Hauerz – Erwin und Emina Wiest feierten am Samstag (26.9.) zunächst mit geladenen Gästen und später dann mit der Bevölkerung in Form eines Oktoberfestes ihr 30-jähriges Firmenjubiläum. Und nicht nur das: Sie feierten auch Silberhochzeit.
Feiern heißt Essen und Trinken und Musik. Und weil gerade Oktoberfest- und Wasenzeit ist, wurde ein Festzelt aufgeschlagen. Für das sehr gute Essen sorgte die benachbarte Metzgerei Seif und Christine´s Creperie lieferte den süßen Nachtisch. Den Ausschank in dem beim Geschäft aufgestellten Festzelt besorgte die Narrenzunft Hauerz. Und für die Musik sorgte dann am Abend die „Bänkles-Mugge“.

Aber zu Jubiläumsfeiern gehören auch Ansprachen und Reden. Und damit das abwechslungsreich über die Bühne ging, wechselten sich Emina und Erwin Wiest bei ihrer Rede ab.

Emina eröffnete die kurzweilige Doppelansprache: „30 Jahre sind eine lange Zeit. Aber wenn man das Richtige tut und die richtigen Menschen an seiner Seite hat, vergehen sie erstaunlich schnell.“ Mit diesen Worten begrüßte sie die Mitarbeiter/innen, Kunden und Geschäftspartner zum samstagmorgendlichen Oktoberfest.
Erwin: „Und wenn wir jetzt anfangen würden, alles zu erzählen, was in diesen 30 Jahren passiert ist, dann wären wir morgen früh noch fertig.“ Dennoch gab es einen kleinen Rückblick. Emina: „30 Jahre Selbstständigkeit waren unzählige Baustellen, viele Kilometer Kabel, Angebote, Rechnungen, Telefonate, schöne Erfolge, aber auch Herausforderungen.“
Erwin ergänzte, dass es 30 Jahre voller Begegnungen mit Menschen waren, ohne die der Betrieb nicht das wäre, was er heute ist. „Und natürlich waren wir uns immer vollkommen einig“, behauptete Erwin Wiest, was zu deutlichem Widerspruch seitens seiner Gattin führte, die freimütig zugab, sie sei diejenige, die immer sage, was sie denke, und manchmal auch ein bisschen früher, „als es diplomatisch ratsam wäre“. „Und ich bin dann für die diplomatische Nachbearbeitung zuständig“, ergänzte Erwin. Emina: „Vielleicht ist genau das eines unser Erfolgsrezepte. Ich gebe Gas …“ – „Und ich schaue, dass wir nicht aus der Kurve fliegen.“
Damit sind die beiden nicht nur geschäftlich gut gefahren, denn 2026 ist auch in anderer Hinsicht ein Jubiläumsjahr: Sie sind seit 25 Jahren miteinander verheiratet. „30 Jahre gemeinsam im Geschäft, davon 25 Jahre verheiratet: Wenn man nach so vielen gemeinsamen Jahren im Geschäft und in der Ehe immer noch freiwillig hier vorne steht …“ – „…dann kann die Mischung aus Temperament und Diplomatie so schlecht nicht gewesen sein.“
Sie seien ein bisschen stolz auf das Geleistete, aber vor allem dankbar: Denn ein Unternehmen mache ja gerade die Menschen, also die Mitarbeiter, aus.
Alfred und Reinhold, Jonas und Lionel und die anderen
Zu zweien hat Erwin eine besondere Beziehung, zu den beiden Rentnern Alfred und Reinhold. Er kennt diese aus seiner Lehrzeit. Damals machten diese die Ansagen, heute ist es umgekehrt. Emina sagte dazu: „Ganz ehrlich: Ohne Alfred und Reinhold würde bei uns manches einfach nicht funktionieren.“
Ein weiterer Mitarbeiter bekam von den Beiden am Mikrophon eine wahre Lobeshymne gesungen: Als Jonas 2012 als Lehrling bei Wiests anfing, war nicht absehbar, dass dieser auch seit 2026 dem Betrieb als Meister treu bleiben würde.
Nach elf Jahren kam dann der zweite Lehrling Lionel, auch auf diesen ist die Firma Wiest Elektrotechnik stolz und freut sich, dass er bei ihnen ist. Bei Jonas wisse man inzwischen, wohin dieser Weg führen könne. „Und lieber Lionel, jetzt weißt du zumindest, was wir von dir erwarten.“ Dieser verwegene Blick in die Zukunft war nicht ganz ernst gemeint, aber: Einen Ausbildungsplatz zu bieten, bedeutet im Hause Wiest: „Einem jungen Menschen etwas mitzugeben, ihn zu begleiten und ihm die Chance zu geben, seinen eigenen beruflichen Weg zu gehen.“
Sie vergaßen in ihrer Laudatio keinen Mitarbeiter, wie den Studenten Maxi, der in den Semesterferien die Geräteprüfungen bei den Kunden macht. Oder Evi, die den Haushalt „bei Laune hält“.
Auch die Kunden, Geschäftspartner und Freunde bekamen die Dankbarkeit in schöne Worte gepackt: „30 Jahre Selbstständigkeit schafft man nicht alleine. Dafür braucht es Menschen, die unterstützen, Verständnis haben, nachdenken, mitarbeiten – und manchmal einfach da sind.“

