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Drei Saiten und 88 Tasten

Balalaikakonzert fand erstmals in St. Verena statt

Foto: Ulrich Gresser
Auf dem Bild (v.l.): Verena Engels-Reiniger, die Initiatorin des Konzertes, spielte am Ende gemeinsam mit Sergej und Olga Riegel beim gemeinsam mit dem Publikum gesungenen Guten Abend Gute Nacht.
veröffentlicht am: 24.08.2026
Autor: Uli Gresser
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Bad Wurzach – Unter dem Motto „Leicht ums Herz“ konzertierte das Duo Olga (Piano) und Sergej Regel (Balalaika) aus Weißrussland auf ihrer seit 1999 alljährlichen Süddeutschland-Tour erstmals in der St. Verena Kirche.

Verena Engels-Reiniger dankte in ihrer Begrüßung der ökumenischen Kurseelsorge, die das Konzert in der St. Verena Kirche möglich gemacht hatte. Die evangelische Kurseelsorgerin hatte die Künstler vor acht Jahren in Albstadt-Ebingen kennengelernt und sie eingeladen, auch in Bad Wurzach und Bad Waldsee zu konzertieren. In den Jahren zuvor zunächst in der evangelischen Kirche und nun erstmals in St. Verena.

Eingestreut zwischen die Musikstücke wurden von Verena Engels-Reiniger kurze spirituelle Texte unter dem Motto „Leicht ums Herz“ vorgetragen. So etwa die Geschichte von der spielenden Äbtissin und dem Jäger. Dieser wollte sie an ihre schweren Aufgaben erinnern, da sei das Leben doch zu kurz um sich mit spielen die Zeit zu vertreiben? Sie antwortete ihm, warum er dann nicht die Sehne seines Bogens dauerhaft gespannt halte? Genau wie diese dann im entscheidenden Moment zu versagen drohte, wenn er das täte, so sei es auch mit ihr: Wenn sie nur ohne Pause arbeiten würde, würden Geist und Körper wie die Sehne des Bogens erschlaffen. „Beim Spiel, da schöpfe ich neue Kraft und kann im entscheidenden Moment das Richtige tun.“

Das weißrussische Künstlerpaar, das hauptberuflich an Musikhochschulen unterrichtet, konnte den wunderbaren Sakralraum mit meisterhaftem Spiel auf drei Saiten und 88 Tasten erfüllen. Dabei verblüffte Sergej Regel mit seinem virtuosen Spiel auf der Balalaika mit ihrem großen Ausdrucksspektrum die rund 90 Konzertbesucher. Ist das Instrument doch „nur“ eine kleine Laute mit dreieckigem Resonanzkörper.

Die Balalaika

Die Balalaika war ursprünglich als einfaches Holzinstrument zum volkstümlichen Musizieren verwendet worden. Seit dem späten 19. Jahrhundert etablierte sie sich im slawischen Kulturraum aber auch in verfeinerter Form als konzertgeeignetes Saiteninstrument zur Interpretation von klassischer Musik und wird daher schon lange an Musikhochschulen gelehrt.

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Sergej Regel erklärte sein Instrument und beantwortete auch Fragen aus dem Publikum. Etwa aus welchem Holz das Konzert-Instrument besteht (der Korpus aus Fichte oder Tanne, der Hals aus Ebenholz), wie lange das Instrument schon für Konzerte verwendet wird (etwa 150 Jahre) und was so ein Instrument kostet (eine einfache rund 100 €, das Konzertinstrument rund 1500 €). Und dass es vergleichbar mit der Geige auch Kontrabass-Balalaikas gibt.

Von seiner Frau Olga kongenial am Piano begleitet, werden zum Teil bekannte Klassiker im faszinierenden Dialog der beiden Instrumente zu Gehör gebracht. Dabei erstaunt deren Zusammenklang ebenso wie das große Können der Künstler, deren Händen die Besucher mit gebannten Blicken verfolgen. Denn die Balalaika erfordert eine spezielle Spieltechnik mit sehr schnellem, gleichmäßigem Anschlag, wobei links der Daumen eine bis zwei Saiten abgreift, während die übrigen Finger in atemberaubendem Tempo über den Hals springen. Faszinierend beim Spiel von Sergej Regel war auch, wie meisterhaft er innerhalb eines Stückes von der Schlagtechnik zur Zupftechnik wechselte, von Piano zu Forte mit allen möglichen Zwischentönen.

Das Konzert-Programm des Paares besteht aus slawischer Folklore sowie Bearbeitungen klassischer Werke, aus alten ukrainischen Volkstänzen und polnischer Mazurka, aber auch Polonaise, Bourrée und Menuett bis hin zum Tango und zur Romanze, komponiert von den Osteuropäern Wassilij Andreew, Alexander Schalow, Sergej Rachmaninow und A. Chatschaturian sowie den Westeuropäern George Bizet, J.S. Bach, Robert Schumann. Das bekannteste von ihnen gespielte Stück an diesem Abend war Brahms „Ungarischer Tanz No. 5“. Musik überwindet Grenzen, sie braucht kein Visum, sie geht direkt ins Herz. So wie das letzte Stück „Lara´s theme“ aus Doktor Shiwago, von dem es laut Wikipedia inzwischen mehr als 500 Cover-Versionen gibt und das die Konzertbesucher zu stehenden Ovationen hinriß.

Als Zugabe spielten Olga und Sergej Regel noch einen mitreißenden Tango, ehe das gemeinsam gesungene „Guten Abend, Gute Nacht“ den passend Abschluss des Konzertes bildete.
Bericht und Bilder: Uli Gresser

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