
Menschen machen Fehler, auch in der Justitz. In naher Zukunft soll die Künstliche Intelligenz hier Abhilfe schaffen. Statt einer Jury, soll nun eine KI Urteile fällen und vollstrecken. Neutral, emotionslos, rein auf Fakten basierend. Chris Raven (Chris Pratt), Detective beim LAPD, ist ein Befürworter dieser neuartigen Methode – bis er plötzlich selbst vor Gericht steht. Dort wird ihm der Mord an seiner Frau Nicole (Annabelle Wallis) zu Lasten gelegt. Gerade einmal 90 Minuten Zeit hat der Polizist nun, um der hochmodernen KI Richterin Maddox (Rebecca Fergusen), seine Unschuld zu beweisen, andernfalls droht ihm die sofortige Hinrichtung.
Der bisher kaum in Erscheinung getretene Drehbuchautor Marco van Belle packt mit seiner Geschichte gleich zwei heiße Eisen an. Dass das Justitzsystem fehlerhaft ist, kann nicht wegdiskutiert werden, oft mit schwerwiegenden Konsequenzen. Doch ist KI hier wirklich die Lösung? Die künstliche Intelligenz greift in immer mehr Bereiche unseres Lebens ein, doch auch sie ist defintiv nicht frei von Fehlern. Ihr die Entscheidung über Leben und Tod zu überlassen, wäre fatal. Genau dieses Thema greift der Film auf. Der eher für hemdsärmlige Actionkost bekannte ungarische Regisseur Timur Bekmambetow liefert mit „Mercy“ ein Sci-Fi-Spektakel ab, das das Genre des futuristischen Action-Thrillers konsequent weiterdenkt. Natürlich lässt er es im letzten Drittel des Films dann auch noch mal ordentlich krachen, aber was als rasanter Überlebenskampf getarnt ist, entpuppt sich als scharfe Reflexion über staatliche Willkür, algorithmische Vorverurteilung und den Verlust der individuellen Freiheit. Die Inszenierung ist von einer rastlosen Energie geprägt, die durch ein wuchtiges Sounddesign und das unterkühlte, klinische Setting einer technokratischen Zivilisation perfekt ergänzt wird. Auch die beiden Hauptdarsteller machen ihre Sache gut. Rebecca Fergusen schafft es rein durch ihre Mimik immer wieder vermeintliche Emotionen aufblitzen zu lassen, durch die die KI Risse bekommt, während Chris Pratt mal wieder richtig schauspielern darf. Insgesamt ein sehenswerter Sci-Fi-Blockbuster mit einem Hauch von Tiefgang.
Erscheinungsdatum: 30. April 2026
Laufzeit: 95 Min. / FSK: 12
Autor: Alexander Koschny
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