Einer der Geschäftspartner der Wiests: Werner Sattelberger aus Steinental.
Schwäbische Hochkultur
Als ein ganz besonderes Zeichen der Dankbarkeit hatte Emina Wiest noch einen besonderen Gast eingeladen: den Journalisten und „Urschwaben“ Wolfgang Heyer, der ganz nebenbei sich auch als „Schwaben-Komödiant“ und Poetry-Slammer einen Namen gemacht hat.

Heyer zeigte auf, zu welchen großartigen Kulturleistungen die schwäbische Sprache ihren Teil beigetragen hatte, etwa beim weltberühmten Radetzkymarsch: Johann Strauß Vater habe einmal im Schwäbischen einen Wurstsalat ohne Zwiebeln bestellt. Aus dem „Wie de witt“ als Antwort der Kellnerin habe sich Strauß dann zum „Radetzkymarsch“ inspirieren lassen. So die Version von Wolfgang Heyer.
Und natürlich durften die Gäste ein heiteres Begriffe-Raten machen, wobei Heyer die anwesenden Urschwaben beim Multiple-Choice-Raten regelmäßig aufs Glatteis führte: „Und Antwort C ist – falsch!“ Da scheiterten etwa die meisten beim Begriff des Nei-Biera. Der Begriff entstammt tatsächlich der schwäbischen Jugendsprache und entspricht etwa dem Hochdeutschen „Hoch die Tassen.“ Nur eben mit edlem Gerstensaft …
Neben selbigem gab es beim Wiest´schen Oktoberfest natürlich auch hervorragendes Essen. Die Warmhalte-Boxen hätte es dabei fast nicht gebraucht: Das Essen hatte bis in die „Küche“ im Lager von Elektro-Wiest Luftlinie einen Weg über die Hauerzer Hauptstraße hinweg von etwa 30 Metern zurückgelegt …

Beim Jubiläum eines Handwerksbetriebes stimmt auch die entsprechende Innung ein Loblied an. Der Obermeister der Elektro-Innung im Landkreis Ravensburg, Philipp Ernle (Bild), hatte einen ähnlich kurzen Anfahrtsweg wie das Essen, er kommt aus Ziegelbach.
Drei Jahrzehnte ein Unternehmen führen, am Markt bestehen und im Elektrohandwerk immer auf der Höhe der Technik zu sein, das sei keine Selbstverständlichkeit. „Das ist Arbeit, das ist Leidenschaft – und vor allem, das ist Handwerk mit Herz.“ Es mache ihn besonders stolz, denn er wisse: „Hinter so einem Jubiläum stecken nicht nur Zahlen, dahinter stecken lange Tage, knifflige Baustellen, zufrieden Kunden – aber vor allem ganz viele Menschen, die mit angepackt haben.“ Aber es bedeute vor allem eines: Vertrauen. Das Vertrauen von Mitarbeitenden, Partnern und Kunden. „Technik ist wichtig, aber am Ende sind es die Menschen, die ein Unternehmen tragen.“ Er wünschte Emina und Erwin Wiest alles Gute zum Jubiläum und noch viele erfolgreiche Jahre.
Text und Fotos: Uli Gresser
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