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Wiederverwertung beim zirkulären Bauen spart CO2 und Kosten.

Abfall vermeiden und Klima schützen: Statt bestehende Gebäude komplett abzureißen, lohnt es sich zu prüfen, was wiederverwertbar ist. Sogenanntes Zirkuläres Bauen spart außer CO₂ auch Kosten. 

Zirkuläres Bauen setzt die drei Ansätze der Kreislaufwirtschaft um: Kreisläufe schließen (Beseitigung vermeiden), Kreisläufe verengen (Verwertung – Recycling – Wiederverwendung) und Kreisläufe verlangsamen (Nutzungsdauer verlängern). Dadurch werden Abfallaufkommen und Energieverbrauch verringert und die Ressourcensicherung erhöht. Im weiteren Sinne versteht man laut dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg unter Zirkulärem Bauen die Errichtung, Nutzung und Wiederverwendung von Gebäuden, Flächen und Infrastrukturen, ohne unnötig natürliche Ressourcen abzubauen und Ökosysteme zu beeinträchtigen. 

Im Umwelt- und Energieministerium Baden-Württemberg in Stuttgart kümmert sich auch der gebürtige Bad Waldseer Daniel Laux mit seinen Kollegen um eine nachhaltige Form des Bauens. Der 51-jährige promovierte Bauingenieur ist zuständig für „Kreislaufwirtschaft: Infrastruktur, biogene Wertstoffe, Baustoff-Recycling“. Laut Laux verursacht der Bausektor mehr als zehn Prozent der globalen CO₂-Emissionen. Im Lebenszyklus eines Gebäudes entfallen 20 bis 50 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgase allein auf das Gewinnen von Rohstoffen, auf Herstellung, Transport, Bau und Abriss – die sogenannte „graue Energie“. In Deutschland werden jährlich  rund 585 Millionen Tonnen mineralischer Baustoffe verbraucht, alleine in Baden-Württemberg rund 95 Millionen. Dabei sind Beton, Ziegel, Sand, Stein oder Kies aber jetzt schon mitunter rar. Auf der anderen Seite gibt es einen Bestand von 22 Millionen Gebäuden in Deutschland, allein rund 2,5 Millionen im Land – vom Einfamilienhaus über das Bürogebäude bis hin zu Fabriken, Schulen oder Krankenhäusern, auf deren Rohstoffe man bei Abriss zurückgreifen könnte. 

Wenn man Ressourcen sparen, Abfall vermeiden und Klima schützen will, muss man zirkulär bauen. Zuallererst gelte es, Gebäude zu erhalten, sprich sanieren und ausbauen statt Neubau, so Laux. Wenn jedoch abgerissen wird, dann sollte möglichst viel in den Kreislauf zurückgeführt werden. Beim „ressourcenschonenden Design“ schließlich kommt es auf den Anfang an – und auf intelligente Planung. Die gewählten Baumaterialien – ob für Neubau oder Sanierung – sollten langlebig und flexibel nutzbar sein, vor allem aber rückbau- und wiederverwendbar. Materialien also, die geschraubt statt verklebt sind, sortenrein und ohne Schadstoffe, standardisiert und gut dokumentiert, so dass man später noch weiß, was wo verbaut wurde. Das gilt ebenso für das „Serielle Bauen“, bei dem ganze Wände oder Elemente in der Fabrik vorgefertigt und erst auf der Baustelle montiert werden. Sein Ministerium, so Laux, treibe zirkuläres Bauen unter anderem mit Förderprogrammen voran, unterstütze Forschungsprojekte und stehe im Austausch mit anderen öffentlichen Einrichtungen sowie Unternehmen. Broschüren, Leitfäden und Veranstaltungen sollen die Öffentlichkeit informieren und sensibilisieren. 

„Ich bin ein Treibgut-Verwender“

In der Bauindustrie und bei den Bauherren ist die Akzeptanz des zirkulären Bauens, bedingt durch die geringe Markterprobung und das fehlende Wissen, noch begrenzt, bedauern Architekten. Etwa der in Fischbach lebende Architekt  Alexander Eichner. Er hat gleich am ersten Qualifizierungsprogramm Zirkuläres Bauen der Architektenkammer in Stuttgart teilgenommen, das sich über ein Jahr erstreckte. Im Gespräch mit BLIX bedauert er, dass wir uns seit dreißig Jahren zwar in vielen Bereichen um Recycling bemühen, das Prinzip der Kreislaufwirtschaft beim Bauen aber noch nicht ausreichend angekommen sei. Zunächst definiert er die Begrifflichkeiten für den zirkulären Gedanken. Wiederverwenden bedeutet Material für den gleichen Zweck einzusetzen, beim Weiterverwenden wird es einem anderen Zweck zugeführt. Recycling hingegen ist nur eine letzte Möglichkeit, das Material nicht der Müllentsorgung (Deponie / Verbrennung) zuzuführen. Es gibt in der Bauordnung keine Regelung für gebrauchtes Baumaterial. Verwendung finden hier nur neue, zertifizierte Baustoffe. Es sei denn, Bauherr oder Bauherrin verzichten auf neue Baustoffe und übernehmen die Verantwortung, haben dann aber keinen Haftungsanspruch. Das sieht Eichner als eine der Fußangeln, weshalb wir lieber noch alles wegwerfen. „Wenn ich ein funktionierendes Fenster ausbaue und nicht auf dem eigenen  Grundstück wieder verwende, ist es rechtlich gesehen Müll und unterliegt der Abfallverordnung“, erklärt er. Bei der Planung müsse man zu allererst überlegen, ob man zirkulär baut oder nicht und dafür eine Kosten-Nutzen-Analyse aufstellen. Der Work-Flow sei ein ganz anderer, weiß der Architekt und spricht von einer logistischen Herausforderung. Man muss Spender-Gebäude suchen, Material kaufen und lagern. Dass es funktioniert, zeigen die Schweizer schon seit längerem, wogegen in Deutschland nach dem Krieg soviel weggerissen und zerstört wurde, dass seitdem die „Abbruchkultur“ die Regel ist. „Nicht automatisch die Hütte abreißen!“, mahnt Eichner, „lieber auf Herz und Nieren prüfen, was noch brauchbar ist und keine graue Energie freisetzen. Dazu gehören neben den Herstellungskosten der Baustoffe auch Transport- und Entsorgungskosten“. Der 55-jährige gebürtige Münchner bezeichnet sich selbst als „Treibgutverwender“, was ja eigentlich der traditionalistisch-schwäbischen Mentalität entspricht, zu sparen und nicht wegzuwerfen. „Aber wir werfen noch viel zu viel weg!“. Dabei könne man von der grauen Energie sogar zur Wertschätzung der „goldenen Energie“ kommen und durch Bestandserhalt nicht nur materielle sondern auch immaterielle Werte bewahren und weiterentwickeln. 

Unter  www.asp-architekten.de lässt sich kostenlos die vom der Stuttgarter asp Architekten GmbH erstellte Broschüre „Zirkuläres Bauen in der Praxis“ herunterladen. Von der Landesanstalt für Umwelt  www.lubw.de ist erhältlich „Zirkuläres Bauen erfolgreich umsetzen. Ein praxisnaher Leitfaden für Entscheidungstragende, Bauverantwortliche und Planende.“ 

Weitere Infos: Bundesstiftung Baukultur: www.goldeneenergie.de, digitale Netzwerkplattform rund um nachhaltiges Bauen:  www.dgnb.de 

Autorin: Andrea Reck


erschienen in August/September 2026

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