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Schlafen und Frühstücken mit Oma im Freien.

Oma und Opa werden oft gebraucht, wenn Lücken bei der Kinderbetreuung zu stopfen sind. Viel wichtiger jedoch ist für Enkel, dass sie meist entspannter sind als die Eltern und auch mal Quatsch machen können.

Nach Zahlen des Deutschen Zentrums für Altersfragen betreut jedes vierte Großelternpaar in Deutschland die Enkel regelmäßig. Sporadisch helfen mehr als die Hälfte aller Großeltern aus. Das Deutsche Jugendinstitut in München kommt zu dem Schluss, dass Oma und Opa nach Eltern und Erziehern im Kindergarten die wichtigsten Betreuungspersonen für Kinder unter sechs Jahren sind.

Dies nicht zuletzt, weil heute viel mehr Frauen arbeiten als noch in den 1950er bis 70er Jahren, der Kinder- und Jugendzeit heutiger Großeltern. Die neue Generation der Großeltern ist fit, aktiv und oft noch im Berufsleben. Sie jongliert zwischen Enkelhüten, Karriere, Pflege der eigenen Eltern, langen Wohnmobil-Reisen und der Pilgerwanderung nach Santiago. Die Boomer-Großeltern-Generation ist anders – aktiver, gesünder, aber auch eingespannter als Generationen zuvor.

Berufstätige Eltern, die um Betreuungsplätze für den Nachwuchs kämpfen, sind froh, Oma und Opa einspannen zu können, überfordern sie aber auch manchmal. Offene Gespräche zwischen Eltern und Großeltern sind dabei wichtig. Besser anfangs weniger anbieten und später häufiger kommen als umgekehrt. Manche Großeltern nutzen auch Altersteilzeit oder reduzieren ihre Stunden bewusst, wenn die Enkel klein sind. Insbesondere wenn mehrere Enkel in verschiedenen Familien zu betreuen sind. Großeltern haben mitunter Angst, als egoistisch zu gelten, aber wer ständig über seine Grenzen geht, tut auf Dauer keinem einen Gefallen. Auch nicht den Enkeln. Wenn Opa oder (meist) Oma nicht sicher sind, ob man sich auf einen oder zwei feste Hüte-Tag pro Woche einlassen will, kann man das ja erst einmal probieren. Gemeinsam definieren sollte man auch, was ein „Notfall“ ist. Klare Kommunikation hilft.

Wenn Oma kommt besuchen wir die Löwen.

Wurzeln und Flügel

Auch wenn die Süddeutsche Zeitung in ihre Osterausgabe eine Seite den „Superkräften der Großeltern“ widmet, die manches schaffen, was die Eltern nicht hinkriegen, ist nicht alles eitel Sonnenschein „Wir leben in einer Großelternära. (…) Kinder haben heute meist deutlich mehr Großeltern als Geschwister“, schreibt der Autor. Und weiter „Es gibt wenige Enkel, durchschnittlich sind es drei, es gibt viele Omas und Opas, zwanzig Millionen sind es in Deutschland“. Und die sind nicht mehr wie früher oft der verlängerte und vielleicht strengere Arm der Eltern. Eine Generation, die gelernt hat, über Gefühle zu sprechen, die den Enkeln anders zuhören kann. „Beiläufigkeit ist eine riesige Opaomastärke. Gemeint ist das Abwartende, das Genießende, der Omablick aus der zweiten Reihe. (..) Die Großeltern müssen nicht erziehen, die Enkel müssen nichts abliefern“, resümiert die Süddeutsche.

Und trotzdem spielen die Grau- und Glatzköpfe eine wichtige Rolle im Leben der Enkel. Auch weil sie Zeit haben für kleine Abenteuer. Wenn meine Enkelin, das fünfjährige Stadtkind, eine Woche Urlaub auf dem Land macht, ist die kleine Nachtwanderung mit Stirnlampe oder das Übernachten unterm Baum im Freien mindestens so spannend wie in der Stadt die Begegnung mit einem Löwen im Zoo.

Info: Auf www.grosseltern.de und ähnlichen Plattformen tauschen sich Großeltern aus.

Buchtipp: Margot Käßmann “Kostbare Zeit – Das Buch für Großeltern“. Die frühere evangelische Landesbischöfin ist vierfache Mutter und siebenfache Großmutter. Sie schreibt in ihrem Buch über das Glück, Enkelkindern das Wichtigste mit auf den Lebensweg zu geben: Wurzeln und Flügel. Sie formuliert die Dankbarkeit, die man für seine Enkelkinder empfindet. Aber auch: Wie kann man helfen? Darf man sich einmischen? Wie gelingt die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu Kindern und Enkelkindern? Wo verbergen sich vielleicht auch Spannungen und Konflikte? Auch religiöse Themen finden Raum: Rituale, gute Traditionen. bene! Verlag, 22 Euro.

Autorin: Andrea Reck


erschienen in Mai 2026

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