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„Touching the Unknown“

Ausstellung von Marlen Tennigkeit im Haus am Stadtsee bis 15. November verlängert

Foto: Peter Lutz
Marlen Tennigkeit (links) und Anne Boeseberg im Dialog.
veröffentlicht am: 07.11.2026
Autor: Peter Lutz
Lesedauer: ca. 5 Minuten

Bad Waldsee – „Touching the Unknown“ – das ist der Titel der Ausstellung von Marlen Tennigkeit in der „kleinen Galerie“ im Haus am Stadtsee in Bad Waldsee. Sie wurde bis 15. November verlängert. Nachstehend der Bericht von Peter Lutz zur Eröffnung der Tennigkeit-Ausstellung. Die späte Veröffentlichung des Vernissage-Berichts hat produktionsinterne Gründe. Sie geht nicht zu Lasten unseres Reporters, der zeitig geliefert hat. Lutz schreibt: 

Grafik von Marlen Tennigkeit.

Der „kleinen Galerie“ im Haus am Stadtsee gelang es erneut, eine Kunstschaffende in die Kurstadt zu holen, die mit unüblichen Techniken und Materialien Unübliches kreativ gestaltet. Vergleichbares kannte Galerieleiter Axel Otterbach bislang nicht und war daher spontan begeistert von den Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerin. Sie war Meisterschülerin bei Caroline Achaintre im Fach Textile Künste an der Kunstschule Halle und studierte auch an der Akademie für Kunst, Architektur und Graphik-Design in Prag. Sie wurde zahlreich ausgezeichnet und erhielt mehrere Stipendien und Förderungen. Derzeit wird sie von der Stadt Soest mit einem Stipendium gefördert. 
In seiner Begrüßung verwies Galerieleiter Otterbach auf zusätzlich Außergewöhnliches im Schaffen und Präsentieren Tennigkeits. Ihre Skulpturen werden nie auf Sockeln gezeigt und ihre Grafiken sind rahmenlos. Wieder mal bedauerte Otterbach den geringen Stellenwert von Kunst und Kultur, die nur Minderheiten erreiche oder in öffentlichen Haushalten gerne von Sparmaßnahmen betroffen seien. In unserer freien Gesellschaft sollte Kunst den Status kommunaler Pflichtaufgaben haben, forderte Otterbach. Stattdessen erscheine sie in den Budgets als Subventionen wie beispielsweise die Subventionierung eines zu modernisierenden Bahnhofsgebäudes.

Fünf Skulpturen im Raum.

Üblicherweise gehören zu Ausstellungseröffnungen Laudationes für den Künstler durch eine sachkundige Person. Diesmal aber gab es eine Art Dialog zwischen Anne Boesenberg und der Künstlerin. Boesenberg ist Kunsterzieherin am Gymnasium Weingarten und selbst auch Kunstschaffende. Sie strukturierte den Dialog mit Tennigkeit mit „was“, „wie“, „warum“, „wohin“, „woher“ oder mit „was soll das eigentlich“. Sie finde die Exponate sehr präsent, die Skulpturen auf dem Boden und die Grafiken an der Wand. Dass die Künstlerin sowohl Skulpturen als auch Grafiken schaffe, liege an ihrer Qualifikation Bildhauerei und Siebdruck, wovon sie nicht lassen möchte, obwohl gleichzeitiges Arbeiten mit Schaumstoff und Grafiken sehr unterschiedliche und auch diametrale Herausforderungen seien.

Deshalb arbeite die Künstlerin in zwei getrennten Ateliers. Boesenberg empfindet in den Arbeiten Tennigkeit Anmutungen, die an Wachsen und Blühen und Zellen erinnern, die weder Anfänge noch Enden noch Kanten haben, was einem spielerischen Prozess des Werdens entspreche. Ihre Skulpturen entstehen aus industriellem Schaumstoff, der ansonsten auf vielfältige Weise verbraucht werde. Das Material bestehe hauptsächlich aus Luft und müsse gepresst und fixiert werden, damit körperhafte Anmutungen entstehen können. Dazu verweist Boesenberg auf die Skulptur „Layerlou“, die sie gerne drücken möchte – eben „touching the unknown“ – habe sie doch eine außergewöhnliche Präsenz im Raum. Das „Layer“ in ihrem Titel weise darauf hin, dass sie in mehreren Wellen bzw. Schichten geschaffen wurde.

