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    Vernissage findet am Freitag, 23. Oktober, um 18.00 Uhr

    Heidrun Becker entführt mit ihren Frauenbildern in das Paris der 1920er-Jahre

    Foto: Erwin Linder
    Heidrun Becker im Atelier.
    veröffentlicht am: 25.09.2026
    Autor: Erwin Linder
    Lesedauer: ca. 6 Minuten

    Bad Waldsee – Vielleicht sitzt sie gerade am Nebentisch. Eine junge Frau mit kurzem, dunklem Haar, roten Lippen und einem selbstbewussten Blick. Neben ihr ein Maler, der auf einer Serviette eine Skizze anfertigt. Ein Fotograf kommt herein, ein Schriftsteller diskutiert angeregt mit seinem Gegenüber. Draußen rauscht der Verkehr über den Boulevard du Montparnasse. Drinnen wird geredet, gelacht, geraucht und über Kunst gestritten. Es ist das Paris der 1920er-Jahre – die Welt der Bohème, der Künstlercafés und der „Années folles“. Eine Welt, die bis heute eine ganz besondere Faszination ausübt. Und genau in diese Welt führt die Bergatreuter Künstlerin Heidrun Becker mit ihrer neuen Ausstellung im Fürstlichen Golf-Resort Bad Waldsee. Der Titel lautet „Bohème-Künstlercafé in Paris“. Die Vernissage findet am Freitag, 23. Oktober 2026, um 18.00 Uhr statt.

    Montparnasse – wo die Kunst am Café-Tisch entstand

    Im Pariser Viertel Montparnasse gehörten Cafés wie Le Dôme und La Rotonde in den 1920er-Jahren zu den Treffpunkten der internationalen Künstler- und Literaturszene. Hier begegneten sich Maler, Schriftsteller, Fotografen, Musiker, Modelle und Menschen, die einfach Teil dieser außergewöhnlichen Welt sein wollten. Das Musée d’Orsay beschreibt die Café-Kultur von Montparnasse als einen besonders lebendigen Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen.

    Einer der bekanntesten Menschen dieser Szene war eine junge Frau namens Alice Prin, die unter ihrem Künstlernamen Kiki de Montparnasse berühmt wurde. Sie war Modell, Sängerin, Tänzerin, Schauspielerin und selbst Malerin. Künstler wie Modigliani, Foujita, Soutine und andere ließen sich von ihr inspirieren. Kiki gehörte damit keineswegs nur an den Rand dieser Künstlerwelt – sie war selbst eine ihrer prägenden Figuren.

    Kiki besuchte den Dôme und vor allem die Rotonde. Sie trug ihr Haar kurz, betonte ihre Augen mit dunklem Make-up und ihre Lippen mit kräftigem Rot. 1921 lernte sie Man Ray kennen, mit dem sie mehrere Jahre verbunden war. Seine Fotografien machten sie zu einer Ikone der Pariser Avantgarde.

    Man Ray fotografierte Kiki immer wieder. Eines der berühmtesten Bilder der Kunstgeschichte entstand 1924: „Le Violon d’Ingres“. Kikis Rücken wird darin durch aufgesetzte Violinschnecken zum scheinbaren Musikinstrument. Das Bild steht bis heute exemplarisch für die außergewöhnliche Verbindung von Fotografie, Körper, Kunst und Inszenierung, die diese Pariser Jahre prägte.

    Heidrun Beckers Frauen

    Es ist diese Welt, die Heidrun Becker fasziniert. Ihre Frauenbilder erzählen allerdings keine konkreten historischen Geschichten und zeigen auch nicht Kiki de Montparnasse als Porträt. Vielmehr entstehen die Frauen aus der Fantasie der Künstlerin. Sie sind ihre persönliche Vorstellung von jenen Frauen, die in den Pariser Cafés, Ateliers und Künstlerkreisen der 1920er-Jahre anzutreffen gewesen sein könnten. Und sie besitzen sofort diese besondere Ausstrahlung: kurze Haare, markante Gesichter, auffällige Lippen, Schmuck, modische Kleidung – und vor allem diesen direkten, manchmal beinahe herausfordernden Blick.

    Charakteristisch für Heidrun Beckers Arbeiten ist der schwarze Konturstrich. Mit wenigen, sicheren Linien setzt sie Augen, Nase und Mund und gibt damit dem Gesicht seinen Ausdruck. Erst danach wird die Zeichnung koloriert.

