dialog und Auseinandersetzung

    Über 50 Gemälde, Papierarbeiten und Plastiken hat Kuratorin Elisabeth Olberz für die aktuelle Ausstellung der Städtischen Galerie aus dem Depot geholt. Unter dem etwas sperrigen Titel „Szenografie eines Bestandes“ werden spannende Einblicke in den Kunstbesitz der Stadt Isny geboten. Im Jahr 2020 gab es schon einmal eine solche Ausstellung. „Spotlights. Einblicke in die Isnyer Kunstsammlung“ war seinerzeit das Motto. Während die Präsentation damals thematisch gegliedert war, ist diesmal die Zugangsweise eine eher spielerische. Die Besucher sind ausdrücklich zu Dialog und aktiver Auseinandersetzung mit den gezeigten Kunstwerken eingeladen. Wie das aussehen kann, dafür haben die Ausstellungsmacher schon einmal Beispiele vorgegeben: Neben ausgewählten Stücken hängen – befestigt mit neonfarbenem Klebeband – schon Kommentare oder ergänzende Texte. Nach und nach sollen die Beiträge der Besucher – für sie liegen entsprechende Karten bereit – dann ebenfalls neben den Exponaten angebracht und die Ausstellung dadurch sozusagen stetig weiterentwickelt werden.

    Neben den Ausstellungsstücken sind zum Teil bereits Kommentare etc. angebracht. Foto: Herbert Eichhorn

    Das passt ganz gut zu einer Sammlung, bei deren Zustandekommen in der Vergangenheit oft der Zufall eine Rolle spielte. Vor ein paar Jahren hat die Stadt nun allerdings eine Ankaufskommission berufen und sich auch ein Sammlungskonzept gegeben, nach dessen Vorgaben die Bestände künftig ergänzt werden sollen. In Zeiten knapper Kassen sind die Möglichkeiten dazu derzeit aber natürlich begrenzt. Auf alle Fälle gelangte das meiste, was jetzt in der Ausstellung zu sehen ist, durch Schenkung in den Besitz der Stadt.

    Hommage zum 30-Jahr-Jubiläum des Kulturforums

    Die Schau ist auch als eine Hommage gedacht zum Jubiläum des Kulturforums Isny. Der Verein, der sich als Plattform für Kultur und bürgerschaftliches Engagement versteht, initiiert, begleitet und fördert seit 30 Jahren das kulturelle Leben in der Stadt und in den Ortschaften. Das Kulturforum ist dabei auf vielen Feldern aktiv, unter anderem in der bildenden Kunst sowie im Musik- und Theaterbereich. Für die städtische Kunstsammlung hat der Verein zuletzt zum Beispiel ein professionelles Depot mit ermöglicht.

    Eine Keramik von Christa Cochius und Hoffmann von Fallerslebens „Die Gedanken sind frei“. Foto: Herbert Eichhorn

    Die Vielfalt der kulturellen Sparten, für die sich das Kunstforum engagiert, will auch die Konzeption der Ausstellung thematisieren. Auf den Bezug zur Literatur wird zum Beispiel angespielt, wenn einigen gezeigten Kunstwerken literarische Texte zugeordnet werden. Goethes Gedicht „Mai“ hat dabei ebenso seinen Auftritt wie Mörikes berühmtes Frühlingspoem „Er ist’s“ oder Hoffmann von Fallerslebens Lied „Die Gedanken sind frei“. Was den Bezug zur Musik angeht, so kommen die ausgewählten Zitate eher aus der Gegenwart. So wird etwa ein weiblicher Rückenakt von Adolf Martin durch eine Passage aus dem Song „Kiss me“ der US-amerikanischen Band „Sixpence None the Richer“ aus dem Jahr 1999 kommentiert. Auf den Bereich des Theaters wird schließlich verwiesen, wenn die Besucher sich aus einer Kiste Kleider und Utensilien nehmen, sich verkleiden und verkleidet fotografieren können.

    Porträts und allegorische Darstellungen aus der Barockzeit. Foto: Herbert Eichhorn

    Aus Barock und Biedermeier

    Die nun aus dem Depot ans Licht geholten Exponate stammen aus mehreren Jahrhunderten. Das hat natürlich mit der Geschichte der Sammlung zu tun. Die ersten Kunstwerke gelangten wohl 1733 in den Besitz der Stadt. Damals erwarben die Isnyer Ratsherren als erstes Haus des heutigen Rathauskomplexes das prachtvoll ausgestattete „Albrecht‘sche Haus“ und übernahmen wohl auch manches aus dessen Einrichtung. Aus dem 18. Jahrhundert kommen denn auch die frühesten Gemälde in der aktuellen Ausstellung. Da ist Allegorisches dabei, aber auch die beiden erzählerischen kleinen Doppelporträts aus der Bürgermeisterfamilie Eberz. Aus der Biedermeierzeit stammt das Bildnis eines Herrn Heinzelmann. Der guckt tatsächlich etwas ernst drein. Die Ausstellungsmacher ordnen ihm wohl deswegen den folgenden Gedanken zu: „Wenn ich erfahre, dass wir diesen Sonntag wieder bei der Schwiegermutter zu Mittag essen.“

