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Modellbaufliegerei kann faszinieren und ist ein aufwendiges Hobby. 25 aktive Flieger gibt es bei der Modellbaugruppe in Biberach, die gern auf dem „Spielberg“ starten würden.

Oberstetten – Der Name klingt nach Amüsement, aber das täuscht. Der „Spielberg“ ist Konfliktzone. Es geht dabei um die immerwährende Frage, wo, wie und wozu nutzt man die Natur? Und was tun, wenn die Interessen unterschiedlich sind? Die einen wollen Ruhe und Entspannung, die anderen wollen Action und Nervenkitzel. Was nicht zusammenpasst, sorgt für Ärger in Oberstetten, ein Teilort in der Gemeinde Erlenmoos bei Ochsenhausen gelegen. Dabei fragen sich viele BürgerInnen, wer spielt eigentlich mit wem? Denn die involvierten Ämter geben dabei Rätsel auf. Eine Spielanalyse.

Es ist ruhig, wirklich ruhig, fast schon still. Der „Spielberg“ scheint zu schlafen. Die Äcker sind abgeerntet und die Wiesen gemäht. Kein Krach stört an diesem güldenen Herbsttag das Naturempfinden. Anders im Frühling, dann Trillern hier die Lerchen, erzählt Rolf Kunzmann und schwärmt von der Idylle vor seiner Haustüre. Der pensionierte Förster lebt in seinem Holzhaus in Oberstetten und genießt den „Spielberg“ für Leib und Seele. Für den geübten Bergwanderer ist der „Spielberg“ freilich keine Herausforderung, denn der Berg ist nur eine flache Anhöhe (658 Meter hoch), wo Mutter mit Kind und Oma und Opa mit dem Enkelkind trödeln können, der Hund seinen Auslauf hat, und der Jogger seine Kilometer machen kann. Der Blick reicht bis zum Wald, die Traktoren sieht man von weitem, sonst gibt es keinen Verkehr. Der „Spielberg“, ein alter Flurname, lädt zur Muße ein. Und zur Muse fehlt eigentlich nur noch Bräckle, der oberschwäbische Landschaftsmaler, mit seiner Staffelei.

Freilich, Jakob Bräckle ist schon fast 40 Jahre tot. Aber das Motiv hätte ihn sicherlich inspiriert. Ein grüner quadratischer Container steht mitten in der aufgeräumten Landschaft. Hier spielt das Alternativprogramm, wenn es nach dem Modellbauverein aus Biberach geht. Der Container markiert den Standort, wo schon im nächsten Frühjahr nicht mehr die Lerchen, sondern die Modellflieger den Ton angeben wollen und wo anstelle des Containers eine viel größere Vereinshütte Platz bekommen soll. Und zum Entsetzen der meisten Oberstetter winkt die Modellbaugruppe Biberach bereits mit einer Genehmigung zum Fliegen auf dem „Spielberg“, erteilt von der Luftfahrtbehörde in Stuttgart. Zum Bau der gewünschten Vereinshütte gibt es aber noch keine Genehmigung, weil der Antrag vom Verein zurückgezogen wurde, um den Räten Zeit zu geben, sich mit der Materie vertraut zu machen, so die noble Erklärung. Also gibt es bisher vom Erlenmooser Gemeinderat kein Einverständnis zum Bauvorhaben des Vereins und folglich auch keine Baugenehmigung vom Landratsamt. Aber der Antrag lauert in der Schublade, er soll bis zur nächsten Gemeinderatssitzung im November wieder auf den Tisch, erklärt Lothar Scheffold, Vorsitzender des Flugvereins. Dazu später mehr, jetzt soll zunächst geklärt werden, warum der Biberacher Modellbauverein partout vom „Spielberg“ starten und dort wieder landen will.

BürgerInnen von Oberstetten vor Ort auf dem „Spielberg“, wo der Modellflugplatz bereits genehmigt ist, wogegen sie protestieren. Von hier aus sind es laut Plan 830 Meter bis zu ihrem Dorf. Foto: Andrea Reck

Den Verein gibt es schon seit fast 60 Jahren, weshalb unter den 70 Mitgliedern auch viele Senioren seien, aber auch sechs Jugendliche, erklärt Lothar Scheffold, Lehrer und Vorsitzender des Vereins, und ergänzt, dass etwa 25 aktiv fliegen würden. Dazu holen sie ihre selbst konstruierten Flieger vom Doppeldecker bis zum Düsenjäger aus der Garage, selbst ein Hubschrauber ist dabei, und erfreuen sich an Technik und Flugkunst, die sich im Radius von 500 Metern abspielt. Dass das Geschehen präzise nach Vorschrift und Plan verläuft, kann man den Technikfreaks ruhig glauben. Chaos wäre fehl am Platze. Das und Vieles mehr erklärte der Vereinsvorstand den Oberstettern bei einer Infoveranstaltung am 8. Oktober im Schützenhaus. Von den etwa 390 Einwohnern kamen rund 100 Personen, lauschten den werbenden Worten und waren meist „not amused“. Einer davon ist Rolf Kunzmann, der einstige Kreisrat betont aber, dass der Streit um den „Spielberg“ nicht zur Spaltung im Dorf beitragen solle. Doch seine Position ist klar: Keine Flieger auf dem „Spielberg“! Bei dem Gedanken sträuben sich dem Naturschützer die Haare. Es gehe um einen wertvollen Naturraum, wo mit Lerchen, Milanen und sogar Schwarzstörchen in näherer Umgebung streng geschützte Vögel vorkämen.

