
Selten hat eine Genre-Parodie so schamlos mit dem eigenen Verfall geflirtet wie diese: Jane Schoenbrun, verantwortlich für die morbide Coming-of-Age-Fabel „I Saw the TV Glow“, nimmt sich des ausgelutschten Camp-Slashers an und macht daraus eine blutige, komische und zutiefst persönliche Reflexion über Begehren, Nostalgie und das eigene Genre. Für dieses Wagnis gab es in Cannes einen Preis. Ab dem 20. August 2026 läuft der Film „Teenage Sex and Death at Camp Miasma” in den deutschen Kinos.
Kris, eine ambitionierte queere Regisseurin Ende zwanzig, wird engagiert, um das seit Jahren finanziell schwächelnde Franchise Camp Miasma wiederzubeleben. Ihre Recherche führt sie zu Billy, der einstigen Hauptdarstellerin des Originalfilms, die sich seit Jahrzehnten zurückgezogen auf dem echten Gelände jenes Sommercamps verschanzt hat, in dem einst gedreht wurde. Aus der Begegnung der beiden Frauen entwickelt sich eine Anziehung, die zwischen Verehrung, Besessenheit und aufkeimendem Begehren oszilliert, während die Grenze zwischen dem fiktiven Camp und der Wirklichkeit zunehmend verschwimmt. Mehr sei zur Handlung nicht verraten, außer dass Schoenbrun das titelgebende Versprechen von Sex und Tod gnadenlos wörtlich nimmt und dabei nie den analytischen Blick auf das eigene Genre verliert.
Produziert wurde der Film von Plan B unter Dede Gardner und Jeremy Kleiner, finanziert und weltweit vertrieben von Mubi, das ihn auch hierzulande in die Kinos bringt. Die Kamera führte Eric Yue, dessen Bildsprache zwischen körnigem VHS-Pastiche und satter, fast halluzinatorischer Farbigkeit changiert und damit sowohl die Ästhetik der fiktiven Achtziger-Originale zitiert als auch bricht. Der Schnitt von Graham Mason hält dieses Wechselspiel aus Zeitebenen und Bewusstseinszuständen bemerkenswert stringent zusammen, während Alex G einen Score beisteuert, der zwischen Synth-Nostalgie und beklemmender Dissonanz pendelt und dem Film seine schwüle, halb ironische, halb aufrichtige Atmosphäre verleiht. Getragen wird das Ganze von einem hochkarätigen Ensemble um Hannah Einbinder und Gillian Anderson, flankiert von Amanda Fix, Arthur Conti, Eva Victor, Zach Cherry, Sarah Sherman und Patrick Fischler.

Die internationale Kritik reagierte nach der Cannes-Premiere überaus wohlwollend. Gewürdigt wird vor allem die formale Konsequenz, mit der Schoenbrun das Slasher-Genre gegen den Strich bürstet, ohne dessen blutige Lust am Schauwert zu verraten. Besonders hervorgehoben wird, wie unaufgeregt der Film Fragen von Begehren, Körperlichkeit und Transidentität in das Vokabular des Camp-Horrors übersetzt, ohne dabei belehrend zu wirken.
Ein Film, der sich der Zutaten seines Genres schamlos bedient und sie zugleich radikal neu befragt. Handwerklich souverän, thematisch mutig – wer bereit ist, sich auf die Schlingpflanzen dieser Erzählung einzulassen, wird reich belohnt. TV-Veteran Gillian Anderson liefert hier eine ihrer besten Performances. Nicht jede Szene zündet gleichermaßen, die zweite Akthälfte verlangt Geduld, doch als Ganzes ist dies das seltene Beispiel eines Genrefilms, der sein Publikum weder unter- noch überfordert. Sehenswert.
Autor: Christian Oita
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Neu im Kino: Teenage Sex and Death at Camp Miasma






