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Erhebung der Pfarrkirche St. Verena zum Münster

Ein historischer Tag in Rot an der Rot

Foto: Hans Reichert
Bischof Dr. Klaus Krämer verliest die Erhebungsurkunde. Rechts Pater Johannes-Baptist Schmid O.Praem., der Leitende Pfarrer der Seelsorgeeinheit Rot-Iller.
veröffentlicht am: 03.11.2026
Autor: Hans Reichert
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Rot an der Rot – Es war ein historischer Festtag, der weithin über das oberschwäbische Tal der Rot strahlte: Am Kirchweihsonntag (18.10.) versammelten sich hunderte Gläubige, Gäste und Ehrengäste in der festlich geschmückten Pfarrkirche St. Verena, um ein doppeltes Großereignis zu begehen. Die ehemalige Prämonstratenserabtei blickte auf ihr 900-jähriges Gründungsjubiläum zurück – und erhielt aus den Händen des Bischofs der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Klaus Krämer, den Titel des Münsters verliehen.

Pater Johannes, als Ortspfarrer quasi der Hausherr im nun zum Münster erhobenen Roter Gotteshaus, hält die Urkunde in Händen. Foto: Hans Reichert

Bereits der Auftakt setzte den feierlichen Ton: Majestätisch brausten die Register der berühmten Holzhey-Orgel auf, als der festliche Einzug vom kraftvollen Gesang der Gemeinde begleitet wurde: „Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land, aus ew’gem Stein erbauet von Gottes Meisterhand.“

Norbertinisches Erbe und bewegte Geschichte

In seiner Festpredigt schlug Bischof Dr. Klaus Krämer den Bogen von den Ursprüngen bis in die Gegenwart. Er erinnerte an den Ordensgründer Norbert von Xanten, dessen Vision die Klostergründung im Jahr 1126 im Rottal beseelte. Norbert habe auf neue, unmittelbare Weise zum Volk gepredigt und eine Erneuerung der Kirche gefordert, die sich der Armut zuwendet und sich konsequent an den Evangelien sowie der Apostelgeschichte orientiert.

Über neun Jahrhunderte hinweg prägten 45 Äbte die Geschicke des Klosters bis zu dessen zwangsweiser Auflösung im Zuge der Säkularisation (1803). Einst lebte hier eine große Mönchsgemeinschaft, von der bedeutende Ausgründungen wie Weißenau und Obermarchtal und indirekt Schussenried (Tochtergründung von Weißenau) ausgingen. Doch der Weg war nicht frei von Erschütterungen: Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges stand das Gotteshaus leer und ausgebrannt da. Beim mühsamen Wiederaufbau ab 1684 forderte im Jahr 1784 ein schweres Unglück sechs Menschenleben, als ein Deckenbogen einstürzte und die Handwerker unter sich begrub.

Ein Gesamtkunstwerk voller Strahlkraft

Aus den Trümmern entstand ein barock-klassizistisches Gesamtkunstwerk von europäischem Rang. Die Deckenfresken von Januarius Zick und die meisterhafte Barockorgel von Johann Nepomuk Holzhey machen die Kirche zu einem weit über die Region hinaus geschätzten Juwel der Oberschwäbischen Barockstraße. Jahr für Jahr zieht der Sakralbau tausende Besucher an, die hier Spiritualität, Architektur und Musik erleben.

Dass diese Tradition quicklebendig ist, unterstrich die musikalische Gestaltung des Pontifikalamts. Unter der Leitung von Julian Enßle brachten die vereinigten Kirchenchöre Rot an der Rot und Berkheim, begleitet von Streichern und Bläsern, die „Missa pastoritia“ zur Aufführung. Es war das Werk von Nikolaus Betscher – des letzten Abtes vor der Säkularisation. Das ergreifende Kyrie sowie die feinfühlig und virtuos dargebotenen Orgelparts von Stefanie und Maximilian Pollner an der 36 Register zählenden Holzhey-Orgel verliehen der Liturgie eine dichte, berührende Atmosphäre.

Mitbrüderlich begleitet wird die Gemeinde heute wieder von den Prämonstratensern selbst: Bischof Krämer würdigte Pater Johannes, der als engagierter Seelsorger das geistliche Leben vor Ort lebendig hält. Auch die ehemaligen Konventgebäude erfüllen mit der heutigen Jugendbildungsstätte einen wichtigen pastoralen Auftrag für kommende Generationen.

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Segnung der Gedenktafel und Begegnung auf dem Kirchplatz

Nach dem Verenalied („Verena, lass in uns die Kraft des Glaubens neu entzünden, dass Gott durch uns das Gute schafft!“) und den Segensworten segnete Bischof Krämer die steinerne Gedenktafel, die von nun an die Erhebung zur Münsterkirche erinnert. Als zum Auszug das Te Deum („Großer Gott, wir loben dich“) aus Hunderten Kehlen und allen Registern der Orgel durch das Kirchenschiff brauste, war die Freude über die neue Würde des Gotteshauses greifbar.

Im Anschluss verlagerte sich das Geschehen bei strahlendem Herbstwetter auf den Kirchplatz. Die Musikkapelle Rot spielte schwungvolle Märsche wie den „Coburger“ zum Stehempfang, wo die Gemeindemitglieder, Zelebranten und Gäste noch lange verweilten, Erinnerungen austauschten und auf die 900-jährige Geschichte sowie die Zukunft ihres neuen Münsters anstießen.

Platzkonzert und gute Gespräche: Gerne stand die Festgemeinde nach der kirchenrechtlichen Erhebung des Roter Gotteshauses zum Münster auf dem Vorplatz zusammen.

Text und Fotos: Hans Reichert

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