Bad Wurzach – Seit über fünf Jahrzehnten ziehen die zehn Musikkapellen der Stadt an einem Samstagabend im Juni, in diesem Jahr am 27. Juni, sternförmig vom Amtshaus, vom Spital und von der Luxeuil-Brücke zum Stadtbrunnen, wo sie sich zu einem imposanten Gesamtchor mit mehr als 400 Musikerinnen und Musikern vereinten. Das Mammutkonzert war, wie bereits im vergangenen Jahr, unter dem Dirigat von Jugendmusikschul-Leitern Eva Oberleiter, während seit vielen Jahren die Organisation und die Moderation des Events in den Händen von Wolfgang Grösser liegt.
Traditionell machte die Stadtkapelle Bad Wurzach den Auftakt: Unter Leitung von Petra Springer vom Amtshaus her kommend, spielte sie den Konzertmarsch „Saint Triphon“ von Artur Ney.
Ihr folgte aus Richtung Luxeuil-Brücke der Musikverein Seibranz unter Erich Minsch mit dem Marsch „Flaggenparade“ von Helmut Bernhard.
Der Musikverein Haidgau folgte aus der Richtung Spital unter Leitung von Ralf Krug mit dem Marsch „Stets treu“ von Sebastian Sürgers (auf der Basis des Volksliedes „Üb immer treu und Redlichkeit“). Die Haidgauer konnten schon im Vorfeld der Serenade ein Wiedersehen mit Klaus Wachter, ihrem ehemaligen Dirgenten, feiern; dieser war als stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender des Blasmusikverbands Ravensburg gerne nach Bad Wurzach gekommen.
Als vierte Kapelle marschierte die Musikkapelle Ziegelbach unter ihrem Dirigenten Bernd Schosser aus Richtung Amtshaus mit dem Straßenmarsch „In alter Freundschaft“ von Franz Watz zum Stadtbrunnen.
Jan Heinrich durfte an diesem Abend die Musikkapelle Dietmanns als Nachwuchsdirigent mit dem Ernst-Übel-Stück „Mit Spiel voran“ zum Stadtbrunnen leiten.
Normalerweise spielt Lucy Leser beim Musikverein Unterschwarzach die Oboe; an diesem Abend durfte sie mit dem Straßenmarsch „Flying Eagle“ von Tom Dawitt Dirigentinnenerfahrung sammeln, da Stammdirigent Manfred Bachmor selbst im Orchester mitspielte.
Der Musikverein Arnach hatte an diesem Wochenende alle Hände voll zu tun, tanzten sie doch auf zwei Hochzeiten: Angeführt von ihrem Dirigenten Berthold Hiemer spielten die Arnacher beim Einzug zum Serenadenkonzert den Marsch „Olympiade“ des böhmischen Komponisten Jaroslav Labsky. Den Arnachern war es zu verdanken, dass sich in diesem Jahr elf Kapellen am Sternmarsch beteiligten: Sie hatten Besuch der befreundeten Musikkapelle aus St. Margarethen im Lavanttal in Kärnten, die sich beim Musikfest in Herlazhofen am sonntäglichen Festumzug beteiligte, während die Arnacher dort den Höhepunkt, den Fahneneinzug, musikalisch begleiten durften.
Der Anmarsch der nächsten drei Kapellen, des Musikvereines Hauerz mit Dirigentin Sabine Götze, des Musikvereines Eggmannsried mit Bernd Butscher am Dirigentenstab sowie des Musikvereins Eintürnen mit Alexander Dreher als musikalischem Leiter wurden zu Siegfried Rundel-Festspielen: „In Harmonie vereint“, „Schönes Prag“ und „Ferienfahrt“ stammen alle aus der Feder des Begründers des Blasmusikverlags.
Umjubelt: die Gäste aus dem Lavanttal
Ganz zum Schluss bekam dann die Kapelle aus dem Lavanttal ihren umjubelten Auftritt: Unter der Stabsführer von Laura Streit spielten die Kärntner „Mein Heimatland“ von Sepp Neumayr. Außer ihrer Musik hatten die Gäste aus Österreich auch drei Festdamen mitgebracht, die selbstgebrannte Schnäpse und Liköre aus ihrer Heimat feilboten.


