
Es ist unverzichtbar und hält uns am Leben. Das Blut. Je nach Größe und Gewicht zirkulieren in einem erwachsenen Menschen fünf bis sechs Liter dieses Lebenselixiers. Bei einem Verlust von etwa zwei Litern droht ein Kreislaufkollaps. Um das und Schlimmeres zu verhindern, bedarf es schneller Hilfe und eventuell einer Blutspende. Dass dies möglich ist, dafür sorgt das Deutsche Rote Kreuz und sein Blutspendedienst, der mit seinen SpenderInnen tagtäglich Leben rettet. Für Arno Dolderer eine Selbstverständlichkeit, die aber keine ist.
Millionen von Menschen verdanken ihr Leben Bluttransfusionen, die bei Operationen, Unfällen, schweren Erkrankungen oder Geburten eingesetzt werden. Die Geschichte dieser Hilfe beginnt im 17. Jahrhundert. Nachdem der englische Arzt William Harvey im Jahr 1628 den Blutkreislauf beschrieben hatte, entstanden erste Versuche, Blut von einem Lebewesen auf ein anderes zu übertragen. Bereits 1665 gelang dem Arzt Richard Lower eine erfolgreiche Bluttransfusion zwischen Hunden. Wenige Jahre später wurden sogar Tier-zu-Mensch-Transfusionen durchgeführt. Diese Experimente endeten jedoch meist tödlich, da man die Unterschiede zwischen verschiedenen Blutgruppen noch nicht kannte.
Im Jahr 1818 führte der britische Arzt James Blundell die erste erfolgreiche Mensch-zu-Mensch-Bluttransfusion durch. Er verwendete Blut eines Spenders, um eine Patientin nach starken Blutungen bei der Geburt zu retten. Dennoch blieben Bluttransfusionen riskant, da die Ursachen für viele Komplikationen unbekannt waren. Ein entscheidender Durchbruch gelang dem österreichischen Arzt Karl Landsteiner. Im Jahr 1901 entdeckte er das AB0-Blutgruppensystem und erkannte, dass nicht jedes Blut mit jedem Menschen kompatibel ist. Seine Forschung erklärte, warum manche Transfusionen erfolgreich waren, während andere schwere oder tödliche Reaktionen verursachten. Für diese bahnbrechende Leistung erhielt Landsteiner 1930 den Nobelpreis für Medizin. Später wurde auch der Rhesusfaktor entdeckt, wodurch die Sicherheit von Bluttransfusionen weiter verbessert werden konnte.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts mussten Blutspenden noch direkt vom Spender zum Empfänger übertragen werden. Erst die Entwicklung von Gerinnungshemmern wie Natriumcitrat im Jahr 1914 ermöglichte die Lagerung von Blut über längere Zeiträume. Ein weiterer Meilenstein folgte 1936, als der Arzt Bernard Fantus in Chicago die erste Krankenhaus-Blutbank der USA gründete und den Begriff „Blutbank“ prägte. Dadurch konnte Blut gesammelt, gelagert und bei Bedarf eingesetzt werden.

Während des Zweiten Weltkriegs gewann die Blutspende enorme Bedeutung. Große Blutspendeprogramme wurden aufgebaut, um verwundete Soldaten zu versorgen. Besonders Plasma ließ sich gut lagern und transportieren. In dieser Zeit entstanden viele organisatorische Grundlagen moderner Blutspendedienste. Der amerikanische Arzt Charles R. Drew spielte dabei eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung groß angelegter Blutsammlungen.
Nach dem Krieg wurden Blutspenden zunehmend sicherer. Neue Testverfahren ermöglichten die Untersuchung des Spenderblutes auf Krankheiten wie Hepatitis oder HIV. Seit den 1990er Jahren kommen hochmoderne molekularbiologische Verfahren zum Einsatz, die Krankheitserreger besonders zuverlässig nachweisen können. Dadurch wurde das Risiko einer Infektion durch Bluttransfusionen drastisch reduziert.
Gleichzeitig entwickelte sich die Komponententherapie: Statt Vollblut zu übertragen, werden heute häufig einzelne Bestandteile wie rote Blutkörperchen, Blutplättchen oder Plasma verwendet. So kann eine einzige Blutspende mehreren Patienten helfen.
Heute ist Blutspenden ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Da Blut bislang nicht künstlich hergestellt werden kann, sind Krankenhäuser auf freiwillige Spender angewiesen. Täglich werden Blutkonserven für Operationen, Unfallopfer, Krebspatienten und Menschen mit chronischen Erkrankungen benötigt.
