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    Landwirtschaft und Hauswirtschaft

    63 Goldene Meister-Briefe verliehen

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    Foto: Peter Lutz
    63 Goldene Meisterbriefe für Landwirte und Hauswirtschafterinnen, die vor 50 Jahren ihre Meisterprüfung abgelegt hatten, wurden am 1. März in Gaisbeuren verliehen.
    veröffentlicht am: 05.03.2026
    Autor: Peter Lutz
    Lesedauer: ca. 10 Minuten

    Bad Waldsee-Gaisbeuren – Die Vereine Landwirtschaftliche Fachbildung Wangen-Leutkirch und Ravensburg-Bad Waldsee (vlf) luden am 1. März zur Überreichung Goldener Meisterbriefe für Hauswirtschaft und Landwirtschaft. Geehrt wurden 24 Hauswirtschaftsmeisterinnen und 49 Landwirtschaftsmeister. Die Liste der Geehrten haben wir am Ende des Artikels unter „Downloads“ hinterlegt.

    24 Hauswirtschaftsmeisterinnen und 49 Landwirtschaftsmeister erhielten am 1. März in Gaisbeuren ihren Goldenen Meisterbrief überreicht. Darunter war auch der frühere Bundestagsabgeordnete Waldemar Westermayer aus Leutkirch. Er hat seinen Meister im Alter von 22 Jahren gemacht.

    Der frühlingshaft von den Landfrauen Reute-Gaisbeuren dekorierte Saal des Dorfgemeinschaftshauses in Gaisbeuren war bereits vor offiziellem Beginn der Feier voll besetzt. Es war ein frohes Wiedersehen alter Kolleginnen und Kollegen aus dem östlichen Teil des Landkreises Ravensburg. In Vertretung von Oberbürgermeister Matthias Henne war Ortsvorsteher Achim Strobel vor Ort. Durch das Programm führte in bewährter Weise Barny Bitterwolf, der die meisten Geehrten wohl aus seiner dreißigjährigen Tätigkeit an der Bauernschule Bad Waldsee persönlich kannte. Zunächst musste er die recht intensiven Meinungsaustausche und Wiedersehensfreuden der Gäste zum Schweigen bringen, um die Ehrungsfeier eröffnen zu können. Insbesondere begrüßte er die Vorsitzende des vlf Ravensburg-Bad Waldsee, Christine Dorn-Bohner, die solche Anlässe charmanter und kompetenter moderieren könne als er selbst. Die heute zu Ehrenden haben 50 Jahre lang viel geschafft und einiges aufgebaut oder bewältigt, meinte er anerkennend.

    Barny Bitterwolf sorgte für Musik und Unterhaltung

    Lieder und Musik/Instrumente gehören bei Barny immer dazu. Auf diese Weise wird jede Veranstaltung interaktiv und alle sind eingeschlossen. So war einiges über die Schalmei zu erfahren. Dieses Instrument stamme aus dem Bergbau und diente dort früher als Warninstrument. Und es war auch Erich Honeckers Lieblingsinstrument, das er mit Udo Lindenberg für dessen E-Gitarre tauschte. Die hölzerne Schalmei brachte er natürlich auch zum Klingen. Barny betonte das anspruchsvolle Niveau der fachlichen Bildung im landwirtschaftlichen Bereich, das auch Herzensbildung einschließe. Nur mit diesem erworbenen Wissen haben wir im ländlichen Raum so viele und schwierige strukturelle Änderungen seit Mitte der Siebzigerjahre bewältigen können. 

