
Riedlingen – Es ging bereits heiß her in diesem Jahr. Und die nächste Hitzewelle rollt bereits heran. Da verfallen viele Menschen sofort in den Faultier-Modus und verschanzen sich nach Möglichkeit in der kühlen Wohnung. Dabei ist Sport gerade bei hohen Temperaturen ein absoluter Fitness-Booster. Warum Wärme das Training sogar verbessern kann, weshalb Funktionskleidung besser kühlt als nackte Haut und wie Sport Körper und Wohlbefinden gleichermaßen stärkt, erklärt Professorin Angela Teichert von der SRH Fernhochschule The Mobile University in Riedlingen.
Entscheidend ist vor allem, das Training an die äußeren Bedingungen anzupassen. Die Sportwissenschaft empfiehlt, körperliche Belastungen möglichst in die frühen Morgen- oder Abendstunden zu verlegen. Ausreichendes Trinken vor, während und nach dem Sport ist genauso wichtig, wie kurze Erholungspausen im Schatten. Helle, atmungsaktive Kleidung, eine leichte Kopfbedeckung, Sonnencreme und gegebenenfalls das Kühlen der Handgelenke helfen zusätzlich dabei, den Kreislauf zu entlasten.
Ab eines gewissen Pegelstandes des Quecksilbers ist der gesundheitliche Nutzen von Sport im Sommer aber tatsächlich buchstäblich dahingeschmolzen. Als Faustregel gilt: Ab Temperaturen von etwa 30 bis 35 Grad sollte die Trainingsintensität angepasst werden. Treten Schwindel, Kopfschmerzen oder andere Anzeichen einer Überhitzung auf, sollte das Training sofort beendet, die Hitze verlassen und der Körper langsam (!) heruntergekühlt werden. Nach dem Sport empfiehlt Teichert deshalb auch keine eiskalte Dusche, sondern lauwarmes Wasser. Weil große Temperaturunterschiede belasten den Kreislauf zusätzlich.

Ein der Temperatur angepasstes Konzept ist der Schlüssel zum Sommertraining, erklärt die Fitnesstrainerin Angela Teichert von der SRH Fernhochschule. Doch am besten nicht direkt mit einem häufig verbreiteten Irrtum starten und sich sofort das Sportshirt ausziehen, wenn der Schweiß zu rinnen beginnt. Ein Phänomen, dem man häufig begegnet und das vor allem Männer betrifft. Denn das scheint das naheliegendste Mittel zu sein, um sich kurzfristig Kühlung zu verschaffen. Doch was angenehm wirken mag, ist aus sportwissenschaftlicher Sicht keine gute Idee. Denn die natürliche Kühlung unseres Körpers funktioniert anders, als viele vermuten. Schweiß kühlt den Körper nicht dadurch, dass er auf der Haut liegt, sondern indem er verdunstet. Ein leichtes, lockeres und atmungsaktives Funktionsshirt nimmt den Schweiß auf, verteilt ihn über eine größere Fläche und unterstützt so die Verdunstungskühlung. Tropft der Schweiß dagegen direkt von der nackten Haut ab, geht ein Teil dieses natürlichen Kühleffekts verloren.
Leistungssportler nutzen gezieltes Training bei hohen Temperaturen seit Jahren, um zusätzliche Trainingsreize zu setzen. Das gilt auch für Freizeitsportler, vorausgesetzt sie bringen eine solide Trainingsbasis mit und passen ihr Trainingsverhalten den äußeren Bedingungen an. Unser Körper kann lernen, mit Hitze besser umzugehen. Dafür braucht er allerdings Zeit, um sich anzupassen. Wer regelmäßig trainiert, ausreichend trinkt und sein Pensum schrittweise steigert, schützt seinen Organismus vor Dehydration und kann auch an warmen Tagen sinnvoll Sport treiben.
Dr. Angela Teichert ist Sportmentaltrainerin, ausgebildete Fitnesstrainerin und hält eine Professur für Soziale Arbeit an der SRH Fernhochschule.
Das Training in die Morgen- oder Abendstunden zu verlagern, ist schon einmal eine gute Idee.
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