Unterschwarzach – Im Anschluss an den Kirchgang (wir berichteten) feierten die Fahnenabordnungen von fünf Unterschwarzacher Vereinen sowie von insgesamt zwölf weiteren Blutreitergruppen das 75-Jahr-Jubiläum der Blutreitergruppe Unterschwarzach zusammen mit den Ehrengästen aus der Politik – Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident Manuel Hagel MdL und Staatssekretär Raimund Haser MdL, Bürgermeister Florian Schiller und Ortsvorsteherin Gisela Brodd – und natürlich mit Dekan Kurt Benedikt Susak, dem gebürtigen Adelshofener, selbst seit vielen Jahren Blutreiter.
Eigentlich gibt es die Blutreiter aus Unterschwarzach sogar schon weit über 100 Jahre, denn die erste Standarte wurde bereits 1919 angeschafft und auch beim ersten Heilig-Blut-Fest in Bad Wurzach im Jahre 1928 war die Gruppe mit dabei. Die förmliche Vereinsgründung fand dann 1951 statt. Heute zählt der Blutreiterverein 67 Mitglieder, davon 15 aktive Reiter. Vorstände sind Thomas Birk und Josef Fleischer und Gruppenführerin ist Silvia Ernle.
Wie bereits in der Kirche sorgte der Musikverein „Harmonie“ Unterschwarzach unter der Stabführung von Manfred Bachmor auch in der proppenvollen Festhalle für den richtigen Ton, er spielte zum Frühschoppen auf. Wie üblich bei solchen Festivitäten in der Unterschwarzacher Festhalle gab es ein schönes Menü, mit der sich die Blutreiter und Gäste stärken konnten, ehe die Reihe der Grußworte eröffnet wurde.

Dekan Kurt Susak (Bild) hatte die Ehre, in seinem Heimatort die Reihe der Grußworte zu eröffnen. Für ihn sei der Blutritt eine Herzensangelegenheit. Was ihn schon als Ministrant fasziniert hatte, erfülle ihn heute mit tiefer Dankbarkeit: die Gemeinschaft, das ehrfurchtsvolle Gebet und das sichtbare Bekenntnis zu Jesus Christus zu spüren.

Weil Manuel Hagel (Bild) selbst schon bei beiden großen Blutritten für die Gruppe aus Kirchbierlingen im Sattel saß, kannte er das beeindruckende Gefühl, was diese Männer und Frauen dabei leisten. Erstmals mit dem Blutfreitag in Kontakt kam er im Alter von zwölf Jahren, als er Opa und Onkel beim Ritt beobachten durfte. Der Blutritt lebe von der Hingabe so vieler – und er lebe von der Botschaft Jesu. Was man am Tag des Blutrittes erlebe, werde das ganze Jahr über an Orten wie Unterschwarzach vorbereitet – von Menschen, die das ganze Jahr über Verantwortung für diese Tradition übernehmen. „Was wir heute feiern, ist keine bloße Rückbesinnung auf das Gestern. Es ist ein gelebter Ausdruck von Gegenwart – und eine Einladung an die Zukunft.“ Hagel lobte das außergewöhnlich hohe ehrenamtliche Engagement in Baden-Württemberg, etwa bei den Blutreitern und Blasmusikern, auch und besonders bei den Jugendlichen. „Daher haben wir hier die niedrigste Kriminalitätsrate in Europa bei den Jugendlichen.“ Dafür und für das beeindruckende und sehr gut organisierte Fest bedankte er sich bei den Verantwortlichen des Vereines und allen Helfern.

Später hatte der politische Ehrengast Manuel Hagel, der auf Einladung von Dekan Susak nach Unterschwarzach kam, noch eine ganz besondere Aufgabe. Während die Musik für den Verein „Zum Geburtstag viel Glück“ anstimmte, trugen die beiden Vorstände und Dekan Kurt Benedikt Susak eine Geburtstagstorte in Form der Zahl 75 nach vorne, die Hagel gemeinsam mit den Vorständen, dem Bürgermeister, der Ortsvorsteherin und dem Dekan anschneiden durfte.

Auch Bürgermeister Florian Schiller kam nicht mit leeren Händen. Nachdem er seine vorbereitete Rede abgekürzt hielt, weil seine Vorredner schon alles gesagt hätten, übergab er die Jubiläumsgabe der Stadt an Vorstand Josef Fleischer.

Ortsvorsteherin Gisela Brodd brachte noch einen ganz besonderen Gast auf die Bühne; der junge Mann war Elias Rief (Bild). Sein Urgroßvater Alois Rief war von 1946 bis 1951 Gruppenführer. Elias ist selbst schon aktiver Blutreiter und war an diesem Sonntag Teil der Fahnenabordnung.

Gerne stellte sich Manuel Hagel dann auch noch den Fragen zweier Ministranten (Bild), die sich zunächst nicht richtig getraut hatten, ihn anzusprechen. Am Ende gab es danach noch das obligatorische Selfie, ehe der Innenminister samt Security zum nächsten Termin aufbrechen musste.
Die bei solchen Festivitäten üblichen Fahnenbändel sind für die Standarten und Fahnen der Blutreiter nicht geeignet, hatte Vorstand Josef Fleischer festgestellt. Daher gab es für die verschiedenen Fahnenabordnungen als kleines Dankeschön fürs Kommen jeweils ein Vesperbrettle mit schwäbischen Spezialitäten, ehe sie aufbrachen.

Die Aktiven des Unterschwarzacher Blutreitervereins mit ihrem geistlichen Begleiter Dekan Kurt Benedikt Susak. Der Verein besitzt zwei Standarten und zwei Fahnen. Im zum Jubiläumsfest herausgebrachten Faltblatt heißt es: „Unser besonderer Dank gilt Dekan Pfr. Kurt Susak für die feierliche Gestaltung unseres Festgottesdienstes, unserem Ehrengast, Innenminister Herrn Manuel Hagel, für seine wertschätzende Anwesenheit sowie dem Musikverein Harmonie Unterschwarzach, der unser Jubiläum mit seiner Musik bereichert und ihm einen feierlichen Rahmen verleiht. Von Herzen danken wir ebenso allen Helferinnen und Helfern, Mitwirkenden, Unterstützern und Gästen, die mit ihrem Engagement, ihrer Zeit und ihrer Verbundenheit zu unserem Verein diesen besonderen Tag möglich machen. Gemeinsam blicken wir dankbar auf 75 Jahre gelebten Glauben, bewahrte Tradition und wertvolle Gemeinschaft zurück. Möge dieser Zusammenhalt auch die kommenden Generationen begleiten.“

15 Ministranten wirkten beim Festgottesdienst mit. Links neben Ortsvorsteherin Gisela Brodd die Ehrengäste (von links) Staatssekretär Raimund Haser, Innenminister Manuel Hagel und Bürgermeister Florian Schiller.
Text und Fotos: Uli Gresser
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Unter den roten Download-Balken in der rechten Spalte finden Sie zwei Faltblätter mit geschichtlichen Anmerkungen
Über die Festmesse haben wir eigens berichtet. Siehe „Hoher Besuch beim Blutreiter-Jubiläum in Unterschwarzach“, nachstehend abzurufen unter „Lesen Sie hierzu auch …“




