    Christine Dorn-Bohner hob den hohen Wert fachlicher Bildung hervor

    Auch Christine Dorn-Bohner (Bild) hob den hohen Wert fachlicher Bildung in schwierigen Zeiten des wiederholten Strukturwandels hervor. Sie zitierte den Friedens-Nobel-Preisträger Nelson Mandela, der Bildung als mächtigste Waffe sah, die man verwenden könne, um die Welt zu verändern, sie befähige Menschen, aktiv auch an der Gestaltung der Gesellschaft teilzunehmen. Sie dankte Barny für seine engagierte Bildungsarbeit an der Bauernschule. Auch namhafte Gäste und Mitwirkende durfte sie begrüßen, unter anderem Anita Schmitt vom Regierungspräsidium Tübingen, Amts- und Schulleiterin Andrea Gmeinder, Bildungsreferent Florian Eisele, Anne-Katrin Peters (zuständig für hauswirtschaftliche Beratung), Ortsvorsteher Achim Strobel, Franz Schönberger, Vorsitzender des Bauernverbands Allgäu-Oberschwaben, Anton Müller, Vorsitzender des vlf Bodenseekreis, Thomas Lötsch vom Dezernat Kreisentwicklung, Wirtschaft und ländlicher Raum im Landratsamt Ravensburg, und Inga Holzinger, Geschäftsführerin des vlf Wangen-Leutkirch. Ihr besonderer Dank galt dem Team der Landfrauen Reute-Gaisbeuren unter Führung von Ingrid Maucher, das für Dekoration und vorzügliches Kuchenbuffet zuständig war. Und weil in nur noch einer Woche die Landtagswahlen in Baden-Württemberg stattfinden werden, rief sie dazu auf, wählen zu gehen. Demokratie sei nicht selbstverständlich, man müsse an ihr mitwirken.

    Bitterwolf griff die Bitte auf und zitierte den amerikanischen Philosophen John Dewey mit den Worten „Demokratie muss in jeder Generation neu geboren werden“. Demokratie sei kein garantierter Dauerzustand, sondern ein fortlaufender Prozess, der aktives Engagement und Bildung fordere. Aktueller mit Blick auf die USA und auf die populistischen Strömungen hier bei uns konnte dieser Einschub kaum sein.

    Inga Holzinger (links) und Beatrice Ruopp halten das Scheitholz, mit dem Barny Bitterwolf musizierte.

    Dann griff Barny erneut zu einem leider fast vergessenen Instrument, dem Saiteninstrument Scheitholt oder auch Scheitholz. Das Instrument, wohl ein Vorläufer der Zither, sei auch hier gebräuchlich gewesen. Man spiele es auf Tischen. Weil der Moderator keinen Tisch zur Verfügung hatte, mussten Inga Holzinger und Beatrice Ruopp (Lehrerin an der Fachschule für Landwirtschaft Ravensburg) das Instrument halten. Es klang tatsächlich in etwa vergleichbar zur Zither.

    Dann wurde das Publikum wieder einbezogen, mit dem Lied vom Wein im Unterland, vom Most im Oberland, dessen Rest vom Vorjahr vor Abfüllung des neuen Jahrgangs gebrannt werden müsse, und vom Bier in Bayern. Diese Getränke seien doch dem Wasser stets vorzuziehen. Wenn aber der Beutel leer ist, dann müsse eben Wasser her! Dazu gab es typisch oberschwäbisch lauten Applaus, der besser sei als der in der Stuttgarter Liederhalle. Mit den drei Worten „Lass dir’s schmegga“ gab Barny das Kuchenbuffet zum Sturm frei.

    „Die Landwirtschaft wieder in die Mitte der Gesellschaft rücken“

    Dem kuchenreichen Sonntagsnachmittagskaffee folgten Grußworte. Anita Schmitt freute sich, an der Übergabe der Goldenen Meisterbriefe mitwirken zu dürfen. Sie hob die vorbildliche Leistungsbereitschaft der Hauswirtschaftsmeisterinnen hervor. Sie zählte die Zuständigkeiten und Kompetenzen dieser Frauen in Landwirtschaft und unterschiedlichsten Einrichtungen auf. Die unternehmerischen Anforderungen seien hoch. Aber nicht nur in ihren Zuständigkeiten leisten sie dies alles. Sie seien auch Persönlichkeiten, die sich vielfach ehrenamtlich einbringen, nachdem sie neben ihrer Arbeit auch die Meisterausbildung absolviert haben. In Vereinen und in der Kommunalpolitik würden sie sich hochmotiviert einbringen. In Fragen der Ernährung mussten in den vergangenen Jahrzehnten viele Änderungen umgesetzt werden. Für all das dankte ihnen Schmitt herzlich. Sie erinnerte an die bislang elf sehr verschiedenen Bundeslandwirtschaftsminister und an die bislang acht hier im Land, beispielsweise an Friedrich Brünner oder Gerhard Weiser und an den aktuellen Peter Hauk, der die heute zu übergebenden Urkunden unterzeichnet habe. Auch Wirtschaftskrisen vom autofreien Sonntag bis heute und damit verbundene Umbrüche gab es seit Mitte der siebziger Jahre. Unvergessen seien die Überproduktionen von Getreide, Milch, Butter etc. Damit verbundene Agrarstrukturpolitik sei ein Dauerthema, mit dem heute beispeilsweise sichere Ernährung, Klima, Nachhaltigkeit, Tierwohl, Artenschutz bis hin zum Green Deal gleichzeitig zu stemmen seien. Heute gelte es daher, die Landwirtschaft wieder in die Mitte unserer Gesellschaft zu rücken, den Verbraucher zu sensibilisieren, der Fleisch nur ohne Schlachtung wünsche. Ein Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen sei also wichtig. Dazu müssen wir uns selbstbewusst und aktiv einbringen. Mit unserer getroffenen Lebensentscheidung sollten wir auch eine überzeugende Berufung verbinden.

