Arnach/Bad Wurzach – Am Palmsonntag veranstaltete der Musikverein Arnach sein diesjähriges Frühjahrskonzert im vollbesetzten Kursaal vor Vertretern von Musikkapellen aus der Region sowie zahlreichen Ehrenmitgliedern und Ehrengästen. Unter der Leitung von Dirigent Berthold Hiemer haben die Musikanten in den letzten Monaten wieder ein interessantes und abwechslungsreiches Programm einstudiert, mit Werken aus unterschiedlichen Stilrichtungen wie etwa eine sinfonische Ouvertüre, ein Saxophon-Medley aus dem Bereich Jazz oder Filmmelodien aus einem Kinofilm.
Der Dirigent führte auch durch das Programm

Berthold Hiemer dirigierte …

… und führte durchs Programm.
Mit der Konzertfanfare „Covenant“ von Robert W. Smith, einem der beliebtesten – und mit über 600 Werken einer der produktivsten – amerikanischen Komponisten, setzte Dirigent Berthold Hiemer, der selbst durch das Programm führte, einen „Hallo-Wach-Effekt“ an den Beginn des Konzertes.
Thiemo Kraas ist seit 2016 fester Mitarbeiter beim Musikverlag Rundel. Im Rahmen dieser Mitarbeit entstand für den Musikverein Schwarzenberg im Bregenzerwald zum 750-jährigen Dorfjubiläum im Jahr 2020 die Auftragskomposition „Gaudiubilate“. Der Titel setzt sich aus den lateinischen Worten Gaudium – Freude und Jubilate – Festlichkeit zusammen. Die Komposition besteht aus zwei omnipräsenten musikalischen Hauptthemen – dem würdig-prachtvollen, für Tradition und Werte stehende Anfangsthema, sowie dem immer vorantreibenden, zukunftsgerichteten zweiten Thema, bei dem sich Flöte und Klarinette als Solostimmen auszeichnen konnten. Es ist eine sinfonische Ouvertüre im romantischen Gewand, die auf einer Berghütte mit Blick auf die beeindruckenden Kulisse des Naherholungsgebiets „Bödele“ entstand.
„Pilatus: Mountain of dragons“ ist eine Auftragskomposition des US-amerikanischen Komponisten Steven Reineke zum 50jährigen Jubiläum des Jugendblasorchesters Luzern. Der Pilatus bei Luzern ist in der Schweiz bekannt als Drachenberg und der Sage nach sollen im Mittelalter feurige Drachen mit Heilkräften in seinen Höhlen gehaust haben. Passend zur Karwoche hatte Hiemer auch noch eine Legende zu Pontius Pilatus parat: Dessen Leichnam soll nach seinem Tod im Pilatussee „entsorgt“ worden sein, weshalb der See später seinen Namen erhalten haben soll. Auf eine eindrucksvolle Art gelingt es Steven Reineke, den programmatischen Hintergrund dieses Werks in Musik umzusetzen. Das Werk beschreibt den Aufstieg auf den Berg am frühen Morgen in sehr mystischer Stimmung, danach die atemberaubenden Aussichten und danach die wilden Kämpfe mit den Drachen. Die älteren unter den Musikern kannten das Stück bereits: Der Musikverein Arnach hatte damit im Jahre 2011 sehr erfolgreich beim Wertungsspiel teilgenommen.
„Rise of the unicorn“ des amerikanischen Komponisten Rossano Galante ist das Nachfolgewerk von „Cry oft the last unicorn“, das die Arnacher beim Vorjahreskonzert aufführten. Das mythologische Fabelwesen erscheint historisch gesehen nur Menschen mit reinem Herzen. Damit dürften die rund 330 Konzertbesucher samt den knapp 70 Musikern wohl als solche gelten…Das aktuelle Werk handelt also von der Wiedergeburt des Fabelwesens, das aber erneut wieder Jäger auf den Plan ruft und es wieder zu Jagdszenen kommt.
„Highlights from The Rock“ wurden von Pascal Deroye für Blasmusikorchester arrangiert. Die Musik aus dem Action-Thriller „The Rock“ – Fels der Entscheidung wurde damals in nur vier Wochen von dem Komponisten-Trio Nick Glennie-Smith, Harry Gregson-Williams und Hans Zimmer geschrieben, nachdem Regisseur und Produzent Michael Bay die ursprüngliche Filmmusik verworfen hatte. Kommentar von Berthold Hiemer: „Da haben wir länger für die Probenarbeit gebraucht.“
Bravouröses Saxophon-Register

