
Ravensburg – „Wir müssen meist gar nicht nach ehrenamtlichen Mitarbeitenden suchen. Die meisten melden sich bei uns und wollen hier arbeiten“. Das sagt Beata, Mitglied des Leitungsteams der „AnsprechBar“ im Haus der katholischen Kirche in Ravensburg. Wie so etwas heute noch möglich ist und was die Einrichtung zudem noch so besonders macht, fand Benjamin Fuchs bei einem Besuch heraus.
An einem sonnigen Samstagvormittag Anfang Mai betrete ich das Haus der katholischen Kirche im Stadtzentrum von Ravensburg. Es herrscht reger Betrieb, Foyer und Café sind bereits gut gefüllt mit Besuchern, eine angenehme Gesprächslautstärke empfängt mich.
Eine Fotoausstellung über den Altdorfer Wald bringt Kraft und Ruhe in den Raum, wie sie auch die AnsprechBar schenken will. Das erzählt mir Beata. Zusammen mit meinem Onkel Michael leitet sie das Projekt der AnsprechBar. Infolge des Ukraine-Kriegs ist die AnsprechBar zum „Begegnungscafé“ geworden, in der vor allem Geflüchtete aus der Ukraine Anschluss finden können. Aber natürlich steht dieser Ort der Begegnung allen Menschen offen, erklärt Beata. Und das mit Erfolg: Im vergangenen Jahr habe man über 9000 Besucher begrüßen können, Tendenz steigend.

Sinnbildlich für den offenen Charakter der Einrichtung ist die große Fensterfront, auf der zudem ein Zitat des jüdischen Philosophen Martin Buber aufgeklebt ist. Es sei zum Motto der Einrichtung geworden: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“
Der kommunikative Café-Besuch soll auch finanziell für alle Menschen zugänglich sein. „Zahl, wie viel du willst“, heißt es. Das Café wird nämlich über Spenden finanziert, jeder kann und soll nur so viel geben, wie ihm möglich ist und angemessen erscheint.
Der andere wichtige Faktor, ohne den der Betrieb des Begegnungscafés nicht möglich wäre, sind die Mitarbeitenden: Alle sind ehrenamtlich tätig, viele kämen auf das Leitungsteam zu und nicht umgekehrt. Die Gespräche mit Mehmet und Waltraud, die an diesem Tag im Dienst sind, geben Einblicke. „Für mich ist das Schönste, so viele verschiedene Menschen mit ihren ganz eigenen Lebensgeschichten und Herkünften kennenzulernen“, berichtet Waltraud. Ihre Eltern seien selbst aus damals deutschsprachigen Gebieten in Rumänien, die heute zur Ukraine gehören, infolge des Zweiten Weltkriegs nach Niedersachsen geflohen. Ihr Kollege Mehmet ist Kurde aus der Türkei, beide suchen das Gespräch mit den Besuchern, die sich rege unterhalten und auch gezielt das Gespräch mit Waltraud und Mehmet suchen. Alle sind ansprechbar.
Von den anderen Mitarbeitenden erzählt Beata, die selbst aus Polen stammt, dass ihnen an der ehrenamtlichen Tätigkeit besonders auch das Gefühl von Wertschätzung und Produktivität gefällt. Um die Begegnung zu vertiefen, bietet das Haus der katholischen Kirche Sprachkurse für Geflüchtete an, zudem Veranstaltungen wie eben Ausstellungen, Gesprächsrunden und vieles mehr. Auch die Caritas-Beratungsstelle bezeichnet Beata als zentralen Bestandteil der Einrichtung und ihres zwischenmenschlichen Werts.
Ich frage Beata, was sie sich für die Zukunft der AnsprechBar vorstellt. Ihr Wunsch: die Kooperation mit und die Präsenz in der Stadt Ravensburg sollte ausgebaut werden. Zudem wünscht sie sich weiterreichende Schulungen für das Leitungs- und Café-Team. Denn das Ehrenamt braucht Wollen und Wissen.
Sonntag und Montag hat die AnsprechBar Ruhetag, die genauen Öffnungszeiten finden sich auf der Webseite der katholischen Kirche Ravensburg.
Autor: Benjamin Fuchs
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„Leben ist Begegnung“