Sie führte die Trachtenkapelle aus St. Margarethen im Lavanttal (Kärnten) an.

Sie kredenzten Spirituosen aus ihrer Heimat.

Besuch aus Kärnten.
Gesamtchor unter der Leitung von Eva Oberleiter

Als alle Musikanten sich zum Gesamtchor formiert hatten, bestieg Eva Oberleiter (Bild) das Dirigentenpodest und eröffnete das gemeinsame Spiel der über 400 Musiker mit der festlichen „Musica Gloriosa“ von Alfred Bösendorfer. Nach diesem sehr gelungenen Auftakt, den die Musikanten übrigens ohne eine zusätzliche gemeinsame Probe hinlegten, war es Zeit für das Grußwort, der politischen Führung der Stadt.


„Musik verbindet“
Mit dem Titel des 50iger-Jahre-Schlagers „Musik liegt in der Luft“ eröffnete Bürgermeisterstellvertreter Klaus Schütt seine kleine Rede. Im Namen der Stadt freute er sich, die Besucher des Serenadenkonzertes, das seit mehr als 50 Jahren fester Bestandteil des Jahreslaufes der Stadt sei, begrüßen zu dürfen. Ein wahrhaft beeindruckendes Bild böten die Musiker für die Zuschauer und Zuhörer. Ganz besonders begrüßte er natürlich die österreichischen Gäste sowie Eva Oberleiter als Dirigentin des Gesamtchores. „Beim Anblick der vielen Musiker aus den unterschiedlichsten Altersgruppen wird einem klar: Musik verbindet über Generationen hinweg in unserer Stadt.“ Nach dem Dank an die Musiker ging ein großes Dankeschön an den Moderator und Organisator des Abends, Wolfgang Grösser. Desweiteren an die Feuerwehr und die Mitarbeiter des Bauhofes, die für die erforderlichen Absperrungen der Straßen sorgten. Und schließlich an das engagierte Team der Butterfly-Darters Bad Wurzach, das nach dem Konzert im Schlosshof für das leibliche Wohl von Musikern und Gästen sorgte.

Bei ihm liefen die Fäden zusammen: Organisator und Moderator Wolfgang Grösser.
Gesang aus 400 Kehlen
Mit der wohl bekanntesten Polka des begnadeten österreichischen Komponisten und Musikers Markus Nentwich „Eine letzte Runde“ setzten die Musiker das Konzert fort. Ebenfalls mit einer seiner bekanntesten Kompositionen, der „Kuschel-Polka“, würdigten sie das Werk des bekanntesten einheimischen Komponisten Peter Schad. Der Marsch „Dem Land Tirol die Treue“, geschrieben von Florian Pedarnig 1955, ist seit vielen Jahren Bestandteil des Repertoires einer jeder Kapelle und war 2022 auf dem Oktoberfest die Nummer zwei der am häufigsten gespielten Titel. Am vergangenen Samstag (27. Juni) erlebten die Zuhörer eine Besonderheit: Der Titel mit Gesang erklang aus 400 Kehlen. Die abschließende Polka „Beim Frühlingsfest“ war eine Verbeugung vor den Machern des weitum bekannten Dietmannser Frühlingsfestes, das Markus Riss und sein Team vom Musikverein Dietmanns seit vielen Jahren erfolgreich stemmen. Die Polka, vom gebürtigen Dietmannser Bernd Butscher geschrieben, sei als Gratulation für das 180-jährige Jubliäum des MV Dietmanns gedacht, erläuterte Wolfgang Grösser dem Publikum.











Der „Bozner Bergsteigermarsch“ als Zugabe
Als Zugabe ausgewählt hatten die Verantwortlichen dann mit dem „Bozner Bergsteigermarsch“ dann einen Titel, den wirklich jeder mitsingen konnte.

Doch danach war noch lange nicht Schluss: Im Schlosshof bewiesen viele Musikanten und Besucher noch gutes Sitzfleisch, während die österreichischen Gäste bei der Stadtwirtschaft noch ein kleines Spontankonzert gaben.
Text und Fotos: Uli Gresser
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