    Gastgeber Achim Strobel (Bild) gratulierte im Namen von Oberbürgermeister Matthias Henne zur Übergabe der Goldenen Meisterbriefe. Die Erlangung eines Meisterbriefs sei der höchste handwerkliche Berufsabschluss, würdigte er die nun fünfzigjährigen Meisterinnen und Meister. Dabei erinnerte er an Ideen für neue Slogans für Bad Waldsee. Aus „Waldsee tut gut“ sollte „Bad Waldsee – menschlich, malerisch und meisterhaft“ werden. Es blieb aber beim alten Slogan. Aber „meisterhaft“ könnte man dennoch auf die Ortsschilder setzen, meinte Strobel. Denn hier sei auch die landwirtschaftliche Meisterausbildung Tradition. Bereits 1922 gab es eine Landwirtschaftsschule, die heute Teil des Ernährungszentrums Oberschwaben ist. Und hier gibt es auch die Bauernschule, die gerade von Landfrauen bzw. Hauswirtschafterinnen gerne besucht werde. Abschließend erinnerte Strobel an die drei Feierlichkeiten, die Bad Waldsee in diesem Jahr begehen darf: 1100 Jahre erste urkundliche Erwähnung, 600 Jahre historisches Rathaus und 70 Jahre Prädikatisierung als „Bad“.

    An dieser Stelle griff Barny wieder in die Meisterfeier ein. Er betonte, man sei hier auch auf historischem Boden. Und erinnerte an die vor 500 Jahren auch in Gaisbeuren stattgefundenen Bauernkriege. Er fragte, was auf dem Dach der Wehrkirche St. Leonhard zu sehen sei. Niemand konnte die Frage beantworten! Tatsächlich befinde sich dort ein Morgenstern, eine der tödlichsten Waffen der Truppen des Bauernjörg. Das wäre doch sicher eine spannende Frage in Günther Jauchs „Wer wird Millionär“, meinte Barny.

    „Ernährung ist Kernaufgabe“

    Franz Schönberger vom Bauernverband Allgäu-Oberschwaben stellte fest, was allein in den letzten fünf Jahren seiner Amtszeit zu leisten war. Man musste besonnen durch die Bauernproteste führen und so den gesellschaftlichen Zusammenhalt bewahren. Einen Morgenstern brauche es dazu nicht, aber wie seit über tausend Jahren bleibe es, die Ernährung als unsere Kernaufgabe zu sehen. Unser Blick müsse nach vorne gerichtet sein, in die EU und auch weltweit. Wenn noch vor fünfzig Jahren allein die Ernährungssicherheit im Vordergrund stand, gehe es heute auch um die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit. In Baden-Württemberg gebe es noch 33.000 Landwirtschaftliche Betriebe und im Landkreis Ravensburg noch 2600 hauptsächlich Milchvieh haltende Betriebe. Aber die Landwirtschaft stelle nur noch 1 % der Erwerbstätigen. Es brauche daher eine klare, laute, kräftige und gute Stimme, die die Anliegen unserer Betriebe verdeutliche. Die Familienbetriebe müssten gesichert sein, auch wenn inzwischen 25 % der Rinderbestände abgebaut werden mussten.

