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Die Vision der Inhaber-Familie Fassnacht

Auf dem Ziegelwerksgelände soll ein Gewerbe-Campus entstehen

Foto: ZWA
Die Inhaber-Familie Fassnacht hat eine Vision zur Entwicklung des Ziegelwerksareals konzipiert und vor kurzem vorgestellt.
veröffentlicht am: 28.10.2026
Autor: Uli Gresser
Lesedauer: ca. 6 Minuten

Arnach – Die Familie Fassnacht in Arnach hat eine Vision: Auf dem Ziegelwerksareal soll ein Gewerbecampus für Handwerk-Startups und den Mittelstand entstehen. Dazu luden vor kurzem Karl-Josef Fassnacht als Seniorchef und die nächste Generation – Sohn Julius, Tochter Lena Bilgeri und Schwiegersohn Simon Bilgeri – rund 70 Gäste aus Politik, Finanzwelt und Wirtschaft zu einem Kennenlern-Abend auf das Areal ein.

Seniorchef Karl-Josef Fassnacht im Gespräch mit Bürgermeister Florian Schiller und weiteren Interessierten.

Karl-Josef Fassnacht begrüßte die Interessierten, darunter Bürgermeister Florian Schiller und Ortsvorsteher Manfred Braun sowie Vertreter der örtlichen Banken. Sein Willkommensgruß galt vor allem Gewerbetreibenden und Handwerkern, die auf der Suche nach räumlichen Erweiterungsmöglichkeiten ihrer Profession waren.

Fassnacht begann mit einer Definition dessen, was die Gäste und Besucher als „Event“ zu erwarten hatten. „Event wird damit definiert, dass es sich um eine organisierte zeitlich begrenzte Veranstaltung mit einem bestimmten Ziel handelt.“ Der Event auf dem Ziegelwerksgelände war eine detaillierte Darlegung dessen, was die Inhaberschaft zur Entwicklung des Areals zu sagen hat. Und das war nicht wenig. 

Die Organisatoren hatten sich richtig Mühe gegeben. Daher dankte der Seniorchef allen, die den Abend mit viel Engagement vorbereitet hatten, den Mitarbeitern aus Verladung, Verwaltung und Vertrieb, und natürlich an seine Familie. Es ist nun die vierte Generation der Familie Schmid-Fassnacht, die nun „im Tobel“, wie man in Arnach sagt, unternehmerisch tätig ist. Tochter Lena Bilgeri und Schwiegersohn Simon Bilgeri leiteten jeweils eine der vier Stationen, während er selbst an der Station zur Geschichte des Ziegelwerkes Ausführungen machte. Fassnachts großer Dank ging auch an den Architekten Holger Traub aus Ravensburg, der in der Werkstatt über das Konzept eines Werkhauses informierte.

7,7 Hektar für gewerbliches Wirken

Das Ziel der Initiative: Der Bebauungsplan für das Ziegelwerk-Areal, der seit 2011 für das Gewerbegebiet Ziegelwerk Areal rechtskräftig ist, biete nach der Aufgabe der Ziegelproduktion und dem Auslaufen der EEG-Förderung der 1,3-MW-Solarflächen auf dem 7,7 Hektar großen Gelände große Entwicklungspotentiale. Die vierte Generation forciere ihr Engagement in diesem Bereich, benötige aber Netzwerker und Unterstützer wie eben jene Personengruppe, die nun vor ihm stehe, sagte Karl-Josef Fassnacht. Dass Bürgermeister Florian Schiller zur Präsention des Entwicklungsszenarios gekommen sei, zeige, dass ihm die Gewerbeentwicklung auch auf dem Ziegelwerk-Areal wichtig sei. Fassnacht betonte, dass die Zusammenarbeit mit Stadtverwaltung, Gemeinderat und Ortschaftsrat Arnach in allen Bereichen immer außerordentlich gut war. Insgesamt zeigt sich der 72-Jährige zuversichtlich: „Unser Land hat Chancen, wenn wir mit Zuversicht und Tatkraft vorangehen.“

Bau einer neuen Halle

Geplant sind im ersten Schritt die Erweiterung der Kaltlagerflächen, die aktuell schon von der Schäfereigenossenschaft Finkhof genutzt wird. Ab Herbst 2026 wird dazu die rund 3000 qm große Fläche von Halle 1 umgebaut. Dabei ist jede Parzelle mit einem Rolltor ausgestattet.

Geplant ist später der Neubau einer knapp 6000 qm großen Halle. Die Parzellen basieren dabei auf einem 6×6-Meter-Raster und können dadurch flexibel erweitert werden. 

