
Kirche ohne Ehrenamt? Undenkbar. Aber auch in der Zivilgesellschaft ist es ein wichtiger Faktor. Das Netzwerk Ehrenamt im Landkreis leistet hier Vorbildliches.
Das ehrenamtliche Netzwerk im Landkreis Biberach setzt sich seit 2001 dafür ein, Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und Soziales Engagement zu fördern. Ziel ist es, Menschen für freiwilliges Mitmachen zu gewinnen. Durch die Zusammenarbeit und den Austausch der Mitglieder untereinander sollen innovative Projekte mitgestaltet und neue Formen und Standards im freiwilligen Engagement entwickelt werden. Zudem wird die Fortbildung für Freiwillige gefördert. Mitglied des Sprecherkreises sind Monika Adolph, Daniela Bailer-Schöffmann, Ursula Dreiz und Joseph Martin.
Schirmherr Landrat Mario Glaser über das Netzwerk: „Es koordiniert und bündelt Fähigkeiten, schafft neue Verbindungen und bietet Qualifizierung für über fünfzig beteiligte Einrichtungen mit mehr als 7000 Engagierten. Ich danke allen Helferinnen und Helfern für ihren Einsatz. Sie bewegen und bewirken wirklich Großartiges in unserem Landkreis.“
Deutschlandweit fördert die Politik das Ehrenamt. Unter dem Motto „Für dich. Für uns. Für alle.“ fand am 23. Mai diesen Jahres erstmals der deutschlandweite Ehrentag zum Geburtstag des Grundgesetzes statt. Die Kampagne soll Bürgerinnen und Bürger dazu einladen, sich aktiv für Demokratie und gesellschaftliches Miteinander zu engagieren. Rund um den Ehrentag fanden auch im Landkreis Biberach mehrere Aktionen statt, die Ehrenamt und demokratisches Engagement in den Mittelpunkt stellten.
Auf dem Biberacher Wochenmarkt kamen am Mittwoch, 20. Mai, beispielsweise Daniela Bailer-Schöffmann vom Kompetenzzentrum Ehrenamt der Caritas und Mitglied des Sprecherkreises Netzwerk sowie der Bildungsreferent vom Dekanat Biberach Chris Schlecht mit Passanten ins Gespräch. Die Religionspädagogin und Bildungsmanagerin Bailer-Schöffmann betont: „Wir könnten nicht so viel für die Leute da sein ohne unsere Ehrenamtlichen. Wöchentlich ruft jemand einfach bei uns in der Caritas an und fragt, wo man helfen könne. Manche haben gerade nur ein paar Monate Zeit; auch darauf müssen wir uns einstellen. Rund 350 Ehrenamtliche sind bei uns alleine im Raum Biberach/Saulgau engagiert. Ihnen bieten wir natürlich auch entsprechende Schulungen an, etwa wie man auf Augenhöhe mit Hilfsbedürftigen umgeht. Für manche Tätigkeiten, wie etwa der Hospizarbeit, ist eine längere Ausbildung notwendig.“ Auf die Frage, ob vor allem ältere Menschen sich engagieren, sagt sie: „Überwiegend schon. Gerade bei der Hospizarbeit, wo man auch viel Zeit haben muss. Auch unsere Krankenhauslotsen sind jenseits der 75. Aber bei den Lernbegleitern sind einige in den Vierzigern.“ Und etwa bei den Peer-Beratern und –Beraterinnen für Jugendliche und junge Erwachsene kommen nur Gleichaltrige zum Einsatz. Sie unterstützen junge Menschen, die sich in einer Krise befinden – auch in Situationen, in denen Suizidgedanken eine Rolle spielen.
Bildungsvermittler unterstützen Kinder zwischen sechs und elf Jahren, die noch nicht ausreichend Deutsch sprechen, bei den Hausaufgaben. Daneben gibt es Kinder-Chancen-Paten, die Kinder in schwierigen Lebensumständen sowohl in ihrer Freizeit als auch beim Lernen begleiten. Als Kulturbegleiter oder Chancengeber gestalten Ehrenamtliche Austauschmöglichkeiten zwischen Geflüchteten, Migrantinnen und Einheimischen. Nachbarschaftshelfer unterstützen ältere oder hilfsbedürftige Menschen in ihrem häuslichen Umfeld. Ihr Engagement umfasst vielfältige Alltagsaktivitäten wie gemeinsames Kochen, Einkaufen und Spazierengehen. Sie helfen den Menschen ihren Alltag weiterhin zu Hause zu bewältigen. Daneben kann man sich als Wohn- und Technikberater für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung einbringen.
Weniger langfristige Bindungen
Chris Schlecht, der neben Daniela Bailer-Schöffmann und zwei junge Frauen an diesem regnerischen Vormittag Besucher des Biberacher Wochenmarktes anspricht, betont: „Ehrenamt ist unverzichtbar für uns. Wir sind eine ehrenamtliche Kirche, was durch den derzeitigen Transformationsprozess in den Kirchen noch verstärkt wird. Dabei engagieren sich viele lieber nur zeitweise in Projekten. Sie wollen sich nicht für fünf Jahre als Kirchengemeinderat binden. Sie wollen auch nicht Erfüllungsgehilfe sein sondern selbst gestalten.“ Schlecht ist überzeugt: „Ehrenamt muss geplant werden. Man braucht Menschen, die ihre Charismen einbringen. Sie dürfen sich nicht ausgenützt fühlen, da muss die Kirche umdenken.“ Gefragt nach der Reaktion der Passanten auf dem Wochenmarkt meint er: „Viele Ältere sagen ‚Das habe ich hinter mir‘ und laufen weiter. Da wurde in der Kirche in der Vergangenheit auch einiges falsch gemacht. Die Ehrenamtlichen wollen Wertschätzung und Anerkennung. Sie wollen gesehen werden. Es geht nicht um Geld.“
Mehr Infos unter: www.ehrenamt-bc.com
Daniela Bailer-Schöffmann vom Kompetenzzentrum Ehrenamt des Caritas ist erreichbar unter Tel. 07351 8095-195 und 0171 8473093 sowie bailer-schöffmann@caritas-dicvrs.de
Autorin: Andrea Reck
NEUESTE BLIX-BEITRÄGE
Ehrenamt ist unverzichtbar