    Heidrun Becker. Foto: Erwin Linder

    Wer die Künstlerin einmal bei der Arbeit erlebt hat, weiß, dass dieser erste Strich nicht lange vorbereitet wird. Becker sagt selbst, dass sie ihre Frauen aus der Fantasie heraus entstehen lässt und die Konturen mit sicherer Hand direkt auf das Glas bringt – in relativ kurzer Zeit und gewissermaßen aus einem Zug.

    Gemalt wird auf der Rückseite des Glases

    Damit ist auch schon eine weitere Besonderheit ihrer Arbeiten angesprochen: Heidrun Becker malt hinter Glas. Das bedeutet nicht, dass ein fertiges Bild später mit einer Glasscheibe versehen wird. Das Glas selbst ist der Bildträger. Die Künstlerin arbeitet auf dessen Rückseite. Was der Betrachter von vorne sieht, ist also die durch das Glas betrachtete Malerei. Diese Technik verleiht den Bildern ihre ganz eigene Wirkung. Der kräftige Konturstrich bleibt klar und unmittelbar sichtbar, während die Farben dahinter ihre Wirkung entfalten. Aus wenigen Linien entstehen so Gesichter, die eine erstaunliche Individualität entwickeln.

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    Vielleicht ist es genau das, was die Verbindung zu den Frauen von Montparnasse so reizvoll macht. Auch sie waren Frauen, die sich nicht mehr unbedingt in die vorgegebenen Rollen ihrer Zeit einfügen wollten. Sie trugen kurze Haare, bewegten sich selbstverständlicher in der Öffentlichkeit und gehörten ganz selbstverständlich zur kulturellen Szene der Großstadt.

    Heidrun Becker nimmt dieses Lebensgefühl nicht als historische Lehrstunde auf. Sie erfindet ihre eigenen Frauen dieser Zeit. Und so könnte man beim Betrachten ihrer Bilder tatsächlich meinen, eine der Damen vom Nebentisch im Montparnasser Künstlercafé wiederzuerkennen. Vielleicht ist es Kiki. Vielleicht eine junge Malerin. Vielleicht eine Tänzerin aus einem nahe gelegenen Cabaret. Vielleicht aber auch einfach eine Frau, die Heidrun Becker irgendwann vor ihrem inneren Auge gesehen hat.

    Eine Einladung nach Paris

    Mit „Bohème-Künstlercafé in Paris“ lädt Heidrun Becker deshalb nicht nur zu einer Kunstausstellung ein. Sie öffnet ein Fenster in eine Zeit, in der Paris für viele Künstler als Ort der Freiheit, der Begegnung und der künstlerischen Experimente galt.

    Wer sich auf diese Reise einlassen möchte, ist zur Vernissage am Freitag, 23. Oktober 2026, um 18 Uhr im Fürstlichen Golf-Resort Bad Waldsee eingeladen.

    Vielleicht genügt dann ein Blick auf eines dieser Gesichter – und man sitzt für einen Augenblick selbst an einem kleinen Tisch am Boulevard du Montparnasse, vor sich einen Café au lait, neben sich die Künstler der Zeit und gegenüber eine jener geheimnisvollen Frauen, die Heidrun Becker bis heute faszinieren.

    Zur Künstlerin Heidrun Becker

    Heidrun Becker, Jahrgang 1944, wurde in Ehingen geboren und lebt und arbeitet heute als freischaffende Künstlerin in Bergatreute. Ihre künstlerische Ausbildung und Entwicklung wurde unter anderem durch Seminare an der Kunstschule Ravensburg sowie durch die Künstler Rudolf Weber, Rolf Weiß und Michael Hayworth geprägt. Becker gehörte zur von Rolf Weiß gegründeten „Gruppe 13“.

    Seit 1990 ist sie mit zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im süddeutschen Raum vertreten. Dreimal nahm sie an der jurierten Ausstellung „Kunst im Landkreis Ravensburg“ teil. Ihre Arbeiten befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen.

    In ihrer künstlerischen Arbeit experimentiert Becker mit unterschiedlichen Materialien und Techniken. Neben Acrylfarben verwendet sie unter anderem Wachs, Gips, Marmormehl, Quarzmehl und Pigmente. Ein besonderes Merkmal ihrer jüngeren Arbeiten sind die hinter Glas gemalten Frauenbilder.

    Ausstellung:
„Bohème-Künstlercafé in Paris“
Vernissage: Freitag, 23. Oktober 2026, 18 Uhr
Fürstliches Golf-Resort Bad Waldsee

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    veröffentlicht am
    25.09.2026
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