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Am 1. November feiert die Katholische Kirche ihre Heiligen. Am 2. November, dem Allerseeelentag, gedenkt die Kirche der Verstorbenen. Allerheiligen wird wie ein österliches Fest gefeiert. Nach christlicher Lehre ist der Tod nicht das Ende, an Ostern wird ja die Auferstehung Jesu gefeiert. Die Priester tragen daher an Allerheiligen als liturgische Farbe weiß (oder goldfarben, da und dort auch rot in Erinnerung an die Märtyrer). Zum Evangelium werden die berühmten Seligpreisungen aus der Bergpredigt gelesen. Im Unterschied dazu wird am Totengedenktag 2. November violett oder schwarz getragen. Aus organisatorischen und personellen Gründen wird die Allerseelen-Tradition mit Gräberbesuch an vielen Orten auf den 1. November vorgezogen, auch weil dieser ein staatlich geschützter Feiertag ist und die Gläubigen an diesem Tag arbeitsfrei und somit die Zeit haben, die Friedhöfe zu besuchen und ihrer Toten zu gedenken. Der 1. November hat mithin einen Doppelcharakter: Freude über die vorbildlichen Christen, die Heiligen, die ihre Vollendung bei Gott gefunden haben, und mitfühlendes Denken an die Verstorbenen, die auf dem Weg dahin sind.
Gabriela Dörflinger, Pfarrsekretärin in Bad Waldsee, hat uns nachstehende Gedanken zu Allerseelen zukommen lassen:
In einer Truhe – ich nenne sie Schatzkästchen – bewahre ich sie auf: Die vielen, vielen Sterbebildchen, die sich über all die Jahre angesammelt haben. Hin und wieder nehme ich die Schatulle zur Hand, öffne sie und beginne darin zu stöbern. Und plötzlich begegnen mir so viele Gesichter. Gesichter von Menschen, die nicht mehr unter uns sind, die uns vorausgegangen sind.
Bei manchen bleibe ich länger hängen. Sofort kommen Erinnerungen zurück und ich denke an gemeinsame Begegnungen, an Gespräche und an besondere Momente. Bei anderen muss ich länger überlegen. Vielleicht kannte ich sie selbst kaum, vielleicht standen sie meinen Eltern nahe oder gehörten zu einer Zeit, die schon lange zurückliegt. Und doch ist da dieses kleine Bild, das an einen Menschen erinnert, der einmal gelebt, gelacht, geliebt und seine Spuren hinterlassen hat.
In all den Jahren sind es so viele Sterbebildchen geworden. Jedes einzelne erzählt eine Geschichte. Hinter jedem Gesicht steht ein Leben, mit all seinen Freuden und Sorgen, mit Hoffnungen, Begegnungen und Abschieden. Manche dieser Menschen sind uns noch ganz nah, obwohl sie schon lange nicht mehr bei uns sind. Andere sind mit der Zeit ein wenig in den Hintergrund getreten. Und doch sind sie nicht ganz vergessen, solange wir uns an sie erinnern. Solange wir sie auch im Herzen tragen.
Manchmal macht mich das Betrachten dieser vielen Bildchen traurig. Es wird mir bewusst, wie viele Menschen schon gegangen sind und wie viel Zeit vergangen ist. Wie viele Abschiede es gegeben hat und wie viele Erinnerungen geblieben sind. Doch dann kommt auch ein tröstlicher Gedanke: Sie sind aufgehoben bei dir, oh Herr. Sie sind bei dir geborgen und uns vorausgegangen auf dem Weg, den auch wir eines Tages gehen werden.
Wie schön, dass es diese kleinen Sterbebildchen gibt. Sie sind mehr als nur Erinnerungsstücke. Sie bewahren Gesichter vor dem Vergessen, lassen Gedanken an frühere Begegnungen wieder lebendig werden und verbinden uns mit Menschen, die zu unserem Leben gehört haben. Manche tragen wir tief in unserem Herzen, weil sie für uns unvergesslich sind. Andere begegnen uns beim Betrachten dieser Bildchen wieder für einen kurzen Augenblick, und auch das ist etwas Kostbares.
An Allerheiligen / Allerseelen denken wir besonders an die Menschen, die uns vorausgegangen sind. Wir besuchen ihre Gräber, schmücken sie mit Blumen und entzünden vielleicht ein Licht. Wir halten inne, erinnern uns und spüren, dass die Verbindung zu unseren Verstorbenen nicht einfach mit ihrem Tod endet. Sie leben weiter in unseren Gedanken, in unseren Herzen und in all dem, was sie uns mitgegeben haben.
Und vielleicht werde ich auch in diesem Jahr wieder mein „Schatzkästchen“ hervorholen. Ich werde es öffnen, die vielen Sterbebildchen durchsehen und von Gesicht zu Gesicht wandern. Vielleicht werde ich bei manchen lächeln, bei anderen still werden und mich an längst vergangene Zeiten erinnern. Vielleicht werde ich auch ein wenig traurig sein. Aber ich werde dankbar sein für die Menschen, denen ich begegnen durfte, und für all jene, die mein Leben und das Leben meiner Familie geprägt haben.
Denn jedes dieser Bildchen erinnert mich daran, dass hinter jedem Namen ein Mensch steht und hinter jedem Menschen eine Geschichte. Und dass es gut ist, sich zu erinnern. Nicht nur an Allerheiligen und Allerseelen, sondern immer wieder. Denn solange wir einen Menschen in unserem Herzen tragen, ist er nicht vergessen.
Sie sind uns vorausgegangen. Wir aber dürfen sie in unseren Erinnerungen bewahren und darauf vertrauen, dass sie bei dir, oh Herr, geborgen sind.
Gabriela Dörflinger





