Die Geschichte des Blutspendens zeigt eindrucksvoll, wie wissenschaftliche Entdeckungen und gesellschaftliches Engagement zusammenwirken können. Von den hoch riskanten Experimenten des 17. Jahrhunderts bis zu den sehr sicheren Blutbanken der Gegenwart hat sich das Blutspenden zu einer lebensrettenden Säule der modernen Medizin entwickelt. In Deutschland werden täglich etwa 15.000 Blutspenden benötigt, um Patienten in Krankenhäusern zu versorgen. Da Blut nicht künstlich hergestellt werden kann, sind regelmäßige freiwillige Spenden unverzichtbar.
Und hier kommen Menschen wie Arno Dolderer von Schemmerhofen, Otto König von Königseggwald, Peter Müller von Weingarten und Stefan Oberdorfer aus Ravensburg ins Spiel. Gemeinsam ist den Herren, dass sie bereits über 150 Mal Blut gespendet haben und dafür vom DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen bei einem Festakt in der Phoenixhalle in Stuttgart mit weiteren rund 150 SpenderInnen geehrt wurden.
Für Arno Dolderer (63) sind die regelmäßigen Blutspenden, maximal sechs pro Jahr sind möglich, ein selbstverständlicher Teil seines Lebens geworden. Bereits als Auszubildender mit 18 Jahren begann seine hilfreiche Spenderkarriere. „Wenn ich nicht zum Spenden gehen würde, würde mir was fehlen“, erklärt der Finanzbeamte. Das macht er alle zwei Monate. Bei seinen mittlerweile über 180 Spenden habe er noch nie Komplikationen erlebt: „Mir geht es danach bestens. Ich gehe gerne zum anschließenden Vesper mit guter Gesellschaft und dann wieder in den Alltag.“ Eine Stunde, mehr brauche er dazu nicht. So selbstverständlich das regelmäßige Blutspenden für den Schemmerhofener ist, er sei „kein Moralapostel“, der anderen ein schlechtes Gewissen machen wolle. Sein vorsichtiger Rat für noch Unentschlossene: „Geh einfach mal hin. Danach fühlst du dich besser, weil du was Gutes getan hast.“ Vielleicht trifft man sich. Er habe sich für den nächsten Termin bereits wieder angemeldet.
Auffallend: Es sind hauptsächlich Männer, die zu den Vielspendern gehören. Unter den rund 150 Geehrten in Stuttgart sind nur 13 Frauen. Warum? Arno Dolderer bestätigt aus seiner langjährigen Beobachtung, dass deutlich mehr Männer als Frauen Blut spenden. Woran das liege, wisse er nicht und „will auch in nichts reinkommen“.

Von Seiten der Pressesstelle des DRK-Blutspendedienstes heißt es: „Bezüglich Ihrer Nachfrage zum Frauenanteil unter unseren Spender*innen ist es so, dass wir rund 40 Prozent weibliche Spenderinnen und rund 60 Prozent männliche Spender haben. Bei unseren Vielspendern liegt diese Diskrepanz sicherlich darin begründet, dass Frauen ohnehin nur vier Mal in einem Jahr Blut spenden dürfen und Männer bis zu sechs Mal. Allein dadurch kommen die Männer bei regelmäßigem Spenden schneller auf eine höhere Spendenanzahl. Hinzu kommt, dass viele der Damen in ihrer ‚Blutspende-Laufbahn‘ auch Kinder bekommen haben und in dieser Zeit schlicht und ergreifend nicht Blut spenden konnten.“
Die Zahl der Blutspenden in Deutschland schwankt von Jahr zu Jahr. Die Daten von DRK und AOK zeigen: Im Jahr 2023 wurden rund sieben Millionen Blutspenden geleistet. Dazu zählen Vollblut- und Apheresespenden (z. B. Plasma- oder Thrombozytenspenden). Für die Versorgung der Krankenhäuser werden jährlich etwa 3,7 Millionen Vollblutspenden benötigt, was rund 10.000 Vollblutspenden pro Tag entspricht. Das DRK spricht von einer Planungsgröße von etwa 15.000 Blutspenden täglich, um den Bedarf an verschiedenen Blutprodukten zu decken. Nur etwa drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland spenden tatsächlich Blut. Bei einer Vollblutspende werden in der Regel etwa 500 Milliliter Blut entnommen.
Autor. Roland Reck
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