Bad Wurzach – Gemeinsam boten die Bürgermeisterkandidaten Daniela Amann und Lukas Häfele einen Wahlkampftermin am Ried an, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Daniela Amann und Lukas Häfele legten ihre Vorstellungen zur Bad Wurzacher Kommunalpolitik bei einer gemeinsamen Veranstaltung dar.
Der Bürgermeisterwahlkampf biegt auf die Zielgerade ein, fünf der sechs Aspiranten auf den Bürgermeisterposten in Bad Wurzach touren gerade durch die Riedstadt. So auch Lukas Häfele, der seine Kandidatur am Morgen des 30. März abgegeben hatte, und Daniela Amann, die am selben Tag sechs Minuten vor Ablauf der Bewerbungsfrist ihren Hut in den Ring geworfen hat. Die Beiden haben am vergangenen Samstag einen gemeinsamen Termin mit Torfbähnle-Fahrt, Besuch des Torfmuseums und anschließendem Bürgerdialog im „Wurzelsepp“ veranstaltet.
Mit einem nahezu vollbesetzten Züglein ging es bei fast sommerlichen Temperaturen für die Kandidaten zunächst ins Haidgauer Torfwerk, wo sie ein stadtbekannter Führer über die Geschichte des Torfabbaus und der Wieder-Vernässung der Torfstiche informierte: Kein Geringerer als Peter Schad, weit über Oberschwaben hinaus bekannter Musiker, Komponist und Chorleiter, versorgte die beiden Kandidaten und ihre Mitfahrer mit Informationen über das Ried. Später führte er die beiden Kandidaten noch durch das Torfmuseum, wobei er beim Gruppenfoto der Torfarbeiter darauf hinwies, dass – trotz der sehr harten Arbeit im Ried – manche Gesichter den Stolz auf das Geleistete widerspiegeln.

Peter Schad wusste viel über die Geschichte des Torfabbaus zu berichten.
Mit Häppchen wurden die Interessierten beim Bürgerdialog, in den zirka 15 Personen mit den Kandidaten treten wollten, auf der Terrasse beim „Wurzelsepp“ empfangen. Daniela Amann nahm einige kritische Bemerkungen von Franziska Contag, die viele Jahre im Kurbetrieb tätig war („Da liegt einiges im Argen“), zum Thema Kurbetrieb auf: „Wir müssen – auch für die Mitarbeiter – attraktiver werden“, sagte die Kandidatin.
Lukas Häfele antwortete auf die Frage, warum die beiden gemeinsam auftreten, dass dies beim Dialog mit den Bürgern doch Sinn mache. Häfele, der in seinem Wahlprogramm, das auf den Tischen ausgelegt war, auch die aktuell laufende Sanierung des Kurbetriebs ansprach, lobte die Arbeit des Heimatvereins „Wurzen“, der sich sehr engagiert und ehrenamtlich um den Tourismus verdient mache, forderte Bürokratie-Abbau und werde sich für mehr Unterstützung für den Verein aussprechen. Ebenfalls auf seiner Agenda: eine Linienbus-Haltestelle beim Torfmuseum.
Daniela Amann empfindet die Beschilderung für die Sehenswürdigkeiten der Stadt als unzureichend. Sie werde sehr oft darauf angesprochen, wo denn was zu finden sei. Sie vermisst auch eine umfassende Beschilderung, in die auch der Naturaspekt integriert ist und die impliziert, dass Bad Wurzach offen, zugewandt und freundlich ist. „Man kann das eine nicht ohne das andere betrachten.“
Amann bemängelt auch das Verkehrschaos, das dreimal am Tag (morgens um halb acht, mittags um zwölf und am Nachmittag) über Wurzach hereinbreche. Sie kritisierte auch die Elterntaxis, die zu diesen Zeiten die Situation noch verschärften. Sie hält auch die Bushaltestelle beim Salvatorkolleg für unübersichtlich und potentiell gefährlich. Auf der anderen Seite klappten kurz nach Ladenschluss in Bad Wurzach die Bürgersteige hoch, was sie mit der mangelnden Gastronomie in Verbindung setzte. Da müsse man für Belebung sorgen.