Kann man einem Förster (im Ruhestand) glauben? Denn wenn seine Beobachtungen stimmen, dann stellt sich zwingend die Frage, wie eine Behörde in Stuttgart eine Genehmigung für einen Modellflugplatz auf einem solch sensiblen Terrain erteilen kann? Und wo bleibt die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt mit ihrer lokalen Expertise? Auf Nachfrage ergibt sich folgendes Bild: Die Landesluftfahrtbehörde beruft sich auf ein Gutachten, das der Modellbauverein mit seinem Genehmigungsantrag vorgelegt hatte. Dabei handelte es sich um ein Gutachten, das vom Dachverband der Modellflieger, dem Deutschen Modellfliegerverband, seinem Biberacher Verbandsmitglied an die Hand gegeben wurde. Was der Verein so bestätigt. Es habe sich um einen „vereidigten Gutachter“ gehandelt. Die Stuttgarter Genehmigungsbehörde nahm es zur Kenntnis und fragte beim Biberacher Landratsamt, der Behörde vor Ort, nach deren fachlichen Bewertung des Antrags. Die Zustimmung erfolgte prompt. Und auf welcher Basis? Auf Basis des selben Verbandsgutachtens, lässt der Pressesprecher wissen. Und so ging im Hitzesommer, am 10. Juli 2026, der Wunsch der Modellflieger endlich in Erfüllung: eine Alternative zu ihrem bisherigen Standort, der zwischen Äpfingen und Schemmerhofen gelegen der Wiedervernässung weichen muss, gefunden zu haben. 

Bis dahin lief alles geräuschlos. Nun aber kommen die Gemeinde und das Landratsamt direkt ins Spiel, weil es um einen Bauantrag für eine Vereinshütte auf dem Flugplatz (1,4 Hektar) geht mit einem Zaun drumrum. Zuständige Behörde ist das Landratsamt in Biberach in Abstimmung mit der Gemeinde Erlenmoos. In Oberstetten ist man nach den Sommerferien aufgewacht und hat sich „formiert statt informiert“, kritisiert der Vereinsvorsitzende die zahlreiche Ablehnung des Projekts. Dokumentiert mit über 100 Unterschriften in einem Ort mit 390 Einwohnern. Das hat Gewicht, denn welcher Bürgermeister mit seinem Gemeinderat verscherzt es sich mit einer ganzen Ortschaft? „Wir vertreten die Interessen unserer Bürger“, lässt Bürgermeister Marcus Schmid den Journalisten wissen und geht bei der Gemeinderatssitzung am 20. Oktober unter „Verschiedenes“ auf Distanz zu den noch ruhenden Bauplänen, was nach Auskunft Dritter auch schon anders war. 

Lothar Scheffold und sein Modell. Der Lehrer ist Vereinsvorsitzender und will mit seinem Hobby auch Jugendliche begeistern. Fotos: Verein

Neben BürgerInnen aus Oberstetten zeigten auch einige Vereinsmitglieder Präsenz bei der Gemeinderatssitzung und hatten danach Erklärungsbedürfnis im Gespräch mit der Presse. Sie bräuchten zwingend die Vereinshütte, erklärt Lothar Scheffold, dem als Lehrer die Jugendarbeit besonders am Herzen liegt. Aber ohne Hütte und ohne Akzeptanz von den Dorfbewohnern mache es keinen Sinn, es gehe nur gemeinsam, wirbt er. „Da wird niemand gefährdet“, erklärt er. Jedes Flugzeug sei registriert. „Wir sind kein wilder Haufen, der wild rumfliegt.“ Man würde Sicherheitsabstände selbstverständlich einhalten und die Flugzeiten bis 22 Uhr auch sonn- und feiertags würden in der Praxis nicht ausgeschöpft. Alles halb so wild, beruhigt Scheffold. 

Das sieht Karl Langlouis ganz anders. Der Naturschutzbeauftragte des Landkreises und pensionierte Förster wurde noch vor seinem Urlaub um Stellungnahme für die „Errichtung einer Vereinshütte mit Sicherheitszaun“ gebeten. Zurück aus dem Urlaub gibt er Auskunft und sein Fazit lautet: „Das Betreiben eines Modellflugplatzes an dieser Stelle ist aus naturschutzrechtlicher Sicht auf keinen Fall möglich.“ Auch er nennt die geschützten Vögel: Schwarzstorch, Roter Milan, Feldlerche. Weiter kritisiert er, dass die vorgesehene Fläche nicht über eine öffentliche Straße erreichbar ist, wodurch die Zufahrt über die Feldflur (1,5 km) eine starke Beeinträchtigung der freien Naturlandschaft mit sich brächte. „Auch der Baukörper mit den Ausmaßen eines Einfamilienhauses ist ein starker Eingriff in diese exponierte Landschaft und ist ohne Privilegierung nicht vertretbar.“ Schlussendlich meint der Fachmann: „Es handelt sich hier um eine reine Freizeitnutzung eines beschränkten Personenkreises. Öffentliche Belange haben hier gegenüber privaten Interessen absoluten Vorrang.“

Ob es so kommt, bleibt abzuwarten. Der „Spielberg“ bleibt Konfliktzone bei der Frage, wie und wozu nutzt der Mensch die Natur?

Autor: Roland Reck


erschienen in November 2026

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