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Zum Leidwesen von Allergikern verlängert sich auch der Zeitraum ihrer Qualen.

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus. Wenn sie nicht schon längst ausgeschlagen haben … 

Nicht nur Allergiker leiden darunter, dass viele Pflanzen immer früher im Jahr blühen. Daher wird darüber auch viel geforscht. Phänologen heißen die Wissenschaftler, die erfassen,  wann in den einzelnen Jahren der Blattaustrieb, die Blüte oder Fruchtbildung bestimmter Zeigerpflanzen einsetzte oder wann sich die Blätter der Laubbäume färbten oder abfielen. Die erste phänologische Beobachtungsreihe wurde bereits im Jahr 705 zusammengestellt. Experten des kaiserlichen Hofes in Japan untersuchten über viele Jahre die Eintrittsdaten der jährlichen Kirschblüte in Kyoto.

Die phänologischen Phasen hängen wesentlich von der Temperaturentwicklung und der Wasserversorgung in den entsprechenden Jahren ab. Die gesammelten Daten sind daher gute Indikatoren, wie die Klimaveränderung auf die Vegetation wirkt. Die auf der Homepage des Umweltbundesamtes veröffentlichten Zeitreihen umfassen bis zu sieben Jahrzehnte. Ein ganz eindeutiger Trend: Die Dauer der Vegetationsperiode, also die Zeit des Jahres, in der Pflanzen wachsen, blühen und Früchte tragen, nahm in Deutschland seit 1961 im Mittel um mehr als 26 Tage zu. Sie erreichte 2024 mit rund 248 Tagen ein neues Maximum. 

Der Start der Vegetationsperiode wird im Vorfrühling angezeigt durch den Blühbeginn des Huflattichs. Das Ende zeigt im Spätherbst der beginnende Blattfall der Stieleiche an. Trotz witterungsbedingter Schwankungen von Jahr zu Jahr sind die Trends eindeutig. Genau registriert werden zur Datierung des phänologischen Vorfrühlings auch Schneeglöckchen und Salweide. 

Und frühzeitiges Blühen erhöht die Gefahr von Frostschäden.

Neben diesen so genannten Zeigerarten belegen auch der frühere Blattaustrieb von Waldbäumen oder das Ährenschieben von Getreide die Zeitverschiebungen. Auch der  Beginn der Apfelblüte weist auf das zeitigere Eintreten des Vollfrühlings hin. Für den Beginn des Hochsommers gilt laut der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel, die Ende 2024 von der Bundesregierung verabschiedet wurde, der Blühbeginn der Sommerlinde. Den Beginn des Frühherbstes markieren die ersten reifen Früchte beim Schwarzen Holunder.

Auch die Tierbestände geht das an. So reagieren etwa bestimmte Vogelarten mit erhöhtem Bruterfolg infolge kürzerer Winter. Andere hingegen werden beeinträchtigt, weil etwa die Phasen erhöhten Futterbedarfs während der Brut nicht mehr mit einem hohen Nahrungsangebot an bestimmten Pflanzen oder Insekten zusammenfallen. Ähnliches gilt  für das Auftreten von Blüten und spezialisierten Bestäubern bei Pflanzen oder in Räuber-Beute-Systemen bei Tieren. Das kann sich drastisch auf die Bestandsentwicklung bestimmter Arten auswirken.

Viele Faktoren spielen mit: In Städten beginnt der Frühling früher und der Herbst später als auf dem Land – in Großstädten auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde ist die Vegetationsperiode länger als im Umland. Das rührt nicht nur von den durch Bauwerke
 gespeicherten höheren Temperaturen, sondern vor allem von den künstlichen Lichtern. Künstliche Beleuchtung und städtische Wärmeinseln verlängern demnach die Vegetationsperiode von Pflanzen um etwa drei Wochen. Eine internationale Forschungsgruppe, zu der Wissenschaftler vom Forschungsverbund ‘Verlust der Nacht’ gehören, analysierte Satellitendaten von 428 Städten, darunter über 15 deutsche, auf der Nordhalbkugel über einen Zeitraum von sieben Jahren. Die Ergebnisse waren eindeutig: In Städten beginnt die Vegetationszeit im Schnitt 12,6 Tage früher als im Umland und endet 11,2 Tage später. Stadt-Bäume bleiben deutlich länger „wach“ als ihre Verwandten auf dem Land. 

Vollfrühling oder Frühsommer? 

Im Mai befinden wir uns zwischen Vollfrühling und Frühsommer. Was blüht da schon (oder wegen der Klimaveränderung noch) in den Gärten? Natürlich die Maiglöckchen aber auch die anspruchslosen Gänseblümchen. Auffälliger in Szene setzen sich Hortensien mit ihren großen, ballförmigen Blüten. Und der knallrote Klatschmohn. Ranukeln blühen in allen Farben. Nicht nur auf Wiesen und Weiden leuchtet gelb der Scharfe Hahnenfuß, auch bekannt als Butterblume. Stiefmütterchen sind sehr beliebt im Frühlingsgarten, da sie eine breite Palette an Farben bieten und auch kühleres Wetter gut vertragen. Romantiker pflanzen Tränende Herzen in ihre Beete, wer’s exotischer mag, freut sich über Zierlauch mit seinen beeindruckenden Blütenbällen. 

Eine Bauernregel gilt wohl noch immer: Erst Mitte Mai ist der Winter vorbei. Die Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Kalte Sophie liegen dieses Jahr zwischen dem 11. und 15. Mai. Und auch darauf ist wohl Verlass: Mairegen auf die Saaten, dann regnet es Dukaten.

Autorin: Andrea Reck


erschienen in Mai 2026

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