Lukas Häfele nahm, nachdem eine Dame – offensichtlich aus einer Ortschaft – sich mit dem Hinweis auf die eventuelle Abschaffung der Unechten Teilortswahl zu Wort gemeldet hatte, den Gemeinderat in Schutz. Zu den Sitzungen könne jeder hingehen, um sich zu informieren oder aber sich selbst aufstellen lassen. Gemeinderat Klaus Schütt verwies darauf, dass es hier um die Bürgermeisterwahl ginge. Im Übrigen hätten in Leutkirch, das die Unechte Teilortswahl abgeschafft hatte, gerade die Ortschaften wie beispielsweise Diepoldshofen bei der letzten Kommunalwahl profitiert. Die Ängste, dass eine Ortschaft deswegen keinen Vertreter mehr haben würde, wies Schütt zurück.
Rainer Uhl fragte konkret bei Amann nach, was es mit den Gräben in der Bürgerschaft, die von einigen Bürgermeisterkandidaten ausgemacht wurden, auf sich habe. Diese antwortete ihm, als Bürgermeisterin eine offene Kommunikation betreiben zu wollen, die sie bei der Amtsinhaberin vermisse. Die Gräben seien von einigen wenigen Personen im Rahmen der Turmdiskussion entstanden, gab Klaus Schütt zu bedenken. Im Übrigen sei der Turm noch ein Erbe ihres Amtsvorgängers gewesen, warf ein anderer Besucher ein.
Eine Anfrage von Uhl an Lukas Häfele zum Zustand des Kurbetriebes beantwortete dieser so, wie er es bereits in seinem Wahlprogramm formuliert hatte: Er forderte Transparenz und bei der Suche nach einem Geschäftsführer müsse darauf geachtet werden, dass dieser Erfahrung mit Sanierungen habe. Es gelte, Abhängigkeiten wie die von der Bundeswehr zu verringern sowie zusätzliche Partner zu gewinnen. Denn so könne es die nächsten fünf Jahre nicht weitergehen. Eventuell erforderliche Entlassungen sollten sozialverträglich abgewickelt werden.
Des weiteren wollen sich die beiden Kandidaten für eine gute medizinische Versorgung einsetzen, um den Ärztemangel in der Gemeinde zu verringern. Häfele schreibt auf seiner Webseite: „Die Lage ist ernst, und ein einzelner neuer Arzt wird das strukturelle Problem nicht dauerhaft lösen. Wir brauchen eine verlässliche, wohnortnahe Versorgung, auch im Alter.“ Es gelte Ärzte „aktiv zu gewinnen statt nur hoffen“. „Dazu gehören finanzielle Anreize, Unterstützung bei Praxisräumen und Hilfe für Familien, vom Kita-Platz bis zur Jobsuche für den Partner.“ Man müsse auch das „Adler“-Quartier in Ziegelbach unterstützen. Vernetzte Versorgung sei für viele junge Ärztinnen und Ärzte attraktiver als die klassische Einzelpraxis mit hohem Risiko.

Die Bürgermeisterkandidaten Daniela Amann und Lukas Häfele hatten für Samstag, 11. April, zu einer Fahrt mit dem Torfbähnle mit anschließendem Besuch des Torfmuseums sowie kommunalpolitischem Bürgergespräch geladen.
Text und Fotos: Uli Gresser
Anmerkungen der Redaktion des „Wurzachers“: Die Bürgergesprächstermine von Daniela Amann und Lukas Häfele haben wir vor Tagen angekündigt. Siehe „Lesen Sie hierzu auch….“ Die Artikel nennen den Stand vom 10. April.
Den Zugang zur Webseite von Lukas Häfele haben wir unter dem roten Link-Balken oben in der rechten Spalte hinterlegt. Die Webseite von Daniela Amann ist in Vorbereitung; diese Adresse wird von uns umgehend genannt, wenn sie uns vorliegt.
Den vorstehenden Artikel haben wir mit vier Fotos versehen, weil es sich hier um eine Doppelvorstellung handelt (die Vorstellungen von Alexandra Scherer, Sven Stöckle und Florian Schiller haben wir mit jeweils zwei Fotos versehen; Fatma Iramil veranstaltet keine Bürgergespräche).








