
Bad Wurzach – In Anwesenheit von Gisela Rothenhäusler als Initiatorin, dem ehemaligen Superior des Gottesberges Pater Konrad Werder, von Maria Ehrmann, der Kirchenpflegerin von St. Verena, den Gemeinderäten Klaus Schütt, Karl-Heinz Buschle und Norbert Fesseler sowie von Peter Depfenhart von der Bürgerstiftung und weiteren Interessierten weihte Stadtpfarrer Stefan Maier das von der Firma Joser / Leutkirch restaurierte, ganz besondere Feldkreuz an der Straße von Baf Wurzach nach Wengenreute oberhalb von Wiesen ein.
Die Bad Wurzacher Historikerin Gisela Rothenhäusler hatte in einem Aufsatz vor einigen Jahren bereits auf den schlechten Zustand des Feldkreuzes hingewiesen. Bereits bei der Aufnahme in die Liste der Kleindenkmäler im Jahre 1989 sei es in einem sehr schlechten Zustand gewesen. Diese Liste umfasste damals 275 Kreuze, dazu 28 Bildstöcke, von denen allerdings viele restaurierungsbedürftig sind, manchmal nur noch der Sockel übrig ist oder aber inzwischen ganz verschwunden sind. „Das Verschwinden dieser Kreuze spiegelt die Entwicklung unserer Gesellschaft, ist aber auch kulturgeschichtlich ein großer Verlust. Dies soll aber kein Vorwurf an die Besitzer sein, die manchmal auch nur durch Grundstückskauf in den Besitz eines solchen Kleindenkmals gekommen sind, denn die Restaurierung ist teuer – schnell ist ein vierstelliger Betrag notwendig.“
Die besondere historische Bedeutung an dem Kreuz wird erst auf den zweiten Blick sichtbar. Auf einer Marmorplatte steht der Segensspruch: „Nur im Kreuz allein ist Heil!“ Im Zusammenhang mit der Datierung im Sockel „1942“ kommt die Erkenntnis über die Bedeutung des Kreuzes auf. Genau so erging es Restaurator Stefan Joser. Als er am Sockel die Datierung sah, erkannte er die Wichtigkeit des vermutlich von den Salvatorianern damals – in der NS-Zeit – aufgestellten Kreuzes. Mit dem Wörtchen „allein“ brachten sie zu einer Zeit, als das Wirt „Heil“ inflationär gebraucht wurde, sehr subtil ihre Distanz zum nationalsozialistischen Regime zum Ausdruck, ohne dass man ihnen einen Strick daraus drehen konnte. Schließlich war „Im Kreuz ist Heil“ eine nicht unübliche Inschrift für ein Wegkreuz.
Einer der Nachfolger von Pater Lukas Klose, der der das Salvatorkolleg ab 1924 aufgebaut hatte, war Pater Sigismund Kraus, der damit vermutlich für die Aufstellung des Kreuzes verantwortlich war. „Er war sich sicher im Klaren darüber, dass die NS-Behörden das Aufstellen eines neuen Wegkreuzes höchst ungern sahen. Bereits 1937 hatte es einen Erlass des Reichsministers für kirchliche Angelegenheiten gegeben, in dem mitgeteilt wurde, dass die Errichtung von Bildstöcken, Wegkapellen usw. „unerwünscht ist, wenn lediglich eine reine Propagandawirkung zu Gunsten der kath. Kirche erzielt werden soll; ihre Errichtung ist nur … gerechtfertigt, wenn ein wesentliches religiöses Bedürfnis vorliegt.“ Pater Sigisbert und Pater Lukas waren beide sehr geübt darin, die Begründungen für bestimmte Maßnahmen so zu formulieren, dass sie nicht im offenen Widerspruch zu staatlichen Regelungen waren. Eine Erklärung für das Feldkreuz war sicher nicht schwer zu formulieren und mit bäuerlichen Traditionen leicht zu erklären, die in der NS-Ideologie einen hohen Stellenwert hatte“, schrieb Gisela Rothenhäusler damals.

Peter Depfenhart (Bild) dankte im Namen der Bürgerstiftung, die sich auch die Pflege von Feldkreuzen und Kleindenkmalen auf ihre Fahnen geschrieben hat, Gisela Rothenhäusler als der Initiatorin für die Restaurierung dieses besonderen Kreuzes. Er habe Pfarrer Maier gebeten, die Kirchengemeinde als Maßnahmenträger einzusetzen, obwohl das Kreuz nicht im Eigentum der Kirche stehe. Dass der Stadtpfarrer dies tat, sei in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich. Depfenhart dankte allen privaten Spendern und den Zuschussgebern, der Stiftung Weg.Zeichen“ der Diözese Rottenburg und der Volksbank Allgäu-Oberschwaben. Die Kirchengemeinde dankte ihrerseits der Bürgerstiftung für deren Beitrag. Und nicht zuletzt ging sein Dank an die Gemeinschaft der Salvatorianer, die damals ein mutiges Zeichen gegen das Regime gesetzt hatten. Dies sollte angesichts der aktuellen politischen Situation im Land heute ein Beispiel sein.

Pfarrer Stefan Maier (Bild) machte sich in seiner kleinen Ansprache Gedanken zum Kreuz als Zeichen des christlichen Glaubens. „Dass Jesus Christus für uns stirbt, genau das lässt das Kreuz strahlen. Im Kreuz allein ist Heil.“ Vielleicht habe diese Botschaft die Menschen im Jahre 1942 trösten können, ihnen Mut, Hoffnung und Durchhaltevermögen geben können. „Eine Botschaft, die zu jeder Zeit aktuell ist.“ Er dürfe nun dieses renovierte Kreuz segnen, auf dass es bezeuge und weitergebe, dezent, aber deutlich, ganz leise, aber für diejenigen, welche die Botschaft dahinter glauben und hören können, sehr deutlich.
Da die Veranstaltung beim Wegkreuz praktisch auf der Straße davor stattfand, sorgten die Mitglieder der Altersabteilung der Feuerwehr Bad Wurzach auf dem Weg vom Salvatorhof hinauf zum Wegkreuz und wieder zurück dankenswerterweise für die Sicherheit der „Pilger“.
Und auch die vorbeikommenden Verkehrsteilnehmer brachten ausreichend Geduld mit und warteten ab, bis die kleine Feier zu Ende ging.

Stefan Joser, der Restaurator des Wegkreuzes.

Gisela Rothenhäusler, die die Restaurierung angestoßen hatte.
Text und Fotos: Uli Gresser
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