    Schönberger erinnerte abschließend an zwei wichtige Termine im März, eine Diskussion mit allen um Landtagsmandate kämpfenden Parteien in Reichenhofen (war am 3. März) und am 19. März gehe es um das spannende Thema Stromspeichern. Schönberger dankte allen für ihr nimmer müdes Engagement und meinte, wir seien das Gesicht der Landwirtschaft, die doch der schönste Beruf sei. Dies untermauerte Barny mit seinem Bauernlied „Kraft vom Land“, zu dem alle Gäste mitsangen, mitklatschten und ein zuversichtliches Ja mit nach vorne gestrecktem Zeigefinger riefen.

    Bürokratie beklagt

    Anton Müller beklagte die rasant steigende Zahl von Gesetzen und Vorschriften. So hätten die Landratsämter ständig die Aufgabe, alles neu zu regeln beziehungsweise in eine verständliche Form zu gießen. Er möchte Oberschwaben als Standort der landwirtschaftlichen Bildung erhalten. Sowohl mit fachlichen als auch pädagogischen Blöcken der Bildungsarbeit würde man in die heutige Wirklichkeit der landwirtschaftlichen Berufe führen. Er ging auch auf die Hauswirtschaft ein. Dieser Beruf umfasse Haushaltsmanagement, Garten, Ernährung, Hygiene, Stall, Büro, soziale Bereiche, Pflege, Seniorenzentren und Tagungshäuser, Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, etc., beinhalte also auch unternehmerische Aspekte. Solche Multitalente  oder Allrounder füllten zahlreiche Lücken und seien heute sehr gefragt.

    „Große Lebensleistungen“

    Auch Thomas Lötsch würdigte die „Goldmeister“, die mit Verantwortung eine große Lebensleistung erbracht hätten. Mut, tägliches Aufstehen, Können, Führungsstärke, Umgang mit Veränderungen und Auflagen seien ständige Herausforderungen. Aber Modernisierungen seien auch der Innovationsmotor im ländlichen Raum. Und die Jungen könnten auf Fundamenten stehen, die die Geehrten aufgebaut haben. Technikaffin und mit Klarkurs oder Augenmaß könne man weiterschaffen. Sie alle dürfen stolz auf ihre Leistung sein, schließlich haben wir schon ganz andere Zeiten gemeistert. Auch ihr Goldener Meisterbrief sei ein Versprechen für die Zukunft. Auch Lötsch gratulierte allen Geehrten mit dem Zusatz, Meisterschaft kenne kein Verfallsdatum. In jeweiligen Dreiergruppen wurden die Geehrten von Steffi Rennings zur Übergabe gebeten und von allen Rednern beglückwünscht.

    Das Schlusswort hielt vlf-Vorsitzender Robert Wespel. Er dankte Inga Holzinger und allen, die diese Feier ermöglicht haben. Sein besonderer Dank galt auch dem Landratsamt, das die Feier mit einem Zuschuss unterstützte. Zuletzt gab es draußen noch ein großes Gruppenbild.

    Barny Bitterwolf mit der Schalmei.

    Barny zeigt den Morgenstern auf dem Dach von St. Leonhard in Gaisbeuren.

    Barny Bitterwolf, der drei Jahrzehnte lang als Referent an der Schwäbischen Bauernschule in der Erwachsenenbildung tätig gewesen war, bereicherte die Meisterfeier mit seiner Musik und seinem Wortwitz. Die meisten der Geehrten kennt er persönlich.

    Anton Müller.

    Thomas Lötsch.

    Die Ehrenden Thomas Lötsch, Anita Schmitt, Christine Dorn-Bohner, Robert Wespel und Inga Holzinger klatschen Beifall und halten Goldene Meisterbriefe bereit.

    Steffi Rennings ruft die zu Ehrenden auf.

    Die Landfrauen von Reute-Gaisbeuren sorgten für Bewirtung. Rechts Landfrauen-Chefin Ingrid Maucher.

    Alle Geehrten.

    Text und Fotos: Peter Lutz

    Die Liste der Geehrten haben wir unter „Downloads“ hinterlegt

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    Peter Lutz
    veröffentlicht am
    05.03.2026
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