Marlen Tennigkeit (links) und Anne Boesenberg.

Was machen Arbeiten mit oder ohne Titel/Namen mit dem Betrachter, fragte Boesenberg. Tennigkeit sieht in der Betitelung  eine zusätzliche Spannung und Assoziation. Damit entstehen auch Hinweise darüber, ob Formen weiblich oder männlich sind. Bei den Skulpturen „Sweetie“ oder „Darling‘ sei das sicher klar. Auch eine Entscheidung für monochrom oder farbig wurde erörtert. Bei farbigen Schaumstoffen sei das Herangehen mehr experimentell und malerisch, beispielsweise beim Gießen und Pressen auf Matten, um unerwünschten Ausdehnungen vorzubeugen. An dieser Stelle führte das Gespräch zur möglichen Bildung und Gestaltung von Falten(-würfen), was Tennigkeit doch auch studiert habe. Boesenberg verwies hier an Conrad van Soest, der im vierzehnten Jahrhundert für weiche Stilarten in der Gotik prägend wurde. Falten produzieren Reize, die die Künstlerin beim Fixieren der Schaumstoffe und ihrem Verkleben schaffe.

Ob Tennigkeit auch von anderen Künstlern inspiriert sei, war Thema. Spontan verwies die Künstlerin auf ihre Lehrerin Caroline Achaintre, die aber flächig und mit Keramik arbeite. Dahin könnte sich auch Tennigkeit selbst entwickeln. Auch textile Anmutungen seien künftig für sie vorstellbar. Über den Siebdruck könnten Ideen beim Arbeiten mit Spitzenstoff oder beim Eintauchen in hingeworfene Kleidungsstücke erwachsen. Und die Techniken bei ihren Grafiken erfahren ständig Weiterentwicklungen. Tennigkeit verwendet dazu extrem glattes Trägerpapier, wie es vermehrt bei Herstellern beispielsweise von papiernen  Pralinenschachteln oder Trinkbechern gebraucht werde. Besonders weicher Kohlenstoff Graphit werde stark auf das Trägerpapier aufgetragen, um es dann mit Radiergummi strukturend zu entfernen. Gegenständliches solle dabei nicht entstehen, viel eher Abstraktes. Die Künstlerin erwähnte in diesem Zusammenhang das Betrachten durch Mikroskope, wobei ganz neue Welten sichtbar würden und träumerisch inspirierten. Die Grafik „Melatonin“ ist wohl ein Beispiel dafür.

Die Ausstellung ist noch bis 15. November täglich zu sehen (10.00 Uhr bis 19.00 Uhr).

Skulptur Layerlou (Schaumstoff).

Drei Skulpturen, darunter Sweetie und Darling (Schaumstoff).

Markus Leser, Roland Umbrecht und Frau Otterbach im Gespräch.

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Grafik.

Rudolf Forcher begrüßt Ursula Krabbe.

Forcher verfolgt den Dialog zwischen Künstlerin und Laudatorin.

Axel Otterbach spricht einführende Worte.

Skulptur aus buntem Schaumstoff.

Grafik.

Am 22. November

Die nächste Ausstellung der „kleinen galerie“ im Haus am Stadtsee startet am 22. November. Anita Dietrich zeigt unter dem Titel „Rote Säcke“ Fotomontagen und Grafik-Design. Jene Ausstellung geht bis 3. Januar 2027.
Text und Fotos: Peter Lutz

Anm. d. DBSZ-Red.: Die späte Veröffentlichung des Vernissage-Berichts hat produktionsinterne Gründe. Die Redaktionsleitung der Bildschirmzeitung ist derzeit verstärkt mit dem Aufbau der Ausgaben Isny und Wangen und dem Ausbau der übrigen Ausgaben befasst. Zudem hat mit dem wachsenden Erfolg der Bildschirmzeitung die Fülle des Materials, die wir zu bewältigen haben, stark zugenommen. Deshalb kommt es derzeit zu Verzögerungen bei der Bearbeitung. Wir bitten um Nachsicht. Wir sind bemüht, die Engpässe zu beseitigen.

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07.11.2026
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