Campus mit Cafeteria

Herzstück des Projektes aber wird der Ziegelwerk-Campus sein: Mit einer gemeinsamen IT-Infrastruktur, modernen Meetingräumen, die von mehreren Unternehmen gemeinsam genutzt werden können, Stichwort: gesenkte individuelle Investitions- und Fixkosten sowie zentrale Ladepunkten für E-Mobilität. Begrünte Außenflächen und die zum Biotop umgewandelte ehemalige Lehmgrube, Terrassen und die zentrale Cafeteria „Ziegelofen“ erhöhen die Lebens- und Arbeitsqualität und sind ein wichtiger Standortvorteil, um gezielt Fachkräfte anzulocken. 

Vier Info-Punkte

In vier Gruppen aufgeteilt kamen die Besucher zu vier Informationspunkten: An einer wurden sie von Lena Bilgeri über die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten informiert.

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Lena Bilgeri nahm die Gäste mit in die Vision des Ziegelwerk-Areals und machte den Masterplan auf besonders anschauliche Weise erlebbar: mit einem selbst gedruckten und bemalten 3D-Modell (Bild). So wurde greifbar, wie sich das Areal Schritt für Schritt entwickelt. Im Mittelpunkt stand dabei auch der erste Bauabschnitt mit der Sanierung der Lager- und Gewerbehalle, in der ab Ende 2028 rund 3.000 m² Fläche zur Verfügung stehen, sowie das geplante Werkhaus – das künftige Zentrum des Campus.

An der nächsten Station gab es von Simon Bilgeri Infos zum grünen Energie-Konzept.

Besonders spannend war auch der Blick auf das Thema Nachhaltigkeit, dargeboten von Simon Bilgeri (Bild). Dabei wurde deutlich, dass im Ziegelwerk Areal nicht nur gebaut und entwickelt, sondern mit einem klaren Plan in die Zukunft gedacht wird. Gemeinsam mit dem Institut für Energietechnik der Technischen Hochschule Amberg-Weiden entsteht ein langfristiger Transformationsplan, mit dem fossile Energieträger und CO₂-Emissionen Schritt für Schritt reduziert werden sollen. Konkrete Maßnahmen wie PV-Eigenverbrauch ab 2027, ein geplanter Batteriespeicher ab 2029 sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur für LKWs und PKWs zeigen, dass Nachhaltigkeit hier ganz praktisch umgesetzt wird. So entsteht ein Standort mit Perspektive – zukunftssicher, innovativ und mit echtem Mehrwert für Unternehmen, Mieter und Mitarbeitende.

An der dritten Station wurde vom Ravensburger Architekt Holger Traub anhand des Beispiels Sterkel-Areal in Ravensburg über die gemeinschaftsbildenden Vorteile des Campus-Gedanken aus eigener Erfahrung informiert.

Ein zentrales Thema des Abends war das geplante Werkhaus, das künftig als Herzstück des Areals eine besondere Rolle einnehmen wird. Bei einem Rundgang über das Gelände konnten die Gruppen den künftigen Standort direkt erleben. In der aktuellen Werkstatt wurden sie von Julius Fassnacht begrüßt, bevor Holger Traub (Bild), der den Umbau des Gebäudes plant, weitere Einblicke in die Konzeption und Entwicklung des Werkhauses gab. Gedacht ist das Werkhaus als Zentrum des Campus – ein Ort mit Büroflächen, Werkstätten sowie einem modular nutzbaren Eventraum und einer Cafeteria. Hier soll Raum für Austausch, Zusammenarbeit und neue Ideen entstehen und damit ein wichtiger Beitrag zu einem lebendigen, zukunftsorientierten Campus geleistet werden.

Karl-Josef Fassnacht erläuterte die Geschichte des Ziegelwerk-Areals, auf dem von 1843 an bis 2001 Ziegelsteine produziert wurden (ab 1876 von der Vorgänger-Familie Blank) und das seit 1919 im Besitz der Familie Schmid-Fassnacht ist. Stillstand habe es dabei nie gegeben: Die Betondeckenproduktion wurde nach der Aufgabe der Ziegelherstellung modernisiert und ausgebaut und seit zehn Jahren werden die Bestandshallen als Kaltlager vermietet.

Mit alten Bildern, alten Fundstücken und spannenden Eindrücken aus dem Archiv nahm Karl-Josef Fassnacht (Bild) die Gäste mit auf eine Zeitreise. Dabei wurde auf schöne Weise spürbar, wie tief das Ziegelwerk in der Region verwurzelt ist und wie viel gewachsene Identität in diesem Ort steckt. Gerade dieses starke Fundament macht die heutige Entwicklung so besonders.

Das große Interesse an diesem Infoabend zeigte der vierten Generation der Familie Fassnacht deutlich, dass sie mit ihrer Vision „Gemeinsam.Arbeiten.Leben.Innovativ sein“ auf dem richtigen Weg sind.
Text und Fotos: Uli Gresser

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