Das Saxophon-Register des Musikvereins Arnach.
In „Sax, wind & funk“ wurden von Arrangeur Stefan Schwalgin die Superhits von „Earth, Wind & Fire“, „Blood, Sweat & Tears“ und „Weather Report“ vereint, den drei Jazz-Rock-Bands, die in den 1970er-Jahren ihre größten Erfolge feierten. Diese drei vom Funk-Stil durchdrungenen Superhits – nämlich „September“, „Spinning Wheel“ und „Birdland“ – werden hier in einem energiegeladenen Medley miteinander vereint. In der stark von Gesang und elektronischen Instrumenten dominierten Rock- und Popmusik ragt das Saxophon als dasjenige Blasinstrument heraus, das noch am häufigsten zum Einsatz kommt. Für den Jazz hingegen gilt das Saxophon geradezu als Identifikationssymbol schlechthin. So lag es für den Arrangeur nahe, dem fünfstimmigen Saxophonsatz des Blasorchesters im Rahmen einer Jazz-Rock-Zusammenstellung eine solistische Rolle einzuräumen. Diese Rolle füllte das Saxophon-Register bravourös aus.
„Bohemian Rhapsody“: Ein Song der Superlative
Viel braucht man zu „Bohemian Rhapsody“, dem ersten und wohl größten Hit von Freddie Mercury und der Gruppe „Queen“ nicht erzählen. Für Blasorchester vom englischen Starkomponisten Philip Sparke wurde er im Jahr 2011 arrangiert. Es ist ein Song der Superlative, denn er war der teuerste jemals aufgenommene Song, ein Werk ohne starre Form (Rhapsody) und gegen alle Konventionen (Bohemian), eben wie Queen Sänger Freddie Mercury. Er ist seit über 50 Jahren ein Klassiker und wird oft als der bedeutendste Song in der Geschichte des Rock bezeichnet. Neben dem nie erklärten rätselhaften Text trug vor allem die ungewöhnliche Form zum heute noch andauernden Erfolg des Liedes bei: Es hat keinen Refrain, sondern besteht aus den Abschnitten Einleitung, Ballade, Gitarrensolo, Hardrock und Schluss. Philip Sparke versuchte, in seiner Version von „Bohemian Rhapsody“ so nahe wie möglich am Original zu bleiben. Dieser Annäherung sind die Arnacher Musikanten durchaus gerechtgeworden.

Natürlich hatten die Arnacher Musikanten auch ihre Fahne mitgebracht.

Sogar ein Kontrabass war im Einsatz.

Der älteste Musikant: Franz „Xare“ Miller, 90 Jahre.
Der Marsch „Textilaku“ entstammt der Feder des tschechischen Komponisten Karol Padivy, der von 1908 bis 1966 lebte. Zum letzten Stück des Programmes „Textilaku“ oder auch „Marsch der Textilarbeiter“ hatte Berthold Hiemer natürlich eine kleine Geschichte auf Lager, die besonders seinen Kassier erfreuen dürfte: Denn dafür hatte der Dirigent einen Griff in den Notenschrank im Proberaum gemacht. „Günstig“ aber keinesfalls musikalisch „billig“ sei der Marsch.
„Hoch Heidecksburg“ als Zugabe
Das Publikum jedenfalls wusste ihn zu goutieren: Es forderte vehement eine Zugabe und erhielt mit „Hoch Heidecksburg“ noch einen zweiten Marsch obendrauf.
Text und Fotos: Uli Gresser
Viele Bilder in der Galerie
































