    Die drei Papierarbeiten von Hermann Tiebert hängen ganz rechts an der Gitterwand. Foto: Herbert Eichhorn

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    Von Nazigrößen geschätzt und geschützt

    Auf das Depot, aus dem nun diese zweite Sammlungspräsentation bestückt wird, verweist in der Ausstellung das Metallgitter eines Bauzauns. Wie im Kunstmagazin sind hier die Bilder platzsparend und relativ dicht sowie ohne Rücksicht auf inhaltliche Zusammenhänge nebeneinander gehängt. An einer Wand hängt zum Beispiel Folgendes: zwei Porträts eines eleganten österreichischen Adligen aus der Barockzeit, ein Tulpenstillleben und schließlich drei Papierarbeiten von Hermann Tiebert. Mit solchen bäuerlichen Porträts erfreute sich Tiebert im Dritten Reich großer Beliebtheit. Selbst Adolf Hitler erwarb ein Gemälde von ihm. 1944 wurde der seit 1929 in Isny lebende Maler sogar in Joseph Goebbels‘ Liste der „Gottbegnadeten“ aufgenommen. In dieser waren diejenigen Künstler aufgeführt, die dem Regime besonders wichtig waren und daher unter besonderem Schutz standen. Neben Tieberts Werken fehlt in der Ausstellung bisher noch ein Kommentar. Kommt vielleicht noch. Eventuell hat ja ein Besucher eine Idee.

    Armin Gehret, „Erzählende Frauen“, 1987. Foto: Herbert Eichhorn

    Fridel Dethleffs-Edelmann

    Natürlich sind auch Isnyer Künstlerinnen und Künstler vertreten, die dem Publikum geläufiger sind, so zum Beispiel die Malerin Fridel Dethleffs-Edelmann, die in den 1950er-Jahren zu einer Schlüsselfigur der oberschwäbischen Kunstszene werden sollte. Von ihr sind fünf Arbeiten aus vier Jahrzehnten zu sehen. An den zwei frühen Blumenstillleben und den zwei späten Landschaften lässt sich so auch ihre stilistische Entwicklung nachverfolgen. Ihre Tochter, Ursula Dethleffs, ist mit einem ihrer schlanken Bildteppiche vertreten, für die sie in den 1970er-Jahren bekannt war. Auch über die Wiederbegegnung mit dem spöttischen Menschenbeobachter Armin Gehret freut man sich. Allzugern würde man erfahren, worüber die drei Lästermäuler in seiner Zeichnung „Erzählende Frauen“ sich gerade das Maul zerreißen.

    Gabriele Schnitzenhammer, „Die Fremde“, 1997. Foto: Herbert Eichhorn

    Kunst der Gegenwart

    Dann geht es aber in der Ausstellung in Richtung Gegenwart und zur Begegnung sozusagen mit bekannten Gesichtern: Ausgestellt sind einige Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus der Region, die hier im Schloss oder auch in der Galerie im Turm schon in Einzelausstellungen zu sehen waren. 2013 hat zum Beispiel die Bildhauerin Gabriele Schnitzenbaumer ihre Skulpturen in diesem Raum gezeigt. Sie ist in der städtischen Sammlung mit der eleganten, an afrikanische Kunst erinnernden Arbeit „Die Fremde“ vertreten. Von Barbara Ehrmann, die im vergangenen Jahr hier ihre Ausstellung „beyond“ hatte, ist ein typisches Werk zu sehen. Auch Zoé Hopf hat man noch in Erinnerung. Über den Jahreswechsel war ihr schlichter Christbaum ein Hingucker in der Weihnachtsausstellung der Städtischen Galerie. Wie bei dem jetzt präsentierten Werk aus der städtischen Sammlung handelte es sich auch da um einen schönen Eisenblaudruck (Cyanotypie) auf Leinwand.

    Barbara Ehrmann, „Überfahrt, In der Schwebe, Neuland“, 2021. Foto: Herbert Eichhorn

    Die aktuelle Ausstellung der Städtischen Galerie bietet tatsächlich eine recht anregende Mischung von Vertrautem, aber mehr noch von lange nicht mehr Gesehenem. Die Besucher sind nicht nur dazu eingeladen, diese bunte Vielfalt für sich zu entdecken, sondern sich auch auf einen Dialog mit ihr einzulassen. Und auf die Kunstwerke zu reagieren, sei’s nun mit einem passenden Song oder literarischen Text beziehungsweise mit einem ernsten oder – Stichwort Memes – mit einem schrägen Kommentar. Bleibt zu hoffen, dass sich möglichst viele auf diese Einladung einlassen.
    Herbert Eichhorn

    In unserer Galerie gibt es weitere Bilder aus der Ausstellung. Fotos: Herbert Eichhorn

    Ausstellung „Szenografie eines Bestandes – Die Kunstsammlung Isny neu erzählt“

    Noch bis 14. Juni 2026
    Städtische Galerie im Schloss Isny
    Montag, Donnerstag und Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr
    Samstag, Sonntag und Feiertag 10.00 bis 17.00 Uhr

    Weitere Informationen unter www.schloss-isny.de

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    Herbert Eichhorn
    veröffentlicht am
    05.05.2026
    Lesedauer: ca. 7 Minuten
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